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Thannhausen

01.07.2020

Prozess: Verkehrsrowdy fährt falsch herum in den Kreisverkehr

Ein junger Mann fuhr mit Absicht falsch herum in einen Kreisverkehr ein und verursachte dadurch einen Unfall.
Bild: Alexander Kaya (Symbolfoto)

Plus Ein junger Mann fährt in Thannhausen in einen Kreisverkehr – und zwar falsch herum. Dann kracht es. Dafür musste sich der 20-Jährige jetzt vor Gericht verantworten.

Die Anklage am Günzburger Amtsgericht klingt mit einer Gefährdung des Straßenverkehrs mit Körperverletzung, Fahren ohne Fahrerlaubnis und Beleidigung zunächst alles andere als spektakulär. Doch dahinter steckt ein seltenes und äußerst gefährliches Manöver auf der Straße. Im Mittelpunkt dabei: ein Kreisverkehr.

Prozess: Angeklagter will in Thannhausen ein Motorrad überholen

Im Januar dieses Jahres war der 20-jährige Angeklagte mit einem Leihwagen links herum in den Kreisverkehr an der Rudolf-Diesel-Straße in Thannhausen eingefahren, um ein vor ihm fahrendes Motorrad zu überholen. Da der Motorradfahrer und die wiederum vor ihm fahrende Autofahrerin den Kreisverkehr an der dritten Ausfahrt verlassen wollten, der Angeklagte jedoch bis zur zweiten Ausfahrt fahren wollte, kam es zwischen der zweiten und dritten Ausfahrt zu einem Zusammenstoß der beiden Autos. Die Geschädigte erlitt ein Schleudertrauma und musste zwei Wochen krank geschrieben werden. An ihrem Auto entstand ein Sachschaden in Höhe von etwa 5000 Euro.

Vor dem Schöffengericht unter Vorsitz von Walter Henle erklärte der Angeklagte, dass der Motorradfahrer vor ihm in Schlangenlinien gefahren sei und er sich Sorgen um das Leihauto gemacht habe. Darum habe er das Motorrad überholen wollen, jedoch die Entfernung zum Kreisverkehr falsch eingeschätzt und sofort abgebremst. Auf der glatten Straße sei er dann ins Rutschen gekommen und auf die linke Seite geraten, sodass er gar keine andere Wahl gehabt habe, als links herum zu fahren.

Prozess: Verkehrsrowdy fährt falsch herum in den Kreisverkehr

Angeklagter stand bereits vor dem gleichen Richter in Günzburg

Richter Henle holte daraufhin den Staatsanwalt und die Verteidigung vor die Richterbank, um ihnen die Fotos vom Unfallort und -tag zu zeigen. „Sieht das für Sie aus, als wäre die Straße nass und rutschig gewesen?“, fragte er. Das mussten die Anwesenden verneinen. Verteidiger Alexander Heil bat um ein Rechtsgespräch. Hinter geschlossenen Türen wurde ausgehandelt, dass der Angeklagte im Falle eines vollumfassenden Geständnisses eine Jugendstrafe von mindestens einem und höchstens zwei Jahren zu erwarten hat, die auf Bewährung ausgesetzt werden kann.

Der zweite Vorwurf behandelte ein Vergehen vom 11. März, als der Angeklagte trotz eines zu der Zeit geltenden Fahrverbots im Rahmen einer Verkehrskontrolle am Steuer erwischt wurde. Zusätzlich stellten die Beamten fest, dass er unter dem Einfluss von Cannabis stand. Besonders brisant: Nur zwei Tage zuvor hatte Richter Henle den 20-Jährigen in einer Folgeverhandlung wegen Fahrens ohne Fahrerlaubnis zu einem Fahrverbot verurteilt. „Ich wusste nicht, dass ich nicht mehr fahren darf“, verteidigte sich der Angeklagte.

Nach Kontrolle in Thannhausen: Mann beleidigt Polizisten

Bei einem Telefonat mit einem der beiden Polizisten, die die Kontrolle durchgeführt hatten, sei der 20-Jährige dann ausfallend geworden, wie der Beamte vor Gericht aussagte. Der Angeklagte habe ihn mit dem Satz „Du kannst mir einen blasen, du Hurensohn“ beleidigt. Ob der Angeklagte danach tatsächlich „Hurensohn“ oder doch „Hundesohn“ gesagt habe, habe er akustisch nicht genau verstanden, doch eines der beiden Wörter sei definitiv gefallen.

Der 20-Jährige wies das von sich. Er habe dem Polizisten zwar den genannten Satz an den Kopf geworfen, jedoch habe er ihn weder „Hurensohn“ noch „Hundesohn“ genannt, sondern nur „auf Wiedersehen“ gesagt. „Da waren meine Nerven im Spiel.“ Er habe den Polizisten für seine finanziellen Probleme verantwortlich gemacht.

Ob der Angeklagte denn wisse, wer wirklich die Schuld an seiner Situation trage, wollte Richter Henle wissen. „Cannabis“, antwortete der 20-Jährige. „Ja, auch Cannabis, aber vor allem Ihr eigenes Verhalten im Straßenverkehr“, betonte Henle und zog das Zentrale Fahrerlaubnisregister zu Rate. In den zwei Jahren, die der 20-Jährige seinen Führerschein hat, hat er bereits zwölf Eintragungen wegen Geschwindigkeitsüberschreitungen, Fahrens ohne Fahrerlaubnis und Fahrens unter Drogeneinfluss vorzuweisen. Mehrmals wurde ihm der Führerschein entzogen.

Angeklagter wollte vor Kumpels mit seinem Auto prahlen

Der 20-Jährige räumte die Vorwürfe schließlich doch noch vollständig ein. Er habe mit dem Leihauto vor seinen Kumpels prahlen wollen und wisse, dass das eine große Dummheit war. Er entschuldigte sich auch bei dem Polizisten. Henle verurteilte den Angeklagten zu einem Jahr und vier Monaten Jugendstrafe auf Bewährung. Dem Geständnis und der, wenn auch späten, Einsicht habe der Angeklagte die Bewährung zu verdanken. „Meine Prognose zu Beginn des Prozesses war, dass Sie zwei Jahre ohne Bewährung ins Jugendgefängnis wandern“, sagte Henle.

Zusätzlich muss der 20-Jährige Drogentests abliefern und eine medizinisch-psychologische Untersuchung zur Fahreignung auf sich nehmen. Zudem bekommt er eine einjährige Fahrsperre. Henle stellte eine hohe Rückfallgeschwindigkeit fest und betonte, dass Nacherziehung dringend notwendig sei.


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