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Günzburg

17.07.2019

Neues Gerät an Kreisklinik: Gesund werden mit jedem Atemzug

Sie blicken durch den neuen Planungs-Computertomographen der Praxis Radiolog an der Günzburger Kreisklinik: (von links) Landrat Hubert Hafner, zweiter Bürgermeister Anton Gollmiter, der Chefarzt der Onkologie an der Kreisklinik, Dr. Peter Müller, Stefan Braitinger (geschäftsführender Gesellschafter von Radiolog) sowie die Mediziner Dr. Katharina Barkhausen und Dr. Felix Thierer (sie leiten Radiolog in Günzburg).
Bild: Bernhard Weizenegger

Erst vor drei Jahren hat Radiolog die Strahlentherapie auf dem Günzburger Klinikgelände eröffnet. Jetzt erweitert ein neues Gerät das Behandlungsspektrum.

Es ist nicht selbstverständlich, dass eine Chefin ihr geräumiges Büro aufgeben muss und sich auch noch darüber freut. Dr. Katharina Barkhausens Schreibtisch steht jetzt in einem Durchgangszimmer, ein bisschen in die Ecke gedrängt – trotzdem ist der Medizinerin anzumerken, dass sie diesen Umzug mehr als gerne in Kauf genommen hat. Dort, wo sie früher Gespräche mit Patienten und Mitarbeitern geführt hat, steht jetzt nämlich ein Gerät, das die Fachärztin für Strahlentherapie als „Herzenswunsch“ bezeichnet. Eine halbe Million Euro hat das Unternehmen Radiolog in den Planungs-Computertomographen investiert. Was diese Maschine kann, ist eine große Hilfe für allem für Patienten mit Tumoren. Und auch andere Patienten der Kreisklinik Günzburg haben etwas von der Neuanschaffung.

Die radiologische Praxis der Firma Radiolog an der Kreisklinik Günzburg verfügt nun über einen eigenen Planungs-Computertomographen CT.
Bild: Bernhard Weizenegger

Wohnortnahe Versorgung

„Mit diesem Gerät schließen wir das letzte Kapitel unserer vollständigen Ausstattung“, erklärt Dr. Stefan Braitinger. Der geschäftsführende Gesellschafter des Unternehmens Radiolog ist selbst praktizierender Arzt. Der große Zustrom an Patienten am vor drei Jahren eröffneten Günzburger Standort zeige, dass hier eine bedarfsgerechte Lösung entstanden sei, die ein wohnortnahes Versorgungsdefizit geschlossen habe. „Zuvor mussten viele Patienten für die Bestrahlung nach Ulm oder Neu-Ulm fahren. Jetzt können wir ihnen viele Wege ersparen.“

Kurze Wege hatte Radiolog bisher auch nutzen können, um Aufnahmen im Computertomografen der Kreisklinik anzufertigen. Durch das neue Gerät des Unternehmens werden Kapazitäten bei der Kreisklinik frei, die nun anderen Patienten zugutekommen können. Doch der Planungs-Computertomograph kann für die Tumorpatienten noch viel mehr leisten, wie Dr. Katharina Barkhausen erklärt. „Mit dem Gerät können wir noch präziser und schonender bestrahlen.“ Die natürliche Atembewegung des Patienten wird dabei als vierte Dimension mit einbezogen: Das Gerät liefert Aufnahmen des Körpers in unterschiedlichen Positionen des Atmens.

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Ein Quantensprung für die Behandlung

„Optimal ist in der Regel die Position, die beim Einatmen entsteht“, erklärt die Medizinerin. In dieser Haltung kann zum Beispiel gezielt so bestrahlt werden, dass das Herz oder andere, nicht befallene Organe geschützt werden. „Die korrekte Position wird eingespeichert – wenn der Patient diese Position verlässt, schaltet sich das Gerät ab.“ Besonders für Patienten mit Tumoren im Bereich des Brustraumes sei dies ein Quantensprung.

So sieht es auch Dr. Peter Müller, der Chefarzt der Onkologie an der Günzburger Kreisklinik. Wichtiger als die Apparate, die hier zum Einsatz kommen, ist für ihn jedoch ein anderer Faktor. Müller sprach die erst am Montag bekannt gewordenen Ergebnisse einer Studie der Bertelsmann-Stiftung an, wonach die Zahl der Kliniken in Deutschland von aktuell knapp 1400 auf weniger als 600 sinken soll. Die Argumentation der Wissenschaftler: Die verbleibenden Häuser könnten mehr Personal und eine bessere Ausstattung erhalten und so eine deutlich bessere Versorgung von Patienten erreichen.

Medizin macht der Mensch für den Menschen

„Das ist die Denke von Betriebswirten“, so der Günzburger Onkologe. „Die Medizin macht aber nicht der Apparat. Die Medizin macht der Mensch für den Menschen.“ Dass die Strahlentherapie in Günzburg in so kurzer Zeit bereits zu einer Erfolgsgeschichte geworden sei, liege an den Menschen, die sich damit befassen. „Darum freut es mich nicht nur, dass Sie hier eine schöne Maschine haben, sondern ich freue mich auch sehr, dass Sie da sind“, sagte Müller an Barkhausen und ihren Kollegen Dr. Felix Thierer gewandt. Diese führen gemeinsam mit ihrem Team aus medizinischem und nicht-medizinischem Personal die Strahlentherapie in enger Zusammenarbeit mit der Kreisklinik durch.

Der Chefarzt der Onkologie an der Kreisklinik Günzburg, Dr. Peter Müller.
Bild: Bernhard Weizenegger

Eine Zusammenarbeit, die auch Landrat Hubert Hafner als ausgesprochen positiv bewertet. „Es ist wunderbar, dass jetzt durch das neue Gerät die Nebenwirkungen für die Patienten weiter verringert werden können“, so Hafner, der sich mit zweitem Bürgermeister Anton Gollmitzer vor Ort ein Bild von der neuen Einrichtung machte.

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