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Günzburg

07.07.2018

Reifen zerstochen, Autos zerkratzt: Serie in Wasserburg?

Anlieger der Ortsstraße von Wasserburg sind aufgebracht: Ein unbekannter Täter zersticht Reifen von Autos und zerkratzt den Lack. Das Foto zeigt Mehmet Dakaj (links) und Ewald Marscheck.
Bild: Bernhard Weizenegger

Die Anwohner des Günzburger Stadtteils sind wütend – und fühlen sich von der Polizei allein gelassen.

Die Bewohner der Häuser im Gebiet Ortsstraße und Lorenz-Götz-Weg im Günzburger Stadtteil Wasserburg sind verunsichert und sauer. Seit gut einem Jahr werden immer wieder Fahrzeuge auf den beiden öffentlichen Parkflächen beschädigt, teilweise gibt es auch auf Privatgrundstücken Schäden. Anita Vugrek etwa sagt, dass sie und ihr Mann keine neuen Reifen mehr kaufen, weil die bislang benutzten wiederholt zerstochen worden seien, zuletzt am Donnerstag vergangener Woche. Drei oder vier Mal hätten sie die Polizei informiert.

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Auch beim Auto seiner Frau seien Reifen zerstochen worden, erzählt Nachbar Ewald Marscheck. Zur Sicherheit stehe es jetzt woanders. Schon vor zwei Jahren habe es hier Fälle gegeben, dass Wagen zerkratzt wurden. Der Vermieter von Anita Vugrek, Mehmet Dakaj, ist nicht nur empört darüber, dass auch das Fahrrad seines Sohnes in seinem Hof angegangen worden sei. Noch wütender macht es ihn, dass die Polizei nichts tue. Er werde die Beamten nicht mehr um Hilfe bitten, das bringe nichts.

Stattdessen installiere er jetzt eine Kamera, um dem Täter – einen Verdacht hat er bereits – auf die Spur zu kommen. Er findet es widersinnig, dass ihm bei der Polizei gesagt worden sei, dass er den öffentlichen Parkplatz nicht überwachen dürfe, aber ein Müllcontainer um die Ecke mit einer Kamera kontrolliert werde. Die Anwohner in der Gegend seien bereits so verunsichert, dass einer seiner Mieter nun weggezogen sei. Der Gesamtschaden liege bestimmt bei 10000 Euro. Immer passiere es in den frühen Morgenstunden, und immer seien es feine Stiche in die Reifen, auch bei seinem eigenen Auto. Hinzu komme, dass Wagen verkratzt werden.

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Keine Spuren, keine Hinweise, kein Verdächtiger

Ein weiterer Nachbar, Karl Niederer, berichtet, dass vor vier Wochen die Reifen seines Doppelachsanhängers angegangen worden seien. Zuletzt habe er auch zwei Fahrräder aus der Günz gezogen, die jemand dort hinein geworfen habe. Auch das habe er der Polizei gemeldet. Doch die interessiere das alles nicht. Und dass auf dem Parkplatz gegenüber seit vielen Monaten ein ramponiertes Auto ohne Kennzeichen steht, kümmere weder die Beamten noch die Stadtverwaltung.

Bei der Günzburger Polizei sind in den vergangenen anderthalb Jahren neun Sachbeschädigungen an Kraftfahrzeugen in diesem Bereich registriert worden, erklärt Inspektionsleiter Stefan Müller auf Anfrage. Wagen wurden zerkratzt und Reifen zerstochen. Er schätzt den entstandenen Schaden auf etwa 6000 Euro, Werkstatt- oder Versicherungsrechnungen lägen der Polizei aber nicht vor. Zu sagen, dass die Taten immer vom selben Täter verübt werden, wäre reine Spekulation, betont Müller. Es gebe keine Spuren, keinen Verdächtigen und trotz wiederholter Pressemeldungen keine Hinweise. Wer einen Verdacht habe, solle ihn unbedingt mitteilen.

Inspektionsleiter: Die Polizei zeigt sehr wohl Präsenz

Die Polizei habe auch ein besonderes Augenmerk auf diesen Bereich, versichert Müller, mehr könne er nicht sagen. Seine Kollegen zeigten auch zu Zeiten Präsenz, wenn die Bürger das eher nicht mitbekämen. Zwar gingen Sachbeschädigungen im öffentlichen Raum seit geraumer Zeit zurück, aber er bedauere, dass sie sich hier häufen. Durch ihre Präsenz habe die Polizei aber bereits andere Delikte klären können. Die Anwohner dürften übrigens zwar ihre Grundstücke mit Kameras überwachen, aber nicht den öffentlichen Raum. So sei die Gesetzeslage.

Der Stadt Günzburg war nach Auskunft von Pressesprecherin Julia Ehrlich bislang nicht bekannt, dass auf dem Parkplatz ein Auto ohne Kennzeichen steht. Der Baukontrolleur werde es sich ansehen. Zunächst werde versucht, den Halter herauszufinden. Er bekommt eine Frist von zwei bis drei Wochen, um den Wagen zu entfernen. Reagiert er nicht oder kann er nicht ermittelt werden, wird die Stadt das Auto entfernen. Sie muss es bis zu drei Monate verwahren. In der Zeit wird erneut versucht, den Halter zu kontaktieren. Wenn das nicht klappt, wird das Fahrzeug ans Landratsamt abgegeben. Später wird es versteigert. Ist der Wagen so beschädigt, dass er als Schrott bezeichnet wird, informiert die Stadt die Abfallbehörde des Landratsamtes, die das Auto sofort entferne, so Ehrlich.

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