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A8

29.06.2017

Rastplatz-Schilder sollen Autofahrer für Rettungsgasse sensibilisieren

Neue Tafeln an den WC-Anlagen der A8 zwischen Ulm und Augsburg sollen Auto- und Lastwagenfahrern mehr Orientierung bieten.
Bild: Benedikt Siegert

An den Parkplatz- und Toilettenanlagen der A8 gibt es neue Orientierungstafeln. Sie weisen auch auf die Rettungsgasse hin. Mit ihr kennen sich längst nicht alle Autofahrer aus.

Nach zwei Stunden Fahrt auf der Autobahn wollen sich die beiden Senioren aus Herrenberg bei Böblingen die Füße vertreten. Perfekt: Vor ihnen liegt ein kleiner Parkplatz mit Toilettenhäuschen. Dort hängen seit gestern zwei Tafeln, die Auto- und Kraftfahrern vor allem eines bieten sollen: Orientierung. Schließlich geht es vielen Verkehrsteilnehmern wie den beiden Rentnern aus Herrenberg. Im Notfall wüssten sie nicht, wo sie sich gerade befinden. Der Chef der Autobahnpolizei Gersthofen, Josef Sitterer, hat es schon erlebt: Ein Autofahrer, der wegen einer Panne den A8-Parkplatz angesteuert hatte, erkundigte sich bei ihm nach dem genauen Standort. Erst dann konnte der Mann dem Pannendienst durchgeben, dass er sich am Parkplatz Streitheimer Forst Süd befindet.

Die neuen, grafisch ansprechenden Tafeln, die jetzt an sämtlichen Parkplatz- und Toilettenanlagen der Autobahnbetreiber Pansuevia und Autobahnplus zwischen Ulm und München hängen, sollen mit einem Hinweis auch für ein wichtiges Thema sensibilisieren: die Rettungsgasse. Was es mit ihr auf sich hat, ist vielen Fahrern noch nicht in Fleisch und Blut übergegangen.

Erst am Dienstagabend wurden Bergungsarbeiten nach Unfällen auf der A8 bei Dasing massiv erschwert, weil Abschleppfahrzeuge nicht durch den Stau kamen. Gegen 20.20 Uhr war ein 40-Jähriger nach einem Platzregen wegen nicht angepasster Geschwindigkeit beim Spurwechsel ins Schleudern geraten. Er prallte mit seinem Opel in eine Seitenleitplanke. Der 40-Jährige und seine Beifahrerin blieben unverletzt, am Fahrzeug entstand laut Polizei ein Schaden in Höhe von gut 15000 Euro.

Wieder passierte etwas, was Rettern das Leben schwer macht

Wenig später schleuderte auch ein 62-jähriger Mercedes-Fahrer auf der regennassen Fahrbahn. Er verlor die Kontrolle über sein Fahrzeug und kollidierte mit der linken Front mit der Betonmittelplanke. Durch die Unfälle kam es zu einem Stau auf allen Fahrstreifen in Richtung München. Damit nicht genug: Ein 51-jähriger Porschefahrer hatte das Stauende offensichtlich übersehen. Er schoss auf einen anderen Porsche zu, dessen Fahrer die Situation im Rückspiegel erkannt hatte und ausweichen wollte. Doch das half nichts: Sein Fahrzeug wurde am Heck erfasst. Durch den Zusammenstoß kam es laut Polizei zu einer Kettenreaktion mit fünf weiteren Fahrzeugen. Zwei Personen wurden leicht verletzt und ins Zentralklinikum Augsburg gebracht. Die Autobahn musste über mehrere Stunden komplett gesperrt werden. Auch in der Gegenrichtung krachte es.

Technik für den Ernstfall: Die Hochschule Landshut entwickelt eine App zum Thema Rettungsgasse.
Bild: Benedikt Siegert

Wieder musste eine Rettungsgasse gebildet werden, damit Retter und Pannendienst schnell zum Unfall gelangen konnten. Und wieder passierte, was Rettern das Leben schwer macht: Die Rettungsgasse wurde zu schnell geschlossen. Das Problem dabei: Kommen weitere Rettungsfahrzeuge, dann muss rangiert werden. So geht Zeit verloren. Das ist auch der Fall, wenn sich ein Stau bildet und nicht sofort Platz gemacht wird. Als ein „Gebot der Rücksicht“ bezeichnet Karin Dietl vom Innenministerium die Pflicht, den Weg für Retter frei zu machen, Sie begleitete die Vorstellung der Orientierungstafeln wie auch ADAC-Stauberater Bernd Emmrich. Er schüttelt den Kopf: „Oft kommt es zu tragischen Situationen, die so einfach verhindert werden könnten.“ 

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