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Interview

27.06.2018

Robatherm investiert 75 Millionen in Werk Scheppach

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4 Bilder
So soll das neue Verwaltungsgebäude von Robatherm aussehen. Die Planung begann im Frühjahr 2016, die Bauarbeiten im Mai 2017. Ein Masterplan aus 2010 sieht das Gebäude bereits vor.
Bild: Robatherm

Ein Gespräch mit Inhaber Albert Baumeister über die Entwicklung in der Gemeinde, die Zukunft des Burgauer Betriebs, das Auslandsgeschäft und Mitarbeiter.

Herr Baumeister, wer regelmäßig auf der A8 an Ihrem neuen Gebäude in Jettingen-Scheppach vorbeifährt, kann den Baufortschritt gut verfolgen. Jetzt werden die Fenster montiert – aber eigentlich hätte die neue Verwaltung ja um diese Zeit bereits fertig sein sollen. Woran liegt die Verzögerung?

Albert Baumeister: Die Bauunternehmen stellen nicht so viele Leute bereit, wie man bräuchte. Es ist gerade schwierig in dem Bereich. Beim Rohbau gab es deshalb eine Verzögerung. Aber wir haben da keinen Druck, Qualität hat für uns Priorität. Im Frühjahr 2019 soll das neue Gebäude aber fertig sein.

Welche Abteilungen werden einziehen?

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Baumeister: Die gesamte Verwaltung aus Burgau wird hierher ziehen, wir verlagern auch unseren Sitz nach Jettingen-Scheppach. Also der Einkauf, der Vertrieb, die Entwicklungsabteilung, die IT, das Marketing, das Rechnungswesen werden künftig hier sein. Und ein Betriebsrestaurant mit einer Kapazität von 300 Essen. Vor zwei Jahren haben wir dafür bereits das Konzept entwickelt. Es wird keine Kantine, sondern wirklich ein Restaurant mit der entsprechenden Einrichtung und dem Ambiente. Vor den Augen der Mitarbeiter wird alles frisch gekocht, Front Cooking, wie man heute dazu sagt. Wir legen Wert auf ein gutes, gesundes Mittagessen. Das ist der größte Mehrwert, den man Mitarbeitern heute bieten kann. Es wird ein Zuschussbetrieb, aber das ist es uns wert. Das ist auch ein wichtiger Punkt bei der Fachkräftesicherung.

Sie legen großen Wert auf Qualität und ein ansprechendes Ambiente. Ist das ein Grund, weshalb Sie hier ein neues, modernes Gebäude statt eines Zweckbaus errichten?

Baumeister: Wir sind ein Produzent qualitativ hochwertiger Produkte, da kann man das eine vom anderen nicht trennen. Qualität kann nur in einem entsprechenden Umfeld entstehen. Das zeigt sich auch bei den Gebäuden. Man muss eben authentisch sein.

Und wie sieht es mit der Nachhaltigkeit bei dem Neubau aus?

Baumeister: Darauf legen wir großen Wert. Wir bauen auf verschiedenste Energiesysteme: Erdsondenfeld, Betonkernaktivierung, Photovoltaikanlage, Wärmepumpen, Blockheizkraftwerk bis hin zu einem Eisspeicher. In Verbindung mit einer Wärmepumpe kann mit diesem Eisspeicher Energie saisonübergreifend gespeichert und nutzbar gemacht werden. Das gesamte Werk, also sowohl die Produktionsgebäude als auch das neue Verwaltungsgebäude, wird mit höchster Energieeffizienz betrieben. Wir sind in der Gebäudetechnik-Branche tätig. Daher wollen wir auch hier mit unserem Werk Maßstäbe setzen.

Wie viel investieren Sie in den Standort Jettingen-Scheppach?

Baumeister: Wir investieren 22 Millionen Euro in das neue Gebäude. Wenn die Arbeiten beendet sind, werden wir für den Standort Jettingen-Scheppach rund 75 Millionen Euro ausgegeben haben.

Haben Sie hier noch mehr Erweiterungsmöglichkeiten?

Baumeister: Die gibt es noch, das Grundstück geht im Süden nicht nur bis zum Zaun, sondern bis zur Straße. Ich habe einen Masterplan im Kopf für das Gelände, aber konkrete Pläne gibt es noch nicht. Der Bereich der Hallen ist jetzt jedenfalls abgeschlossen.

Wie sieht es denn mit Ihrem bisherigen Stammsitz Burgau aus?

Baumeister: Burgau steht für uns nicht zur Disposition, wir brauchen auch die dortigen Produktionsflächen. Dort wird beispielsweise Kältetechnik produziert. Im vergangenen und in diesem Jahr investieren wir rund 5,5 Millionen Euro in Maschinen am Standort Burgau.

Wie viele Mitarbeiter werden bleiben?

Baumeister: Es werden 60 bis 70 in Burgau sein, in Jettingen-Scheppach künftig um die 450.

Wie teilt sich die Zahl auf?

Baumeister: Wir werden in Jettingen-Scheppach 300 Mitarbeiter in der Produktion und 150 in der Verwaltung haben.

Sie haben auch ein Werk in Thailand.

Baumeister: Wir entwickeln die Auslandsproduktion ebenfalls weiter und sind dabei, dort ein neues Grundstück zu kaufen. Gerade das Geschäft im Nahen Osten entwickelt sich sehr gut, wir haben dort einige Großprojekte gewonnen. Wir decken von Thailand aus Südostasien, China und teilweise den Nahen Osten ab. Produkte aus Deutschland sind dort sehr gefragt, Made in Germany ist ganz wichtig.

Wie viele Menschen beschäftigen Sie an Ihrem Standort in Thailand?

Baumeister: Wir haben dort 70 Mitarbeiter. Das Werk ist einen Kilometer vom BMW-Werk weg.

Soll das Auslandsgeschäft noch stärker ausgebaut werden?

Baumeister: Die Entwicklung am Heimatstandort und im Ausland ist von gleichwertiger Bedeutung. Es gibt auch einen Austausch, teilweise werden die thailändischen Mitarbeiter hier bei uns ausgebildet.

Haben Sie Beispiele von bekannten Gebäuden, in denen Ihre Produkte eingebaut sind?

Baumeister: Besonders bekannte Gebäude sind etwa der Louvre in Paris, das BMW FIZ in München oder das Legoland in Günzburg. 70 Prozent unserer Anlagen sind für die Industrie. Da hat Qualität einen besonderen Stellenwert. Oder in Krankenhäusern, auch dort ist die Qualität der Raumluft sehr wichtig.

Viele Unternehmen tun sich schwer, Fachkräfte zu finden. Sie auch?

Baumeister: Wir bekommen die Fachkräfte, die wir brauchen. Aber wir müssen einen größeren Aufwand in die Suche stecken. Wir präsentieren uns auf Personalmessen, mit Stellenanzeigen und auf unserer Internetseite, die sehr wichtig ist. Die sozialen Medien sind begleitend für das Personalmarketing, wo wir mal einen Blick hinter die Kulissen gewähren können. Auch die Ausbildung ist wichtiger denn je. Grundsätzlich braucht es seine Zeit, bis wir jemanden eingearbeitet haben, wir haben nur wenige klassische Helferjobs. Uns ist es wichtig, organisch zu wachsen, um so unserer Verantwortung gegenüber den Mitarbeitern gerecht zu werden. Es war bei uns noch nie der Fall, dass wir Personal wegen einer Flaute entlassen mussten. Bei uns haben Profitabilität und Langfristigkeit Priorität, nicht die kurzfristige Umsatzsteigerung.

Und wie sieht es mit Azubis aus?

Baumeister: Wir können die Auszubildenden rekrutieren, die wir benötigen. Aber auch hier ist es schwieriger. Von einer guten Ausbildung profitieren jedenfalls beide Seiten.

Zur PersonSein Vater übernahm 1952 den elterlichen Betrieb
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