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07.03.2018

Offingen verlegt Glasfaser auf eigene Faust

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Zusätzlich zur Gemeinde wird die Telekom wohl eigene Glasfaserkabel verlegen.
Bild: Wolfgang Widemann (Symbolbild)

Die Gemeinde plante den Breitbandausbau, plötzlich wollte die Telekom doch selbst ausbauen. Warum die Gemeinderäte dennoch den eigenen Weg wählen.

Das Thema Breitbandausbau sollte in Offingen eigentlich seit Januar durch sein. Der Gemeinderat hatte beschlossen, mit einer Förderung des Freistaats alle Haushalte in Offingen, die bislang langsames Internet hatten, ans Glasfasernetz anzuschließen. Voraussetzung für die Förderung ist, dass die Häuser bisher weniger als 30 Megabit pro Sekunde erhalten – das reicht knapp für Full-HD-Filme – und die neue Leitung bis ins Gebäude statt nur bis zum Verteiler gelegt wird.

Telekom legt nur bis zum Verteilerkasten Glasfaser

Die Netzbetreiber, allen voran die Telekom, legen in der Regel nur bis zum Verteilerkasten neue Leitungen. Von dort ins Haus fließen die Informationen weiter über Kupferkabel, die die Geschwindigkeit massiv bremsen. Vergangenen Herbst hatte die Gemeinde erfragt, ob Netzbetreiber einen Eigenausbau in Offingen planen. Die Antwort: Nein. Doch nun haben die Telekom und die LEW Telnet „völlig überraschend“, wie Bürgermeister Thomas Wörz (SPD) bei der Sitzung sagt, doch Vorhaben verkündet. LEW möchte eine Leitung zur Staustufe an der Donau legen, an die man „nur vielleicht auch benachbarte Gebäude anschließen könnte“, sagt Wörz. Die Telekom plant einen Ausbau zwischen der Bahnstrecke und der Mindel – allerdings nur bis zum Verteiler.

Gemeinderat beharrt auf kommunalem Ausbau

Der Bürgermeister sagt, die Gemeinde könne sich den eigenen Ausbau in diesen Gebieten nun theoretisch sparen. Baut sie alles eigenständig aus, zahle sie nach Abzug der Förderung etwa 300000 Euro. Überlässt sie die Gebiete den beiden Netzbetreibern, kommen nur 93000 Euro auf die Gemeinde zu. Wörz habe lange überlegt, doch der Ausbau bis ins Haus sei für ihn die sinnvollere Variante, auch wenn er teurer ist. Monika Schweizer (SPD) stimmte zu: Nur Glasfaser bis ins Haus sei zukunftsfähig. „Dieser Technologie dürfen wir uns nicht verweigern.“

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Die Dritte Bürgermeisterin Marie Luise Eberle (CSU) sagte: „200000 Euro können wir auch in andere Dinge investieren.“ Dennoch stimmten die Räte mit 13 zu drei Stimmen für die Beibehaltung der Pläne, wodurch noch dieses Jahr zwei verschiedene Glasfaserkabel in der Gemeinde liegen könnten.

Entscheidung zu Solaranlage vertagt

Außerdem hat die Gemeinde kürzlich ein Elektroauto für den Bauhofchef gekauft. Nun möchte Wörz, dass eine Solaranlage auf dem Bauhof montiert wird, die den Strom dafür erzeugt. Doch für die Räte blieben zu viele Fragen offen. Die Anlage soll eine Maximalleistung von zehn Kilowatt besitzen. Die Räte verlangten zu ermitteln, wie viel der Bauhof selbst verbrauchen kann und wie die Energie gespeichert werden soll, um das Auto nachts zu laden. Einige zeigten sich verblüfft angesichts der Planungskosten. Der Bau selbst soll 20000 Euro kosten, die Planung zusätzliche 8000 Euro. „Dieses Verhältnis ist zu extrem“, sagte Schweizer. Wörz kündigte an, Angebote ohne Planungsbüro einzuholen und zu überprüfen, ob der eingespeiste Strom nachts abgerufen werden kann. Sonst prüfe man, ob eine andere Speicherung möglich sei.

Ergänzung vom 9. März 2018: In Offingen sind 1200 Haushalte und Gewerbetreibende im westlich der Mindel gelegenen Gemeindegebiet an ein Glasfasernetz angeschlossen worden, teilen LEW Telnet und M-Net mit. Mit mehr als dreieinhalb Kilometern Glasfaserkabel seien sieben Kabelverzweiger an das Netz von LEW Telnet angebunden worden. Für das letzte Stück würden die bestehenden Kupferkabel eingesetzt, im späteren Ausbau könne die Glasfaserleitung bis zum Haus verlängert werden. Dafür sei die Basis gelegt. „Der Breitbandausbau bietet unseren Bürgern eine hohe Lebensqualität und stärkt die Wirtschaftskraft unserer Gemeinde“, erklärt Bürgermeister Thomas Wörz.

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