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Burgau

20.04.2019

Paula und die rätselhaften Zeichen auf der Osterkerze

Edgar Bader schmückt die Osterkerzen mit ganz bestimmten Symbolen. Dazu gehören Alpha und Omega, das Kreuz mit den Nägeln und die Jahreszahl.
Bild: Gertrud Adlassnig

Bei Wachsziehermeister Edgar Bader aus Burgau erfährt die Zeitungsente Paula Print, was die Symbole bedeuten und warum das Licht für die Gläubigen an Ostern so wichtig ist.

Zeitungsente Paula ist schon ganz hippelig, so freut sie sich auf Ostern. „Da gibt es Osterhasen und Ostereier und Osterlämmchen und das Osterlicht“, jubelt sie und überlegt schon, wo sie nach den Ostereiern suchen will. Doch da fällt ihr etwas ein: „Aber was ist das eigentlich, das Osterlicht?“, fragt sie sich plötzlich. Auf der Suche nach einer Antwort trifft sie Edgar Bader. Der Burgauer ist Wachsziehermeister und macht das, was man braucht, um ein Licht anzuzünden: Kerzen. „Ja, Paula, da bist du genau richtig, denn ich mache gerade die Osterkerzen.“ Und weil Paula nicht so genau weiß, was das ist, erklärt ihr Edgar Bader geduldig, was es mit der Osterkerze auf sich hat.

„Ostern, das weißt du ja, ist das höchste christliche Fest. Da feiern wir die Auferstehung von Jesus, der am Karfreitag am Kreuz gestorben ist.“ In der Osternacht wird ein gesegnetes Licht entzündet, weil Jesus Christus auch das Licht genannt wird. Das macht der Pfarrer an der Osterkerze, die mit ganz besonderen Bildern verziert ist. „Es gibt auch einen festgelegten Ablauf, wie die Kerze gesegnet wird, bevor sie das erste Mal angezündet wird. Man steckt sie dann auf einen eigens für sie gemachten kunstvollen Kerzenständer in der Kirche und zündet die Osterkerze dann immer zum Gottesdienst an“, erklärt Edgar Bader.

Die Osterkerzen müssen viel Bienenwachs enthalten

Die Verzierung macht aus der Kerze erst die Osterkerze, und auch das Material. Denn Osterkerzen müssen viel Bienenwachs enthalten, weiß Edgar Bader. Diese besonders wertvollen weißen Kerzen werden zu richtigen Kunstwerken. Um das zu sehen, darf Paula mit Edgar Bader in sein kleines Künstleratelier. Kaum hat sie sich neben den Wachszieher gesetzt, wird ihr ganz heiß. „Puh, Herr Bader, hier ist es aber warm,“ klagt sie. „Das muss so sein, Paula. Das Wachs muss warm sein, nur dann ist es geschmeidig.“ Und weiter erklärt er: „Die Verzierungen, die ich auf der Kerze aufbringe, sind ja auch aus Wachs. Wenn es kühl ist im Raum, lassen sie sich nicht mehr formen. Sie brechen und halten nicht auf der Kerze.“

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Paula schaut sich um. Da stehen schon viele fertige Osterkerzen, große und kleine, dicke und dünne. „Jeder Pfarrer, jeder Mesner hat seine eigenen Wünsche und Vorstellungen, die Kerze muss in Länge und Umfang zum Kerzenständer passen.“ Da fällt Paula etwas auf: „Warum sind da immer nur Kreuze drauf, und alles ist so rot“, fragt sich Paula und wundert sich über die seltsamen Zeichen, die auf jeder Kerze zu finden sind. Fast ein bisschen wie in einem Detektivheftchen, ganz schön spannend, findet sie. „Was auf einer Osterkerze sein darf, ist zum Teil durch die Liturgie festgelegt,“ beginnt Edgar Bader und merkt, dass er das Paula noch ein bisschen besser erklären muss. „Die Liturgie ist die Form des Gottesdienstes. Also welche Gebete gesprochen werden, was gemacht wird und in welcher Reihenfolge.“ In der Liturgie sind für bestimmte Festtage bestimmte feierliche Abläufe, sogenannte Zeremonien, festgelegt. „Die Osternacht beginnt mit der Lichtfeier und dazu wird vor der Kirche das Osterfeuer gesegnet und die gesegnete Osterkerze damit entzündet. So wird das Licht in die Kirche und zu den Gläubigen getragen.“

Es gibt ein Musterbuch. Paula staunt, als Edgar Bader Farbe und Pinsel einsetzt.
Bild: Gertrud Adlassnig

Verschiedene Verzierungen sind auf der Kerze möglich

Die Verzierung der Kerze, erfährt Paula, muss verschiedene Sachen enthalten: Das Kreuz, das ist das Zeichen des Christentums, die Jahreszahl und Alpha und Omega, das sind die komischen Zeichen, die so viel bedeuten wie Anfang und Ende. „Viele Kerzen haben außerdem fünf aus Wachs geformte Nägel, die das Zeichen sind für die fünf Wundmale Christi. In der Segnung werden sie herausgezogen und ein Weihrauchkorn in das Loch gesteckt,“ erklärt Edgar Bader.

Man darf aber auch noch weitere Verzierungen anbringen. Den Auferstandenen beispielsweise, den Edgar Bader aus einem keinen Klumpen Wachs formt und mit Goldfolie überzieht. Eine so wichtige Kerze soll besonders schön sein. Edgar Bader entwirft jedes Jahr zwei neue Modelle, die kommen dann als Muster in seinen Katalog, aus dem man sich etwas aussuchen kann. „Aber natürlich arbeite ich auch nach den Wünschen der Kunden.“

Die Farbe rot steht für das von Jesus vergossene Blut

Immer gleich ist die Farbe rot, sie steht für die Liebe und das von Jesus vergossene Blut. Weil Ostern das höchste Fest ist, gehört auch das wertvollste Material dazu, und das ist Gold. In diesem Jahr hat sich Edgar Bader von einer befreundeten Künstlerin eine Sonne malen lassen, die mit einer speziellen Technik auf Wachsfolie kopiert wird. Sie setzt Edgar Bader hinter das Kreuz. Er hat auch schon Bilder und Sprüche kopiert. Wenn Edgar Bader eine Kerze gestaltet, stellt er sich Pinsel und Farben, Wachsplatten, Borten, Folie und Waschstückchen zurecht und „mein wichtigstes Werkzeug: ein Lineal und ein kleines, scharfes Taschenmesser“.

Mit dem schneidet er millimeterfeine Streifen von den Wachsplatten, von den Reliefplatten mit Kugelmuster und den Borten, die Edgar Bader selber gemacht hat. Alpha und Omega hat er auch schon vorher in einem Kautschukmodel gegossen und die Ränder mit Gold bemalt. Es gibt viele solcher weichen Gussformen in der Werkstatt, in der schon seit fast zweihundert Jahren gearbeitet wird.

Edgar Bader arbeitet nach Augenmaß, er zeichnet nichts an auf der Kerze und eine Vorlage findet sich auch nicht auf dem Tisch. Manche Bilder, zum Beispiel einen Regenbogen, malt Edgar Bader mit dem Pinsel auf die Kerze oder die einfarbige Wachsplatte, die er schon aufgebracht hat. Wenn er das Kreuz ausschmückt, genügen ihm nicht die einfachen Wachsstreifen, er fasst sie ein, mit goldenen Bändern zum Beispiel. Dazwischen bringt er goldene Strahlen an. „Ich habe das Bild von der fertigen Kerze im Kopf und arbeite mich Stück für Stück vor,“ erklärt er Paula, die gebannt zuschaut, wie aus einer weißen Kerze das rot-goldene Kunstwerk einer Osterkerze entsteht. Sie freut sich schon, wenn die Kerze an Ostern endlich hell strahlt.

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