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Günzburg

31.08.2020

Rentner will Sex mit Frauen und begrapscht sie im Wald: Nun wird er verurteilt

Ein 70-jähriger Mann hat in Günzburg mehrere deutlich jüngere Frauen sexuell belästigt. Vor Gericht zeigte sich der Angeklagte wenig einsichtig. Nun wurde er verurteilt.
Bild: Alexander Kaya (Symbolbild)

Plus Ein 70-jähriger Mann begrapscht Spaziergängerinnen im Günzburger Waldgebiet, unter anderem eine Schülerin. Nun musste sich der Senior vor dem Amtsgericht verantworten.

Er wollte eigentlich nur Kontakte mit dem anderen Geschlecht knüpfen. Doch das Verhalten des Rentners gegenüber vier Frauen in einem Günzburger Erholungsgebiet war ziemlich eindeutig. Statt der erhofften Erotik kam für den 70-Jährigen jetzt die ernüchternde juristische Quittung.

Zum ersten Vorfall kam es bereits im September vergangenen Jahres im Gebiet Auf der Hagenweide südwestlich von Günzburgs Zentrum. Die Betroffene war eine Schülerin. „Die Dame kenne ich nicht“, behauptete der Angeklagte vor Gericht. Er sei nur auf der Suche nach einer Frau gewesen. „Wenn ich jemand kennenlernen will, muss ich sie fragen: Wer bist du? Was machst du?“ Vielleicht habe er die junge Frau gefragt, „ob sie Spaß haben will“, das müsse nicht unbedingt in Richtung Sex gehen. Von Anfassen könne keine Rede sein.

Angeklagter erspart Frauen die Aussage vor dem Günzburger Gericht nicht

Richterin Jessica Huk hatte für diese Angaben wenig Verständnis: „Wieso behaupten das die Frauen?“, fragte sie den Angeklagten. Wegen „Vergewaltigung oder Sex“ habe keine geschrien, reagierte der Senior. Weder hätten sie geheult, geweint oder seien entrüstet gewesen. Staatsanwalt Daniel Theurer, früher unter anderem Jugendrichter am Günzburger Amtsgericht, versuchte noch, dem Rentner eine goldene Brücke zu bauen.

Wenn er aussage, könne das den Frauen den unangenehmen Auftritt vor Gericht ersparen. Die Einsicht, einen Fehler gemacht zu haben und über das Ziel hinaus geschossen zu sein, würde sich positiv auswirken. Sollte die Verhandlung jedoch die Anklage bestätigen, könne die Strafe höher ausfallen – bis zu zwei Jahren pro Fall oder Geldstrafe.

"Alles übertrieben" findet der Angeklagte die Vorwürfe

Dies empfand der Rentner als äußerst ungerecht für die seinem Empfinden nach nur wenige Sekunden dauernde Ansprache der Frauen. „Alles übertrieben“, nannte er die Anklagevorwürfe. Also sagten die vier Frauen nun vor Gericht aus.

Die vier Belästigten bestätigten nahezu übereinstimmend die Ereignisse vom September 2019 und vom März dieses Jahres. Der Mann, in der Regel mit einem größeren Hund unterwegs, verwickelte die Frauen zunächst in ein belangloses Gespräch. Dann schwenkte er plötzlich um. „Er fragte mich, ob ich einen Freund habe und ob ich Sex haben will“, erzählte die 20-Jährige. Dann habe er ihren Bauch berührt. In diesem Augenblick habe sie Angst gefühlt, da sie dort allein unterwegs war.

Bis zum März dieses Jahres blieb es zunächst ruhig

Die Schülerin hat den Übergriff erst Tage später angezeigt; und zwar nachdem sie einen Artikel in der Zeitung über einen weiteren Vorfall gelesen hatte. Eine 33-Jährige war das zweite Opfer. Diese umarmte der Angeklagte und fragte, ob die Frau schwanger sei und Lust auf Sex habe. „Da war es mir unheimlich“, sagte die Zeugin vor Gericht.

Danach blieb es einige Monate ruhig – bis zum März dieses Jahres. Dann war eine 24-Jährige mit ihrem Hund Auf der Hagenweide unterwegs und traf auf den Rentner, der ebenfalls seinen Hund ausführte. Die beiden Vierbeiner spielten zunächst zusammen, man habe belangloses Zeug gesprochen. Dann kam der Mann auf die Frau zu, legte den Arm um sie und berührte ihre Brust. Die Zeugin konnte den Zudringlichkeiten entkommen und lief nach Hause. Nach dem Vorfall sei sie einige Zeit nicht mehr allein in dem Waldgebiet spazieren gegangen, sagte die 24-Jährige.

Eine Frau veröffentlicht einen Vorfall in einem Messengerdienst

Nur wenige Tage später reagierte die vierte Belästigte ziemlich selbstbewusst auf das Auftreten des 70-Jährigen. Er habe sie angesprochen; zunächst sei es um Belangloses gegangen, dann folgte der Umschwung. „Ob ich noch Jungfrau bin“, habe der Mann sie gefragt, berichtete die Zeugin. Als der Angeklagte noch deutlicher wurde und wissen wollte, ob sie sich mit ihm vergnügen wolle und er ihr helfen könne, die Jungfräulichkeit zu verlieren, wurde die 24-Jährige deutlich: „Ich will nicht weiter belästigt werden“, schrie sie.

Später hat die Zeugin den Vorfall in einem Internet-Messengerdienst veröffentlicht und dafür viel Unterstützung erhalten, wie sie unserer Redaktion nach der Verhandlung sagte. Sie habe andere Frauen vor solchen Übergriffen warnen wollen. Wegen eines Selbstverteidigungskurses habe sie in dieser Situation keine Angst verspürt. „Es war mir aber unangenehm“, sagte die 24-Jährige. Nur zwei Stunden später erstattete sie Anzeige, die Günzburger Polizei ermittelte den Verdächtigen schon einen Tag später.

Der Mann hatte schon mal Ärger mit der Justiz

An diese Frau könne er sich erinnern, sagte der Rentner, der ohne Verteidiger zur Verhandlung kam. Die Internetveröffentlichung könne er nicht verstehen. Als er sie wegen Sex angesprochen habe, habe sie sich umgedreht und sei gegangen. „Eine Bedrohung sehe ich nicht“, sagte der Angeklagte.

Vor fünf Jahren hat der 70-Jährige schon einmal Ärger mit der Justiz und sich wegen Beleidigung eine Geldstrafe eingefangen. Grund genug für Staatsanwalt Theurer, für den früheren Speditionskaufmann eine Geldstrafe von 150 Tagessätzen zu 20 Euro, also 3000 Euro, zu beantragen, da der Mann von 700 Euro Rente, aber mietfrei lebt.

Mit 140 Tagessätzen – insgesamt 2800 Euro – fiel das Urteil von Richterin Huk wegen sexueller Belästigung nur wenig niedriger aus. Beim Angeklagten, der die Strafe in Raten abstottern darf, fiel die Reaktion knapp aus: „Ich habe das Gespräch gesucht, aus meiner Sicht war es harmlos.“ Das Urteil nahm der Rentner an.

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