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Premiere

12.03.2017

„Nur einen wänzägen Schlock“

Nach zwei Jahren Spielpause begeisterte die Neue Bühne Ichenhausen in einer ausverkauften Premiere mit dem Kultstück „Die Feuerzangenbowle“ im passenden Ambiente der Dilldapper-Bühne. Unter die Oberprimaner mischt sich Hans Pfeiffer (Andreas Werner) auch in der Unterrichtsstunde bei Professor Bömmel (Peter Berger).
Bild: Sandra Kraus

Die Neue Bühne Ichenhausen hat sich an das Kultstück „Die Feuerzangenbowle“ gewagt.

An vielen großen Bühnen zählt sie zu den Kultstücken, auf der Dilldapper-Bühne Ichenhausen könnte sie eines werden. Die Neue Bühne Ichenhausen zeigte eine begeisternde Premiere von „Die Feuerzangenbowle“, literarisch von Heinrich Spoerl geschaffen, filmisch bekannt gemacht durch Heinz Rühmann in der Hauptrolle.

Mit diesen Bildern im Kopf nimmt der Zuschauer Platz im historischen Theatersaal. Dessen Ambiente aus dem ausgehenden 19. Jahrhundert bietet den passenden Rahmen zum Treffen dieser Altherrenrunde, die sich um eine zischende und wohlduftende Feuerzangenbowle versammelt. Bei den Erinnerungen an die Schulzeit kann nur einer nicht mitlachen: Schriftsteller Dr. Johannes Pfeiffer. In feuerzangenbowlen-seliger Stimmung reift der Entschluss, Pfeiffer als Oberprimaner im beschaulichen Badenberg einzuschleusen.

Theaterspieler Andreas Werner gelingt binnen Minuten die Verwandlung in einen schlaksigen Gymnasiasten mit knielanger Hose, Pullunder, weißem Hemd, Krawatte, Ballonmütze und schwarzen Kniestrümpfen. Sein Platz ist gleich in der ersten Bank neben Husemann (Martin Kraus), dahinter Rudi Knebel (Peter Miller) und Rosen (Ernst-Benedikt Bierlein). Auf der anderen Seite des Katheters ganz vorne der kleine Luck und Einserschüler (Johannes Strehle), Melworm (Leo Reinhard) und Ackermann (Gregor Mafulu). Diese Oberprimaner sind zwar im echten Leben auch Schüler der elften und zwölften Klasse, doch mit den pädagogischen Prinzipien dieser Lehranstalt nicht vertraut.

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Regisseurin Vera Hupfauer hat diese jungen Talente mit all ihren unterschiedlichen Rollen-Charakteren zu einer auf das Wort gehorchenden Oberprima aus vergangenen Zeiten zusammengeschweißt. Einzigartig auch der Lehrkörper mit Direktor Knauer, genannt Zeus, gespielt von Wolfgang Allgäuer, Professor Crey, genannt Schnauz, gespielt von Karl Jordan, und Bömmel, Professor für Physik, gespielt von Peter Berger. Mittendrin, immer ausdrucksstark und präsent, Hans Pfeiffer. Das Publikum lacht bei der legendären Chemiestunde zur alkoholischen Gärung von Professor Crey und den ungeahnten Auswirkungen des Heidelbeerweins nach „jeweils einem wänzägen Schlock!“. Vergnüglich auch die Bömmelsche Stunde zur „Dampfmaschin“ und seiner Herangehensweise für schwierige Fälle mit dem Satz „Da stelle mer uns janz dumm“. Peter Berger, gebürtiger Rheinländer, ist diese Rolle quasi in die Wiege gelegt worden.

Pennäler schmelzen dahin

Was fürs Herz bietet die Romanze der gesamten Oberprima zur Referendarin Eva Knauer, der Selma Berger ihren ganzen Liebreiz leiht. Die sonst zu Streichen aufgelegten Pennäler schmelzen im Musikunterricht nur so dahin, nur Hans Pfeiffer stört den Gesang mit seinen unreinen Tönen. Nach dem Unterricht ist die Kammer von Hans Pfeiffer bei der fürsorglichen und sympathischen Zimmerwirtin Windscheid (Claudia Jedelhauser) Treffpunkt für so manche Sause. Dass allerdings Pfeiffers elegante Verlobte Marion (Alexandra Seibel) ausgerechnet zur geselligen Runde der Chartreuse grün kommen muss, ist bitter. Dabei scheint doch Hans Pfeiffers Herz längst auch für die schöne Eva zu schlagen, wie die Balkonszene im Dilldapper-Saal beweist.

Pfeiffers Meisterstück in der Kategorie Schülerstreiche wird die Parodie von Pauker „Schnauz“, zu der der Oberschulrat (Wilfried Nagat) hereinplatzt. Das Ende gerät famos. Der Neuen Bühne Ichenhausen ist es gelungen, die vielen Szenen und Bilder des Theaterstücks zu einem schauspielerisch sehr ansprechenden Ganzen zu verweben. Das Publikum amüsiert sich in dieser Rückschau auf die gute alte (Schul-) Zeit, schmunzelt und lacht oft laut auf.

Das Zittern um den Dilldapper-Saal

Einfallsreich gelöst ist das Bühnenbild, das Gerhard Sprenger verantwortet. Der Umbau vom Klassenzimmer zur Bude von Hans Pfeiffer passiert im Halbdunkel, wunderschön untermalt von Klassenprimus Luck alias Johannes Strehle am Klavier. Peter Berger, Vorsitzender der Neuen Bühne Ichenhausen, dankt nach dem großen Schlussapplaus den vielen, die „zu diesem manchmal schon nicht mehr wahrscheinlich geglaubten Premieren-Fest“ beigetragen haben.

Zwei Jahre Planen, das Zittern um den Dilldapper-Saal und dann mitten in den Proben der Ausfall des Hauptdarstellers, für den Andreas Werner kurzfristig einsprang, brachten die Neue Bühne oft an ihre Grenze. Lob gab es an die Jungs der Oberprima, die es mit den alten Knackern der Lehrer über die Proben-Wochen ausgehalten hatten. Der gelungene, liebevoll inszenierte Theaterabend, dessen Spiel die durchdachte Regie-Handschrift von Vera Hupfauer trägt, wird noch sieben Mal gezeigt. „Sätzen Se säch“, nicht direkt in die Schulbank bei Professor Crey, sondern ins Parkett der Dilldapper-Bühne Ichenhausen.

Die nächsten Termine sind am 18. und 19. März um 19.30 Uhr. Einlass ab 18.30 Uhr und Kartenvorbestellungen unter 08223/400 50.

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