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Günzburg

21.05.2020

Notbetreuung in Kitas wird ab Montag ausgeweitet

Die Steinschlange und die Girlande werden wohl noch eine Weile bleiben. Die Notbetreuung wurde zwar erweitert, für alle anderen gilt aber bis nach den Pfingstferien das Betretungsverbot.
Bild: Sandra Kraus

Plus Die Leiterinnen der Kitas sprechen über ihre Erfahrungen mit der für alle Beteiligten ungewohnten Situation. Wie der "Alltag" in Zeiten von Corona aussieht.

Nach München zur Staatsregierung blicken gerade jetzt die Leiterinnen der Kitas. Der neuste Beschluss verheißt Gutes: Ab Montag wird die Notbetreuung wie erwartet ausgeweitet. Dann dürfen auch Kinder, die für September in der Schule angemeldet sind, und ihre Geschwister wieder in den Kindergarten.

Birgit Kurz, Sachgebietsleiterin für Schule, Sport und Jugend im Rathaus der Stadt Günzburg, erklärt: „Bis jetzt wurde Notbetreuung angeboten für Kinder aus elternbezogenen Gründen, wie zum Beispiel die Arbeit im Bereich der kritischen Infrastruktur oder für Alleinerziehende, oder wenn es selbst im Vordergrund steht, aus schwierigen Familiensituationen kommt. Schulkinder, momentan Kinder der 1. und 4. Klassen, kommen an ihren Schultagen in den Hort.“ Im Kinderhaus Hagenweide waren das am Dienstag fünf Krippenkinder, 16 Kindergartenkinder und zwei Hortkinder. „Der Gruppenalltag ist nicht vergleichbar, weder personell noch räumlich. Wir haben organisatorisch und pädagogisch Notbetreuung“, gibt Kurz zu bedenken.

Günzburg: "Das hat etwas von einem Geisterkindergarten"

Die Gruppen sind klein, gehen versetzt nach draußen, es wird viel desinfiziert, gemeinsames Spielzeug auf Gruppen aufgeteilt, manches ganz weggeräumt. In den Garten und zum Essen geht es auf der Hagenweide zeitversetzt. Im Katholischen Kindergarten St. Martin spielen zurzeit acht Kinder. Nach der Anordnung des Betretungsverbots für Kinder am 16. März waren die Räume sogar komplett kinderlos, Ende März kam ein einziges Kind. „Das hat etwas von einem Geisterkindergarten. Für uns ist das eine belastende Situation. Der normale Alltag wäre super. Schöpfung bewahren wäre gerade unser Thema“, schildert Leiterin Carmen Elsäßer ihr Empfinden.

Notbetreuung in Kitas wird ab Montag ausgeweitet

Auch für die Kinder ist vieles ungewohnt. Das fängt schon beim Kommen an, weil die Eltern das Haus nicht betreten dürfen und die Verabschiedung an der Kita-Tür stattfinden muss. Dort wo die lange Steinschlange und die bunte Girlande „Wir vermissen euch“ sind. In einem Korb liegen Experimente bereit, es gab Bastelideen zu Muttertag und Vatertag. Auch online ist viel zu entdecken. Die Geburtstagskinder bekommen seit neustem ein Geschenk nach Hause gebracht; es gilt den Kontakt zu halten.

Nur 7 von 25 Kindern kommen tatsächlich zur Notbetreuung im evangelischen Kindergarten in Günzburg

Das ist auch für Martina Dittmayer und ihr Team im Evangelischen Kindergarten ganz wichtig. Von Anrufen, über E-Mails, Briefen, Besuchen mit Abstand ist alles dabei. „Die Stimmung ist gut. Wir sitzen alle im gleichen Boot und haben nur eine Ausnahmesituation und keinen Krieg. Und unsere Eltern bekommen es echt gut hin“, erzählt Dittmayer. Von 25 Kindern, die das Recht auf Notbetreuung haben, nutzen es nur sieben. Ab Montag könnten maximal elf Vorschulkinder und deren fünf Geschwister dazu kommen. „Wir hangeln uns im 14-tägigen Rhythmus durch, den die Regierung mit den Lockerungen vorgibt. Informiert sind wir gut.“

Es blieb Zeit für einige Renovierungen im Garten. Es geht in allen Einrichtungen darum die Hygienestandards einzuhalten, kleine Gruppen mit festem Personal zu bilden, abgetrennte Bereiche zu schaffen. Mögliche Infektionsketten sollen erkennbar sein. Birgit Kurz aus dem Rathaus weiß bisher von keinem an Covid-Erkrankten Kind oder Mitarbeiter.

14 Kinder gehen derzeit ins Montessori Kinderhaus in Nornheim

„Das Kind in den Mittelpunkt zu stellen und alles andere ganz unaufgeregt herum zu basteln“, so schildert Brigitte Brandt vom Montessori Kinderhaus in Nornheim ihre Herangehensweise. Man sei sehr flexibel und in gutem Austausch mit Stadt und Landratsamt. Unmut bei den Eltern gebe es keinen. Auch bei den Montis stand anfangs das Team ohne ein einziges Kind im Kinderhaus, mittlerweile sind 14 von normal 59 Kindern zurück. Manch eines sagte zur Begrüßung: „Ich habe dich so vermisst!“ Der große Garten mit seinen verschiedenen Bereichen macht es einfacher.

Mit strengen Hygieneregeln ist auch die Montessori-Waldgruppe ausgestattet, neu ist ein fester Übergabepunkt, für mehr Wasser zum Händewaschen ist gesorgt. Gegen Null geht die Toleranz, wenn Kinder kränkeln oder husten. „Wir sind uns im Team der Ansteckungsgefahr bewusst, Mundschutz geht aber gar nicht“, sagt Brandt.

Bei „Kids&Company“ waren wegen des hohen Anteils von Eltern in pflegerischen Berufen von Anfang an viele Kinder in der Notbetreuung. Mit mehr als 30 Kindern in Krippe und Kindergarten ist aktuell fast die Hälfte da. „Am Montag ändert sich bei uns gar nichts, denn entweder sind die Vorschulkinder schon da oder sie bleiben freiwillig weiter zu Hause“, sagt Leiterin Simone Rühlow. Damit die geforderten kleinen Gruppen machbar sind, wurde aus der Turnhalle ein Gruppenraum. Das Kinder-Restaurant wird nacheinander besucht, der Morgenkreis mit Abstand begangen. „Unser Ziel ist es hier den Kindern ein Stück Alltag zu schenken. Wir thematisieren das Coronavirus nicht. Deshalb wird es aber nicht ignoriert. Es ist eine besondere Zeit.“ Eine Zeit, in der das Lachen, Spielen und Toben von 65 Kindern fehlt. „Wir freuen uns über jedes Kind, das kommt,“ sagt Rühlow und ihr Lächeln ist sogar am Telefon zu spüren, als sie fortfährt: „Keine Bedürfnisse des Kindes sollen vernachlässigt werden wegen des Virus. Dazu zählen eine Umarmung beim Trösten und ein maskenfreies Lächeln.“

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