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Projekt
25.10.2019

Wo seltene Apfelsorten gedeihen

2005 reifte die Idee zur Entstehung eines Obstlehrpfads in Scheppach. Jetzt zogen die Beteiligten Zwischenbilanz.
Foto: Genoveva Heinzmann/Gemeinde

2005 reifte die Idee zu einem Obstlehrpfad in Scheppach. Was daraus geworden ist

Es ist eine kleine Erfolgsgeschichte: Die Obstbäume beim Obstlehrpfad unterhalb der Wallfahrtskirche Allerheiligen in Scheppach haben sich prächtig entwickelt. Vor Kurzem haben die bei der Entstehung beteiligten Personen eine Zwischenbilanz gezogen. Der Obstlehrpfad trägt – im wahrsten Sinne des Wortes – langsam Früchte und kann sich sehen lassen.

Die Idee dazu entstand im Jahr 2005 in Zusammenhang mit der Hochwasserfreilegung. Jettingen-Scheppachs Bürgermeister Hans Reichhart spielte mit dem Gedanken, auf seinem Grundstück direkt neben dem Parkplatz einen Obstlehrpfad mit alten, kaum noch bekannten Obstsorten entstehen zu lassen. Ein idealer Platz im Hinblick auf die Besucher der Wallfahrtskirche Allerheiligen, der Einkehrer beim „Holga-Wirt“ und der zahlreichen Wanderer im Naturpark Augsburg Westliche Wälder. Hans Reichhart holte sich zunächst Rat bei Josef Stocker von der Kreisfachberatung für Landespflege und Gartenkultur am Landratsamt Günzburg, wie ein solches Projekt verwirklicht werden könne. Weitere Unterstützung fand er in der Siedlergemeinschaft Jettingen-Scheppach, bei Landschaftsarchitektin Konstanze Stocker, die einen ersten Plan entwarf, sowie bei der Unteren Naturschutzbehörde. Nach und nach begann das Projekt zu reifen. Ein Unternehmen spendete notwendiges Material, das andere kümmerte sich um das Entstehen der Wege und wieder ein andere stellte unentgeltlich Obstbäume bereit. Die Pflanzungen übernahm der Siedlerbund Jettingen-Scheppach, der sich nach wie vor um die Pflege der Bäume kümmert. Hans Reichhart erwähnt dabei speziell Franz Schmid, selbst Besitzer einer großen Streuobstwiese. Mit Leidenschaft und großem Fachwissen habe er wesentlich dazu beigetragen, dass der Obstlehrpfad in dieser Art habe entstehen können. Aber auch die Flächen müssen gepflegt werden. Darum kümmern sich regelmäßig die Mitglieder der Wander- und Naturfreunde Jettingen-Scheppach.

Auf Schildern sind die jeweiligen Obstbäume und -sorten beschrieben. Eva Liebig vom Verein Naturpark Augsburg Westliche Wälder, bei dem der Markt Jettingen-Scheppach Mitglied ist, hatte zu den Früchten, wie auch zu Reifezeit, Verwendung und allerlei Wissenswertem umfangreich recherchiert. Gleichzeitig steuerte der Verein 2000 Euro zu dem Projekt bei.

Eines jedoch fehlte noch: Bienen. Imker Ludwig Klein platzierte auf Nachfrage des Bürgermeisters kurzerhand einige Bienenstöcke. Der Obstlehrpfad hat auch ein Insektenhotel, das Schüler der Eberlin-Mittelschule Jettingen-Scheppach in einem Projekt errichtet haben.

Nach so vielen Jahren zieht Hans Reichhart Resümee: „Man hat nicht einfach schnell etwas hingestellt. Das Ganze ist gewachsen.“ Schade sei, dass viele nicht wüssten, dass es den Obstlehrpfad überhaupt gebe. Franz Schmid fügt hinzu: „Wir waren damals schon der Zeit voraus.“ Gedanke sei auch gewesen, die Menschen anzuregen, selbst alte Obstbaumsorten in den Garten zu pflanzen. Immerhin: Die wenigsten kennen den Rosentaler, eine heimische Apfelsorte, die ursprünglich fast ausschließlich in Jettingen und in Offingen vorkam und in der Literatur so gut wie nicht erwähnt ist. Dann gibt es alte Sorten mit Geschichte, wie den Korbiniansapfel: Seinen Namen hat er von Pfarrer Korbinian Aigner, der diesen während seiner Gefangenschaft im Konzentrationslager Dachau züchtete.

„Obstbäume sind nicht nur Heimat und Identifikation, sondern auch Vielfalt und Lebensraum“, betont Ottmar Frimmel von der Unteren Naturschutzbehörde. „Sie gehören in unsere Region, damit manches fast Vergessenes erhalten bleibt.“ Und was den Obstlehrpfad betrifft: „Naschen ist erlaubt“, versichert der Bürgermeister.

Bei Freihalden wird die Marktgemeinde Jettingen übrigens eine 2500 große Wiese zur Verfügung stellen: Dort soll eine Bürgerstreuobstwiese entstehen. Mit einem eigenen Obstbaum sollen Bürger damit eigenes Obst ernten können. (zg)

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