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Dürrlauingen

28.01.2020

Prozess: 18-Jähriger stach Jugendlichem von hinten ins Genick

Ein junger Mann soll einem Jugendlichen mit einem Messer ins Genick gestochen haben.
Bild: Ralf Lienert/Symbolbild

Plus Am Donnerstag beginnt der Prozess wegen versuchten Mordes. Er soll für die Bluttat in Dürrlauingen verantwortlich sein. Doch ist er schuldfähig?

Im Sommer vergangenen Jahres erschütterte eine Bluttat Dürrlauingen. Es war der 2. Juni, ein Sonntag, als ein 18-Jähriger einen Jugendlichen auf offener Straße niederstach und anschließend flüchtete. Nur eine halbe Stunde später nahm die Polizei den mutmaßlichen Täter mitsamt der Tatwaffe, einem Küchenmesser, fest. Ab Donnerstag wird dem jungen Mann nun vor der Ersten Strafkammer des Landgerichts Memmingen der Prozess gemacht.

Die Staatsanwaltschaft hat den 18-Jährigen wegen versuchten Mordes angeklagt. Sie ist überzeugt, dass er die Tötung des Jugendlichen geplant hatte. Ursache war offensichtlich ein Streit zwischen den beiden. Bereits kurz nach dem Vorfall hatte die Polizei bekannt gegeben, dass die jungen Männer sich aus der Wohngruppe des Jugendhilfezentrums St. Nikolaus kannten. Weil das Opfer den Stich nicht nur überlebte, sondern auch bei Bewusstsein blieb und selbst den Notruf wählte, konnte der Angreifer schnell gefunden und in seinem Umfeld ermittelt werden. Auch dadurch war es möglich, dass nur sieben Monate nach der Tat bereits der Prozess stattfinden kann.

Er zog das Messer aus dem Rucksack und stach kräftig ins Genick

Laut der Anklage hatten sich der Angeklagte und das spätere Opfer wegen eines geliehenen Videospiels gestritten, das der Angeklagte nicht zurückgegeben hatte. Zwei Wochen nach diesem Streit kam es dann zu der Bluttat. Das spätere Opfer war auf dem Rückweg zur Wohngruppe nach einem Wochenendbesuch bei seinen Eltern. Zu Fuß wollte er vom Bahnhof in Burgau über Mindelalt-heim nach Dürrlauingen laufen. Nahe des Klärwerks machte er eine Pause, als der Angeklagte mit dem Fahrrad hinzukam – das Messer bereits im Rucksack. Spätestens zu diesem Zeitpunkt, so die Anklage, habe der 18-Jährige beschlossen, den anderen zu töten. Er habe dann versucht, sein Gegenüber dazu zu bringen, ihm den Rücken zuzudrehen. Das tat der Jugendliche dann auch. Mit einem Angriff rechnete er nicht. Der junge Mann zog das Messer aus dem Rucksack und stach von hinten kräftig ins Genick.

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Die Verletzung, so die Anklage, war lebensgefährlich. Nur durch Zufall wurden keine wichtigen Organe oder Blutgefäße verletzt. Der Angeklagte fuhr nach der Tat mit seinem Fahrrad davon, während sich kurze Zeit später eine Autofahrerin um den Verletzten kümmerte.

Die Höchststrafe liegt bei zehn Jahren

Die Beweislage scheint in dem Fall eindeutig. Für versuchten Mord sieht das Gesetz eine lebenslange Freiheitsstrafe vor. Da der Angeklagte zum Tatzeitpunkt 18 Jahre alt war und juristisch damit als Heranwachsender gilt, kommt das Jugendstrafrecht zum Zug. Die Höchststrafe liegt hier bei zehn Jahren.

Offen ist, ob der junge Mann zum Tatzeitpunkt voll schuldfähig war. Auf einen Unterbringungsbefehl der Ermittlungsrichterin des Amtsgerichts Memmingen hin wurde der 18-Jährige direkt nach der Tat in die forensische Psychiatrie gebracht, wo er bis heute noch ist. Die Frage, ob der Angeklagte für seine Tat auch verantwortlich gemacht werden kann, müssen psychiatrische Gutachter klären. Sie werden in der am Donnerstag beginnenden Verhandlung ebenso zu Wort kommen wie zahlreiche Zeugen. Los geht es am ersten Prozesstag mit dem Opfer, das auch als Nebenkläger vor Gericht auftritt. Insgesamt sind fünf Verhandlungstage am Landgericht Memmingen angesetzt.

Lesen Sie hier unseren Bericht zu der Tat:

Messerattacke in Dürrlauingen: Opfer ruft selbst Polizei

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