Newsticker

Wirtschaftsweise: Teil-Lockdown kaum Auswirkungen auf Wirtschaftskraft
  1. Startseite
  2. Lokales (Günzburg)
  3. Putzfrau und Geheimagentin

Kabarett

21.11.2017

Putzfrau und Geheimagentin

Lisa Fitz in einer ihrer vielen Rollen – hier als Journalistin Inge von Stein, die gerade den Song von Tom Waits „Yesterday is here“ interpretiert.
Bild: Maria Gruber

Lisa Fitz begeisterte mit ihrer Bühnenshow das Burgauer Publikum in der ausverkauften Kapuziner-Halle.

Was haben eine Putzfrau, eine Journalistin, eine russische Agentin und eine CSU-Abgeordnete gemeinsam? Sie alle sind Figuren der Bühnenshow „Weltmeisterinnen – Gewonnen wird im Kopf“ von Kabarettistin Lisa Fitz. Diese war am Samstagabend zu Gast in der voll besetzen Kapuziner-Halle in Burgau. Die Zuschauer erlebten tiefgründiges politisches Kabarett, dargestellt durch vier unterschiedliche Kunstfiguren.

Den Anfang machte die Putzfrau Hilde Eberl, die relativ schnell auf kontroverse Themen wie die Flüchtlingskrise oder auf den amerikanischen Präsidenten Donald Trump zu sprechen kam. Ihr Mann Leo sei für Trump gewesen, sie hingegen für Hillary Clinton. Zum Sieg des Republikaners sagte sie: „Da hättest ja gleich die Geissens als Präsidentenpaar hernehmen können.“ Auch über die deutsche politische Szene fand sie deutliche Worte. So sei der deutsche Bundestag das „Lügenparlament“ in dem nur „20 Hansel“ sitzen, die dann aber Gesetze für das ganze Land verabschieden würden: „Da ist der Plenarsaal so leer wie die Versprechungen.“

Um das Leben mit der Technik ging es bei Inge von Stein, Journalistin, die an dem Abend einen Artikel über die Kultur- und Kleinkunstszene in Burgau schreiben sollte. Sie hielt dem Publikum den Spiegel vor Augen, denn das Leben bestehe nur noch aus Arbeit und die Menschen würden „kampflos vor den Bildschirmen verrotten“. Das Handy sei außerdem die „famoseste Premium Wanze“, die je erfunden wurde. Mittlerweile könne ja jedes Gerät mithören und Daten aufzeichnen, vom Fernseher bis hin zum Kühlschrank. Bei der Argumentation für mehr Überwachung gehe es ja meist um den Schutz vor Terroranschlägen, wobei, laut Inge von Stein, von drei Millionen E-Mails nur eine Mail für Terrorfahnder relevant sei.

Wie stellt man seine Gartenzwerge auf?

Nach der Pause bekamen die Zuschauer eine Unterrichtsstunde in Geostrategie. Die russische Agentin Olga Geheimnikova fasste ihr Lieblingsthema folgendermaßen zusammen: „Wie bringe ich meinen Nachbarn dazu, seinen Gartenzwerg so aufzustellen, dass sich der dritte Nachbar darüber aufregt?“ Die Agentin äußerte auch scharfe Kritik an den USA. Es werde immer von einer russischen Aggression gesprochen, allerdings seien es die Vereinigten Staaten, die außerhalb ihres Landes 1000 Militärstützpunkte hätten. Russland hingegen habe nur zehn. Über das Prinzip der Demokratie fiel der Agentin ein Vergleich ein: „Demokratie ist, wenn vier Füchse und ein Hase darüber abstimmen, was es heute Abend zum Essen gibt.“

Gerda Wimmer, CSU-Abgeordnete und Botschafterin Niederbayerns richtete den Blick auf die bayerische politische Landschaft. Die Vetternwirtschaft stelle kein Problem dar, da sogar außereheliche Kinder ab 16 Jahren ein Praktikum angeboten bekommen und die CSU so der Jugendarbeitslosigkeit in Bayern entgegen wirke. Zum Thema Emanzipation fand Wimmer deutliche Worte, denn diese sei erst dann erreicht, wenn Männer verschleiert zwei Meter hinter ihren Frauen laufen und die Einkaufstaschen tragen würden.

Zum Nachdenken angeregt

Sätze wie diese sollten polarisierend wirken und das Publikum zum Nachdenken anregen. Wie es Lisa Fitz am Ende (als sie selbst) gut beschrieb: „Finde ich das auch? Bin ich gegen ihre Meinung? Kommt der Witz noch, oder ist er schon vorbei?“ Das Programm war politisch gut recherchiert, was in der heutigen Zeit, laut der Kabarettistin schwer sei, denn die Verschwörungstheorien würden nur so blühen.

Den Zuschauern hat der Auftritt gut gefallen, deswegen bekam Lisa Fitz, während ihres Auftritts und am Ende, großen Applaus. Doch wie hat es der Kabarettistin selbst gefallen? „Am Anfang war das Publikum noch etwas zaghaft, aber bei der zweiten Figur sind sie dann aufgetaut“, schildert Lisa Fitz. Sie habe gedacht, die Figur der Hilde Eberl sei am Anfang ein Selbstläufer, aber dass die Leute eher bei den ernsten politischen Themen gelacht haben, „freut mich natürlich sehr“.

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren