Newsticker

Merkel betont Notwendigkeit weiterer Corona-Beschränkungen
  1. Startseite
  2. Lokales (Günzburg)
  3. Prinz Eugens Vergangenheit ist jetzt begraben

Günzburg

21.02.2018

Prinz Eugens Vergangenheit ist jetzt begraben

Auf dem Gelände der ehemaligen Prinz-Eugen-Kaserne wurde in den vergangenen Monaten gebaut – nach fünf Jahren hat die Stadt jetzt das Bebauungsplanverfahren für das ehemalige Bundeswehrgelände abgeschlossen.
Bild: Bernhard Weizenegger

Die Bebauungspläne für die ehemalige Günzburger Kaserne stehen. Diesmal wohl endgültig.

Prinz Eugen von Savoyen-Carignan war nicht nur ein bedeutender Feldherr, sondern auch ein begeisterter Bauherr. Ob ihm architektonisch gefallen würde, was auf dem Günzburger Gelände, das seinen Namen trägt, entsteht, sei dahin gestellt. Heiß umkämpft war die Entwicklung der ehemaligen Prinz-Eugen-Kaserne im Donauried in den vergangenen 16 Jahren allemal. Mit dem Satzungsbeschluss für zwei Bebauungspläne auf dem Areal, das die Bundeswehr 2003 verlassen hat, ist für den Günzburger Stadtrat jedenfalls eine schier unendliche Geschichte zu Ende gegangen.

„Wir schaffen Baurecht für ein Gewerbegebiet auf gut 25 Hektar in bester Lage“, fasste Oberbürgermeister Gerhard Jauernig die Beschlüsse des Abends zusammen, die sich über insgesamt acht Tagesordnungspunkte erstreckten. Aus dem Gelände wurden nämlich zwei Bebauungspläne, einer für das bereits großteils bebaute Kasernengelände mit den ehemaligen Bundeswehrbauten, und einer für den Umgriff der Fläche. Hier sind unter anderem schon eine Tankstelle direkt an der Zufahrt der Lochfelbenstraße zur B16 und daneben ein Fitnessstudio vorgesehen, wie die im Stadtrat vorgelegten Pläne zeigen.

Um diese beiden drehte sich kurz vor dem Ziel noch ein Einwand des staatlichen Bauamts Krumbach: Für den geplanten vollständigen dreistreifigen Ausbau der Bundesstraße zwischen Günzburg und Donauwörth werde an diesem Knotenpunkt ebenfalls ein höhenfreier Anschluss an die Lochfelbenstraße geplant, direkte Zufahrten auf die Bundesstraße geschlossen. Platz für die Tankstelle wäre dann nicht mehr. Dieser Argumentation wollte man in Günzburg nicht folgen – zumal die Behörde auch nach er Vorstellung der Pläne für den dreistreifigen Ausbau keine Einwände gegen das Günzburger Vorhaben vorgebracht hatte. Noch Anfang Januar hatte die Behörde bei einer erneuten Beteiligung zunächst zugestimmt, erst eine Woche später eine Kehrtwende vollzogen. „Wir haben durch den bisherigen Bebauungsplan eine Rechtsgrundlage“, sagte Thomas Ermer (CSU). Ähnlich sah es auch sein Fraktionskollege Günter Treutlein: „Der Vorschlag des Staatlichen Bauamtes ist ein Paradebeispiel für überdimensionierten Flächenverbrauch. Diese Zufahrt war für ein Transportbataillon der Bundeswehr ausgelegt – das wird doch wohl auch für ein Gewerbegebiet reichen.“

Dass mit dem Satzungsbeschluss nun ein 16 Jahre langes Ringen vorbei ist, hat bei den Stadträten für Erleichterung gesorgt. „Eine ,Never ending Story’ scheint zu Ende zu gehen“, so Simone Riemenschneider-Blatter ( SPD). „Unser aller Geduld wurde auf eine harte Probe gestellt.“

Mit Auflagen für den Vogelschutz – den Bauherren wird empfohlen, bei der Gestaltung das Thema Vogelkollision zu berücksichtigen und bei der Beleuchtung auf Lampen mit geringem Blauanteil zu setzen – schloss der Stadtrat die Akte Prinz-Eugen-Park. „Wir werden die Entwicklung auf dem Gelände mit Interesse verfolgen“, so Simone Riemenschneider-Blatter.

Aus der Prinz-Eugen-Kaserne wird das Gewerbegebiet PEP

2002: Ein schwarzer Tag für den damals erst wenige Monate amtierenden Günzburger Oberbürgermeister Gerhard Jauernig: Verteidigungsminister Peter Struck (SPD) kündigt die Auflösung des Standorts an, das Transportbataillon mit 600 Soldaten und rund 40 Zivilbeschäftigten rückt im September 2003 endgültig ab.

Die 270 000 Quadratmeter große Liegenschaft im Donauried steht zum Verkauf – doch die Stadt kann sie aufgrund ihrer klammen Kassen nicht erwerben.

2004: Die Idee, auf dem ehemaligen Kasernengelände einen Themenpark für Ernährung und Gesundheit zu schaffen, gefällt Stadt, Landkreis und Regionalmarketing. Dazu wollen sie Unternehmen aus Lebensmittelbranche, Krankenkassen und zur wissenschaftlichen Unterstützung die Universität Weihenstephan ins Boot holen. Doch der Investor, ein namhafter Mineralwasser-Produzent, der auch auf den Fliegerhorst Leipheim ein Auge geworfen hatte, springt 2005 ab.

2005: Urlaub, Spaß und Sport in „Prinz-Eugen-Town“ ist die nächste Idee für das Kasernengelände. Mit der Firma „TPP“ hat ein Privat-Investor das Grundstück gekauft und möchte bis zu einer Million Besucher pro Jahr mit einem Feriendorf, Großkino, Tauchsportanlage, Eislaufanlage, Indoor-Sporthalle, Hotels und Gastronomie anlocken. Später gibt es Pläne, um einen großen Landschaftssee zwischen Lochfelben- und Max-Planck-Straße eine Feriendorf-Siedlung zu etablieren.

2009: Die Stadt stellt mit großem Aufwand den Bebauungsplan für den „Prinz-Eugen-Park mit Biomasse-Heizkraftwerk“ auf. Doch er wurde nie umgesetzt.

2012: Die Stadt geht die Aufstellung eines Bebauungsplans mit der Zielrichtung Gewerbegebiet an. Das Verfahren zieht sich über fünf Jahre hin.

2018: Mehr als 50 Mieter unterschiedlicher Firmen gibt es mittlerweile auf dem ehemaligen Kasernengelände, das zum Gewerbegebiet geworden ist. In den ehemaligen Bundeswehrgebäuden waren ab 2015 unter anderem Flüchtlinge und zeitweise Obdachlose untergebracht, bevor nach dem Brand der bisherigen Unterkunft das neue Matthäus-Haus eröffnet wurde. Die beiden neuen Bebauungspläne schaffen im äußeren Bereich unter anderem die Bauflächen für eine Tankstelle und ein Fitnessstudio. Geschäfte und Vergnügungsstätten sind jedoch hier ausdrücklich nicht erlaubt.

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren