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Burtenbach

11.08.2020

Neues Wohnmodell im Schertlinhaus Burtenbach: Selbstbestimmt in der Gemeinschaft

In das Schertlinhaus in Burtenbach (links) soll wieder Leben einziehen: 60 Wohnungen mit Balkon zu erschwinglichen Mietpreisen sind geplant. Die Investoren stellen sich ein Mehrgenerationen-Haus mit selbst gestalteten Lebensgemeinschaften vor. Das Schertlinhaus 2 (rechts) wird Diakoniezentrum bleiben.
Bild: Bernhard Weizenegger

Plus In Burtenbach sollen im Schertlinhaus 60 moderne Wohnungen zu bezahlbaren Preisen entstehen. Die Investoren suchen Menschen mit Visionen. Was dort geplant ist.

In Würde alt werden können: selbstbestimmt und trotzdem in der Gemeinschaft – mit jungen und alten Menschen. Diesen Lebensentwurf wollen zwei Investoren als Wohnmodell im Schertlinhaus in Burtenbach verwirklichen.

Der 74-jährige ehemalige Bauunternehmer Thomas Korselt aus München und der 55-jährige Unternehmensjurist Peter Müller aus Augsburg sind ein eingespieltes Investorengespann. Beide haben nach eigenem Bekunden in den vergangenen Jahren erfolgreich etliche Wohnungsprojekte entwickelt und verwirklicht.

Nach dreieinhalbjährigen Verhandlungen ist es ihnen gelungen, das Schertlinhaus in Burtenbach zu kaufen. „Wir waren und sind nicht unter Zeitdruck, doch so lange hab ich noch nie verhandelt“, sagt Peter Müller rückblickend mit einem Schmunzeln. Die Immobilie im Herzen Burtenbachs mit Blick ins Mindeltal erscheint ihnen ideal für den Quartiersgedanken, ein menschenwürdiges Zusammenleben mit hoher Lebensqualität zu verwirklichen.

Die Substanz des Schertlinhauses in Burtenbach sei gut

Das Schertlinhaus steht seit vielen Jahren leer, doch die Substanz des Gebäudes sei gut. Die Pläne, die von Korselts Frau erstellt wurden, sehen dort Zwei-, Drei- und Vierzimmerwohnungen ab einer Fläche von 45 Quadratmetern vor. „Alles darunter ist menschenunwürdig“, sagt Korselt. „Da leben Menschen jahrzehntelang in großen Häusern und werden im Alter dann in kleine Zimmer gepfercht“, beschreibt der erfahrene Bauunternehmer die Wohnsituation vieler Senioren.

Das wollen die beiden ändern. „Wir hätten das Haus auch leicht vermieten können, aber wir wollen etwas Soziales machen“, erklären die beiden ihre Absichten. Etwa zwei Millionen Euro haben sie für den Erwerb des Areals bezahlt, noch einmal vier Millionen Euro soll der Umbau in hochwertiger Bauweise kosten.

Es gebe Interessenten aus ganz Deutschland

Losgehen sollen die Baumaßnahmen noch in diesem Jahr. Alles hängt von den Genehmigungen und vom Interesse künftiger Mieter ab. „Eigeninitiative ist jetzt gefragt“, sagt Korselt. Es gebe Interessenten aus ganz Deutschland, nachdem sie für ihre Idee in einer bundesweit erscheinenden Zeitschrift geworben hatten. „Ich stell mir selbstorganisierte Gemeinschaften vor, die beispielsweise eine ganze Etage des Gebäudes mieten“, sagt Korselt. Weil keine Eile besteht und es drei Eingänge gibt, könne das Schertlinhaus auch etagenweise umgebaut werden. Im Zusammenwirken mit den Bürgern im Ort soll ein Zentrum „mit sozialem Touch“ entstehen.

Alle Wohnformen seien vorstellbar, auch das Leben mit Behinderung sei dort gut möglich. Dabei sollen sich keine selektierten Gruppen bilden. „Nur wenn Interessen sich überschneiden, hat es auch Stabilität“, wissen die Investoren. So gebe es räumlich viele Möglichkeiten zur freien Gestaltung: Werkräume für Kurse, Theater, Handarbeit, Musizieren und Werken, gemeinsame Gartengestaltung oder das Zusammenleben mit Tieren. „Wenn sich die Generationen zusammenschließen, kann davon jeder profitieren“, sagt Korselt.

Und wenn es nicht mehr möglich ist, dass sich ein Mieter gänzlich selbst versorgt, stehe im nur 80 Meter entfernten Diakoniezentrum der Pflegeservice der Rummelsberger für alle Pflegestufen bereit.

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