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Bühl

01.03.2021

Prüfung geschafft: Flüchtlinge Sam und Timo aus Bühl dürfen erst einmal bleiben

Matthias, Iris und Wilhelm Lux (von links) sind stolz: Ihre Azubis Shamsulkarim Salehi und Timor Shah Azizi haben die Ausbildung abgeschlossen.
Foto: Bernhard Weizenegger

Plus Zwei Afghanen begannen vor mehr als drei Jahren eine Ausbildung beim Bühler Stuckateurbetrieb Lux. Nun haben sie ihre Abschlussprüfungen bestanden. Warum der Weg dorthin nicht einfach war.

„Wir sagen einfach von ganzem Herzen danke. Sie sind meine zweiten Eltern, Matthias ist wie mein Bruder.“ Man merkt Shamsulkarim Salehi, 21, an, wie froh er ist, bei Firma und Familie Lux in Bühl eine zweite Heimat gefunden zu haben. Und sein Kollege Timor Shah Azizi, ebenfalls 21, stimmt ihm zu: Alles, was sie haben, vor allem das ruhige Leben, verdankten sie der Familie Lux.

Tochter Nadja, die den beiden für die Abschlussprüfungen ihrer Ausbildung zum Stuckateur Nachhilfe in Mathematik gab. Sohn Matthias, der den beiden beim Lernen auf die zweite Prüfung half. Und den Eltern Wilhelm und Iris Lux, die sich mit Herzblut für die beiden einsetzten. Dabei war bis hierhin nicht alles rosig.

Sie kamen als minderjährige Flüchtlinge nach Bühl

Angefangen hatte alles im Frühjahr 2016. Die beiden waren damals als unbegleitete minderjährige Flüchtlinge in die Gemeinde Bibertal gekommen. Sie fragten, ob sie im Betrieb von Wilhelm Lux ein Praktikum machen dürften. Und hinterließen einen guten Eindruck: „Man muss auch einfach sagen, die Grundzüge der beiden Jungs stimmen mit der Firma überein“, sagt Matthias Lux. Sie seien, sagt der 29-Jährige, pflichtbewusst und pünktlich. Andere Bewerber seien das zum Beispiel nicht. Im Anschluss begannen sie ihre Ausbildung zum Stuckateur. Doch es kam zwischenzeitlich zu Problemen: Im Januar 2018 sollte einer der jungen Männer abgeschoben werden, wegen fehlender Papiere (wir berichteten).

Deshalb schwang während der Ausbildung die Befürchtung mit, dass die Bemühungen umsonst waren: „Was immer im Hinterkopf war: Wenn sie die Prüfungen nicht bestehen, werden sie abgeschoben“, berichtet Iris Lux, 62.

Im Juli vergangenen Jahres bestanden die beiden Azubis nach drei Jahren Ausbildung nur die praktische Prüfung. In der Theorie fielen sie im Erstversuch durch. Grund sei vor allem die Sprachbarriere gewesen, ist Wilhelm Lux, 64, überzeugt: „Fachlich sind beide spitze, super Stuckateure.“

Noch sind Sam und Timo in Deutschland nur geduldet

Am 27. Januar holten die beiden Azubis ihre theoretische Prüfung nach, zwei Wochen später kam der Bescheid: bestanden. Und das trotz der widrigen Umstände: Wegen Corona gab es seit dem Lockdown im vergangenen Frühjahr keine theoretische Unterrichtsstunde mehr, auch keinen Distanzunterricht.

Noch sind Sam und Timo, wie die beiden kurz genannt werden, in Deutschland geduldet. Nach der bestandenen Abschlussprüfung dürfen sie aber ganz offiziell zwei Jahre lang bleiben. Deshalb beantragen sie jetzt ihre Aufenthaltsgenehmigung.

Der Landtagsabgeordnete Alfred Sauter (CSU) unterstützte Familie Lux vor zwei Jahren. Über ihn erhielten sie unter anderem einen Brief vom bayerischen Innenminister Joachim Hermann (CSU).

Sie wollen in Deutschland arbeiten

In diesem stand, dass die beiden Flüchtlinge ihre dreijährige Lehre im Betrieb zu Ende bringen und dort zwei weitere Jahre arbeiten könnten, die sogenannte 3+2-Regelung (wir berichteten).

Sauter hatte sich damals dafür eingesetzt, dass Shamsulkarim Salehi und Timor Shah Azizi unter diese 3+2-Regelung fallen. „Da bin ich natürlich heilfroh, dass sie bestanden haben“, sagt er auf Nachfrage.

Nun wollen die beiden Stuckateure erst einmal in Deutschland bleiben und dort arbeiten. Nach Afghanistan wollen sie generell zurückgehen, aber unter den aktuellen Umständen ist das schwierig: In der Region Panjshir, aus der Timo kommt, seien die Taliban zwar nicht, es gebe aber auch keine Arbeit. Sam kommt aus Kundus. Seine Eltern seien noch vor Ort: Momentan herrscht dort Krieg, aber das sei für sie normal. Afghanistan kennen die beiden Stuckateure nicht ohne Krieg. „Wir sind nicht wegen des Geldes hier. Wir wollen einfach ein normales Leben“, sagt Timor Shah Azizi.

Der praktische Teil für den Führerschein steht auf dem Plan

Und was sind ihre weiteren Pläne für die Zukunft? „Jetzt sind wir richtige Stuckateure. Ich habe ein gutes Gefühl. Jetzt bin ich frei. Ich bin jetzt verantwortlich“, sagt Shamsulkarim Salehi. Er hat seine Eltern zum Beispiel seit sechs Jahren nicht gesehen. Mit der Aufenthaltsgenehmigung dürfte er reisen und sie besuchen.

Irgendwann den Meister machen will Sam vielleicht schon. Jetzt stehen aber erst einmal Deutschunterricht und der praktische Teil für den Führerschein auf dem Plan. Die theoretische Prüfung dafür hat er schon bestanden.

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