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Jettingen-Scheppach

10.07.2020

Raiffeisenbank Jettingen-Scheppach wirbt bei Mitgliedern für Fusion

Die Hauptstelle der Raiffeisenbank Jettingen-Scheppach.
Bild: Christian Kirstges (Archiv)

Plus Kleine Geldhäuser befinden sich in schweren Zeiten. Eine Fusion mit einem Nachbarn soll die Raiffeisenbank Jettingen-Scheppach stärker für die Zukunft machen.

Auch wenn die globale Finanzkrise schon mehr als zehn Jahre zurückliegt, spüren die Banken noch immer die schmerzhaften Auswirkungen. Auch die Raiffeisenbank in Jettingen-Scheppach kämpft mit den Folgen. Der Vorsitzende Markus Deubler legte den Genossenschaftsmitgliedern dramatische Zahlen auf den Tisch.

So seien die Zinseinnahmen als wichtigste Einnahmequelle in den vergangenen zehn Jahren um 52 Prozent zurückgegangen und das Gesamtbetriebsergebnis sei um 63 Prozent schmäler geworden. Auch der Überschuss der Bank habe sich um ein Viertel reduziert, erklärte Deubler weiter, der mithin auf die steigenden Ausgaben für Personal-sowie Betriebskosten hinwies und gleichzeitig eine Reihe von Sparmaßnahmen nannte, mit denen die Verantwortlichen gegen die Defizite reagierten: „Wir haben die Gürtel enger geschnallt und offene Stellen nicht wieder besetzt, doch irgendwann ist der personelle Boden erreicht.“ Ein Kooperationsvertrag und eine anschließende Fusion sollen das Geldinstitut für die Zukunft fit machen.

Lage der Raiffeisenbank Jettingen-Scheppach nicht so dramatisch wie vermutet

Der Zeitpunkt dafür scheint gut zu sein, denn die Lage der Raiffeisenbank Jettingen-Scheppach ist doch offenbar noch nicht so dramatisch, wie es die Zahlen zunächst vermuten lassen: „Per Stand heute sind wir noch gesund und haben keine riskanten Dinge getan.“ Deshalb wolle man jetzt als selbstbewusster Partner auf die Suche nach anderen Banken gehen, mit denen eine Fusion möglich sein könnte.

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Die Raiffeisenbank Jettingen-Scheppach ist damit kein Ausnahmefall, wie zahlreiche Beispiele aus der Umgebung zeigen: „Derart kleine Häuser gibt es in unserem Umfeld schon seit Jahren nicht mehr, weil diese den Weg in die Fusion mit benachbarten Genossenschaften gegangen sind“, sagte Deubler und fügte hinzu, dass unter den genannten Bedingungen eine dauerhafte Selbstständigkeit nicht zu verwirklichen sei. Bei der Wahl eines Partners sind die Vorstandsmitglieder mit der Raiffeisenbank Augsburger Land West fündig geworden. Der neue Partner jenseits der Landkreisgrenze passe mit seiner ländlichen Prägung perfekt zur jetzigen Raiffeisenbank. Auch sei die Geschäftsstelle im nahe gelegenen Zusmarshausen geografisch günstig.

Eine gesellschaftliche und soziale Bedeutung für den Ort

Karl Rau, Vorsitzender der benachbarten Raiffeisenbank, bekannte sich im Rahmen der jetzigen Informationsveranstaltung zum ländlichen Charakter der Genossenschaftsbank und erinnerte an die Entwicklungen der Vergangenheit. In kleinen Ortschaften sei die Nahversorgung immer mehr aufgegeben worden, weil sich die Kunden für große Supermärkte und Onlinehändler entschieden hätten. Auch die Genossenschaftsbanken seien in den vergangenen 50 Jahren bundesweit von 14000 auf aktuell 1000 zurückgegangen.

Markus Deubler von der Raiffeisenbank Jettingen-Scheppach informierte über den Stand der geplanten Fusion.
Bild: Andreas Brücken

Diesem Trend wolle man mit einer Bank vor Ort entgegenwirken, erklärte Rau und machte deutlich, dass ein Geldinstitut auch eine gesellschaftliche und soziale Bedeutung für einen Ort habe und stellte die offene Frage in den Raum, wie hoch wohl die Spendenbereitschaft einer Großbank gegenüber einem kleinen Verein im Dorf sein mag.

Niederlassungen in Jettingen und Scheppach bleiben bestehen

Auch sein Vorstandskollege, Hermann Scherer, wies darauf hin, dass die Raiffeisenbank allein im vergangenen Jahr Spenden von 80.000 Euro vergeben habe. Beruhigt dürften die Kunden nach Scherers Versprechen sein, dass die beiden Niederlassungen in Jettingen und Scheppach auch in absehbarer Zukunft bestehen bleiben würden. Schließlich betreibe man auch in vergleichbaren Gemeinden im Augsburger Land weiterhin vor Ort kleine Filialen.

Von den Besuchern der Veranstaltung auf das Jettinger Lagerhaus angesprochen, wollte Scherer jedoch keine konkrete Aussage machen und erklärte stattdessen, dass diese Einrichtung den Zeitgeist habe, den man wirtschaftlich erst in der Zukunft beurteilen könne. Unterstützung für die Fusion erhielten die Verantwortlichen auch von den Mitarbeitern, für die Gertrud Reichard sprach: „Ich bin persönlich überzeugt, dass die Fusion eine Sicherung unserer Arbeitsplätze bedeutet, während sich besonders für die jüngeren Kollegen in einer großen Bank neue Karriereperspektiven ergeben werden.“ Am 5. August sollen die Mitglieder im Rahmen einer Generalversammlung über eine Fusion abstimmen.

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