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Leinheim

13.11.2018

Ordnung und Sauberkeit im Rotlichtmilieu

Im Club „Je t’aime“ geht es drunter und drüber – Szene aus der Premiere von „Zoff im Puff“ bei der Eintracht Leinheim.
Bild: Reinhold Amling

In Leinheim findet die glanzvolle Premiere des Stücks „Zoff im Puff“ statt. Alle Aufführungen sind bereits ausverkauft.

Auch in verruchten Etablissements gibt es ganz normale Menschen mit ganz normalen Problemen – die Theatergruppe der Leinheimer Eintracht zeigt das vorzüglich in ihrem Stück „Zoff im Puff“, das am Wochenende Premiere feierte.

Im Club „Je t´aime“ von Berta alias Madame Alberta geht es seit 22 Jahren eigentlich ganz bürgerlich zu. Die Perle Erna, resolut verkörpert von Brigitte Amling, sorgt für Ordnung und Sauberkeit, Walter Götzl als bodenständiger Hausmeister kümmert sich um elektrische und sanitäre Probleme und lässt sich statt Hausl lieber Facility Manager nennen. Die Damen des Hauses, Schantall und Desiré, beide glänzend präsentiert von Carolin Almoslöchner bzw. Daniela Volk, kümmern sich liebevoll um die männliche Kundschaft.

Diese besteht aus dem Witwer Willi, der, um seiner häuslichen Einsamkeit zu entfliehen, zweimal die Woche auf eine Apfelschorle vorbeischaut, sowie dem Bauern Bockleitner, der sich mal schnell zwischen Acker und Kuhstall ein Pils gönnt. Beide Darsteller glänzen dabei auch noch in einer Doppelrolle. Kurt Uhl verleiht zunächst dem Witwer eine melancholische Note, um dann später als Staatsschauspieler von Dinkelstein Texte aus Schillers Dramen zu zitieren. Und Siggi Albrecht wandelt sich sehr glaubhaft von einem rustikalen Bauersmann zum seriösen Notar Dr. Kinkel. Dann wäre da noch Herr Direktor Sauerberg, wunderbar devot gespielt von Harald Mäusle, der als Ausgleich zum tristen Bankerleben ab und zu die strenge Hand von Madame Alberta braucht. Dabei kann auch schon mal eine Reitgerte zu Bruch gehen!

Sabine Hartmann als Berta glänzt einerseits in ihrer Rolle als strenge Domina, sorgt sich aber auch mütterlich um ihre Angestellten sowie um ihren missratenen Sohn Ringo alias Burli, der gewohnt souverän von Marc-André Hurler gespielt wird. Aber damit ist auch schon Schluss mit lustig! Denn Ringo hat beim Pokern mit der Russenmafia viel Geld verspielt. Zunächst kommen zwei Inkasso-Mitarbeiter ins Haus, um ihrer Forderung Nachdruck zu verleihen. Arthur Hindelang kommt als Dragan ebenso cool rüber wie sein Azubi Jurij, den Lukas Volk in seinem Bühnendebüt spielt. Weil aber deren Drohungen zunächst nichts bewirken, tritt schließlich der Boss der Russenmafia selber in Erscheinung. Alwin Volk zeigt dabei als Nikolaj sehr eindrucksvoll, was man auch aus einer kleinen Rolle alles machen kann.

In ihrer Not kommen nun Berta und ihre Angestellten auf die verrückte Idee, den Bankdirektor mit eindeutigen Fotos zu erpressen, um das Geld für Ringos Spielschulden aufzutreiben und damit den Verkauf des Clubs zu verhindern. Doch ganz unverhofft vermacht der treue Witwer Willi sein ganzes Vermögen dem „Je t´aime“. Was nun, wo doch der Erpresserbrief bereits im Briefkasten der Bank gelandet ist?

Zum Glück hat Erna den Brief versehentlich samt Kittelschurz in die Waschmaschine gesteckt. So bringt dann der Herr Bankdirektor in seinem Aktenkoffer keine Geldbündel, sondern eine nagelneue Reitgerte.

Der Theatergruppe Leinheim gelingt es unter der Regie von Reinhold Spielmann, dieser doch etwas delikaten Thematik der Autoren Markus Scheble und Sebastian Kolb eine Natürlichkeit zu verleihen, bei der die Zuschauer im voll besetzten Schützenheim fast vergessen, in welchem Ambiente das Stück spielt. Ein stimmungsvolles Bühnenbild sowie die Stylingkünste von Franzi Hurler als Maskenbildnerin machen das Ganze perfekt.

Das gut gelaunte Premierenpublikum honorierte die geschlossene Ensembleleistung mit viel Szenenapplaus und minutenlangem Klatschen am Ende eines wirklich gelungenen Abends. Somit ist es fast schade, dass die übrigen Vorstellungen bereits restlos ausverkauft sind und aus Termingründen auch keine Zusatzaufführungen des Erfolgsstücks mehr möglich sind. (zg)

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