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13.03.2009

Protest gegen Rentenpolitik verschärft

Günzburg Die Arbeitsergebnisse klingen hart: Altersarmut werde in der Region Schwaben in den nächsten Jahren ein gewichtiges Problem werden, die soziale Lage werde sich verschärfen. Das waren die Kernpunkte eines Workshops des Deutschen Gewerkschafts-Bundes (DGB) zum Thema "Rente muss zum Leben reichen" am Freitagvormittag in Günzburg. Zum Thema sprach der Stadtberger Sozialökonom Prof. Dr. Ernst Kistler. Er kritisierte die Sozialpolitik im Bund und in der Region und forderte gesetzliche Regulierungen zugunsten der Rentner und Arbeitnehmer.

Die Teilnehmerzahl war höher als erwartet: 40 Betriebsräte aus der Region hörten sich Professor Kistlers düstere Prognosen zur aktuellen Rentenpolitik der Bundesregierung, aber auch zur Situation in Schwaben an. "Das hohe Interesse zeigt, dass die Menschen in den Betrieben verunsichert sind - und zwar wegen der sozialen Lage im Allgemeinen", kommentierte Werner Gloning, DGB-Regionsvorsitzender, das große Interesse im Forum.

Die Zahlen, die Kistler präsentierte, lassen Schwaben relativ schlecht aussehen: Das Rentenniveau sei etwas niedriger als in Gesamtbayern, und auch niedriger als im Bundesdurchschnitt. Wegen Kürzungen im Rentenbereich in den vergangenen zehn Jahren verschärfe sich das Problem der Altersarmut für die nachfolgenden Generationen. "Das Thema trifft die Jungen, nicht die Alten. Sie bekommen immer weniger anständige Arbeitsverträge", meinte der Sozialökonom. Die Konsequenz laut Kistler: Am Ende des Erwerbslebens steht immer weniger Geld aus dem Rententopf zur Verfügung. Dadurch gerieten die Jungen bereits jetzt in die Gefahr der Altersarmut - auch in der Region.

"Umverteilung ist ein wichtiger Lösungsansatz", sagte Kistler und forderte mehr gesetzliche Regulierungen, welche die Arbeitgeber in die Pflicht nehmen sollten. Es gelte, Weiterbeschäftigungs- und Bildungsmaßnahmen für Ältere und Jüngere anzubieten. Gloning erklärte sich offen für den Dialog mit der Arbeitgeberseite und der Politik, "auch wenn diese Gespräche im Regionalen bislang nicht sehr viel gebracht haben." Regionale Abmachungen könnten, erklärten Kistler und Gloning übereinstimmend, dennoch ein wichtiger Baustein für gelingende Sozialpolitik sein. Ein konkretes Ergebnis des Workshops vom Freitag sei, so Kistler, dass die Arbeitnehmer besser über die Alterssicherungspolitik informiert werden müssten.

Ferner sei eine offene Diskussion über die Rente mit 67 Jahren notwendig. Diese Altersgrenze sei keinesfalls allen Berufsbranchen zuzumuten: "Der Dachdecker kann eben irgendwann einfach nicht mehr - nicht erst mit 67 Jahren." Gloning meinte, dass, falls es keine sozialpolitischen Veränderungen gebe, der Protest gegen die "verfehlte Sozial- und Rentenpolitik der letzten Jahre auf die Straße verlagert wird." Mit Infoveranstaltungen, aber auch mit Demonstrationen wolle man seitens der Gewerkschaften künftig verstärkt arbeiten - auch im Hinblick auf die Krise. Diese drohe die Situation noch zu verschärfen.

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