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Wahl in Burgau

28.11.2019

Rennen ums Rathaus: Eine Frau fordert Bürgermeister Barm heraus

Wer hat künftig im Burgauer Rathaus das Sagen?
Bild: Bernhard Weizenegger (Archiv)

Plus Zuletzt hatte der Amtsinhaber keine Konkurrenz gehabt. Das will die SPD ändern. Sie schickt eine Frau ins Rennen, die in Burgau bestens bekannt ist.

Es gebe „viele Diskussionen und Gerüchte im Städtchen“, dass er als Bürgermeister bei der kommenden Kommunalwahl herausgefordert werden könnte. Das hatte Konrad Barm (Freie Wähler) kürzlich bei der Stadtrat-Nominierungsversammlung seiner Gruppierung gesagt. Und nun ist aus den Gerüchten Realität geworden: Die Burgauer werden am Sonntag, 15. März 2020, eine Wahl haben.

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Barm war im Mai 2002 ins Rathaus eingezogen. Bei den nächsten Wahlen 2008 musste er sich gegen die Herausforderer Matthias Kiermasz und Herbert Blaschke behaupten, 2014 hatte es aber keinen Gegenkandidaten mehr gegeben. Das will die SPD für 2020 ändern – und schickt Martina Wenni-Auinger gegen den Amtsinhaber ins Rennen. Sie tritt zwar auf der Liste der Sozialdemokraten an, ist aber kein Mitglied und unabhängig. Bei der Nominierungsversammlung am Mittwochabend in der Begegnungsstätte der Arbeiterwohlfahrt erhielt sie 13 von 14 möglichen Stimmen.

Sie war lange Leiterin des Stadtmuseums und des Archivs

Wie sie unserer Zeitung sagte, sei die SPD auf sie zugekommen, sie wolle aber für alle Burgauer da sein, und ein unabhängiger Kandidat könne eher einen Konsens mit den Bürgern finden. Sie war lange mit einer Teilzeitstelle Leiterin des Stadtmuseums und des Archivs. Sie wird zwar gegen Barm, aber nicht gegen ihren Chef antreten, denn sie habe bei der Stadt gekündigt. Zu den Gründen will sie nichts sagen, aber es gebe keinen Zusammenhang mit der Kommunalwahl. Zum nächsten Schuljahr stocke sie ihre Stelle als Lehrerin am Maria-Ward-Gymnasium Günzburg auf. Sie sei die erste Frau, die sich um das Bürgermeisteramt in Burgau bewerbe.

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In ihrer Rede vor der Nominierungswahl erläuterte sie, warum sie Bürgermeisterin werden will. Sie sei „mit Leib und Seele Burgauerin“, ein ehrenamtliches und politisches Engagement seien in ihrer Familie selbstverständlich. Aufgewachsen in einem CSU-Elternhaus, habe sie als Zehnjährige ihrem Vater schon beim Kleben von Wahlplakaten geholfen, mit 14 sei sie erstmals selbst politisch aktiv geworden. Ihr sei es aber immer um die Sache und weniger um die Zugehörigkeit zu einer Partei gegangen.

Wenni-Auinger will Stadtentwicklungs- und Verkehrskonzept

Es sei keine Phrase, dass ihr Burgau als ihre Heimatstadt am Herzen liege. Nachdem sie unter anderem Politikwissenschaften studiert hatte, arbeite sie seit dem Jahr 2000 als Lehrerin und 20 Jahre lang bei der Stadt Burgau. Sie wisse daher um die Abläufe. Sie kenne viele Menschen und viele kennen sie, sagte die 53-Jährige.

Bürgermeisterin wäre für sie mehr als nur ein Job, sie wolle für alle Bürger etwas bewegen, gerade auch für Kinder und Jugendliche, die sie bislang zu wenig berücksichtigt sehe. Sie wolle „Motor und Vermittlerin“ sein, mehr denn je brauche die Kommunalpolitik eine an der Sache orientierte Streitkultur und die Fähigkeit, einen Konsens zu finden. Auch seien „lange Linien“ wichtig, „es geht immer um den Blick in die Zukunft bei Entwicklungen“. Deshalb sei auch ein Stadtentwicklungs- und Verkehrskonzept so dringend nötig.

Die Kandidaten der SPD für den nächsten Burgauer Stadtrat mit Martina Wenni-Auinger als Kandidatin für das Bürgermeisteramt in der Mitte. Eine Reihe von Bewerbern für den Rat fehlten bei der Nominierungsversammlung.
Bild: Christian Kirstges

Wenni-Auinger will die gesamte Bevölkerung in Entscheidungsfindungen einbinden, und nicht erst, wenn alles entschieden ist. Denn wenn sie teilhaben können, akzeptierten die Bürger auch leichter, was gemacht wird. Es solle auch keine Politik mehr über die Köpfe der jungen Leute hinweg geben, und auf der anderen Seite ein Leben für mehrere Generationen ermöglicht werden. „Seit 53 Jahren lebe ich hier, und ich merke, dass wir mehr Ziele, Visionen und Miteinander brauchen. Hier haben wir Defizite.“

Der bisherige SPD-Fraktionschef tritt nicht mehr an

Der SPD-Ortsvereinsvorsitzende Peter Hirsch betonte, dass man jetzt angetreten sei, eine demokratische Alternative zu bieten. Es habe lange danach ausgesehen, als würde Konrad Barm wieder alleine in die Kommunalwahl gehen. Doch den Sozialdemokraten sei es wichtig, das nun zu ändern. Und auch mit den Kandidaten für den Stadtrat wollen sie ein Zeichen setzen – gegen die Unterrepräsentation von Frauen. So wechseln sich Frauen und Männer auf der Liste wie ein Reißverschluss ab.

Man wolle Burgau voran bringen. Und er könne Parteien, die etwa eine Seilbahn nach Haldenwang bauen wollen – damit spielte er auf die Satirepartei Die Partei an – nicht ernst nehmen. Der bisherige Fraktionschef im Stadtrat, Dieter Kircher, wird übrigens nicht mehr antreten. Nach 18 Jahren sei es an der Zeit, den Weg für Jüngere frei zu machen, sagte er, der nächstes Jahr 69 Jahre alt wird, gegenüber der Günzburger Zeitung.

Die Kandidaten für den Rat sind:

1. Martina Wenni-Auinger (Lehrerin, 53 Jahre), 2. Manfred Kramer (Rentner, Stadtrat, 63), 3. Maria Gruber (Auszubildende, 25), 4. Tobias Auinger (Vertriebsmitarbeiter, Stadtrat, 29), 5. Ramona Paluk (Medizinische Fachangestellte, 35), 6. Michael Aschenbrenner (Datenschutzbeauftragter, 34), 7. Simone Meder (Lehrerin, 43), 8. Volker Grimm (Teamleiter IT, 36), 9. Maria Ortner (Hausfrau, 56), 10. Jürgen Pommer (Tischler, 61), 11. Michaela Linder (Heilerziehungspflegerin, 50), 12. Stefan Balfanz (Bauingenieur, 41), 13. Marianne Jobst (Steuerfachgehilfin im Ruhestand, 68), 14. Helmut Ehrlich (Instandhalter, 58), 15. Nicole Jendruscsik (Lehrerin, 47), 16. Markus Böck (Prozessmanager IT, 46), 17. Franziska Langer (Rentnerin, 65), 18. Andreas Merz (Schreinermeister, 28), 19. Judith Purkart (Altenpflegehelferin, 61), 20. Friedrich Ortner senior (Bundesbahnbeamter, 62). Nachrücker sind: 1. Katrin Pöhlmann-Grimm (Gymnasiallehrerin, 32), 2. Karl Heinz Hinkelmann (selbstständig, 71), 3. Ilona Ehrlich (Kaufmännische Angestellte, 53), 4. Manfred Findler (Rentner, 64).

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