Konzert

17.04.2018

Romantik ohne Liebe

Rainer Armbrust begleitete Brigitte Thoma beim Liedernachmittag im Kaisersaal. Die Stückauswahl des Konzerts trug die Handschrift von Anne Liebe – die Pianistin hatte ihren Auftritt wegen einer langwierigen Grippeerkrankung absagen müssen.
Bild: Gertrud Adlassnig

Pianistin Anne Liebe musste ihren Auftritt im Kaisersaal krankheitsbedingt absagen. Dafür begleitete Rainer Armbrust die Sängerin Brigitte Thoma durch das Konzert in Wettenhausen

Einen Sonntagnachmittag voller Romantik bescherten die Sopranistin Brigitte Thoma und Rainer Armbrust den knapp 90 Zuhörern im Kaisersaal des Klosters. Armbrust war für die durch eine langwierige Grippeerkrankung verhinderte Anne Liebe eingesprungen. Pianist und Sängerin kennen sich seit Langem, sodass ein perfektes Zusammenspiel der beiden Virtuosen möglich war.

Zusammengestellt, so erläuterte Rainer Armbrust, ein viel beschäftigter Pianist und Assistent der ganz Großen wie Thielmann oder Boulez, hatte das Konzert Anne Liebe. In vier Teilen präsentierte es mit Werken mit Mozartliedern die Wiener Klassik, widmete sich mit Schumann und Liszt der Hochromantik, um mit Schubert, dem Verbindungsglied der beiden Epochen, abzuschließen.

24 Lieder, eine Sängerin: Das bedeutete eine wahre Herausforderung für Brigitte Thoma, die sie mit Bravour meisterte. Bis zur zweiten Zugabe blieb ihre Stimme ebenso sensibel wie kraftvoll, nuancenreich und warm. Für den tosenden Applaus und Standing Ovations dankte Thoma ohne jede Ermüdungserscheinung mit Schubert und Brahms Wiegenlied „Guten Abend, gute Nacht“ in einer wundervoll zarten Interpretation.

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Die Auswahl der Lieder gab der Sopranistin Gelegenheit, ihr ganzes Können einzusetzen. Triller und Koloraturen forderte der erste Konzertteil, mit dem sachlichen Titel „Lieder für Gesang und Klavier“ mit seinen Mozartkompositionen, in dem mit dem Frühlingserwachen „Komm lieber Mai und mache“ über die frivol-freche „Warnung“ bis zur „Abendempfindung“ mit Todesahnung ein weiter emotionaler Bogen gespannt war.

Schumanns Lieder-Zyklus „Frauenliebe und Leben“ nach Gedichten von Chamisso legte dem Zuhörer ein ganzes Liebesleben zu Füßen: Von der ersten Begegnung und dem sehnsuchtsvollen Hinschmachten zum Geliebten über das Verliebtsein, der Vergötterung des Geliebten und die Freude einer erwiderten Liebe „Ich kann´s nicht fassen, nicht glauben“, dem Lied, das dem Konzert den Titel gab, über Hochzeit und Intimität bis zur tiefen tödlichen Enttäuschung interpretierte Brigitte Thoma alle Gefühlswelten einer Liebesbeziehung voller musikalischer Überzeugungskraft. Robert Schumann, der Prototyp des romantischen Komponisten setzte bis dahin ungeahnte Gefühlstiefen in Noten um und Brigitte Thoma zauberte kongenial unterstützt von Rainer Armbrust am Flügel ein intensives Klangerlebnis.

„Ausgewählte Lieder“ von Franz Liszt und Franz Schubert gaben Thoma und Armbrust nach der Pause. In Liszts Vertonung von Goethes „Wanderers Nachtlied“, die als Lied „Der Du von dem Himmel bist“, tituliert wird, zeigte Brigitte Thoma ihre ganze gewaltige Stimmkraft, die vom saalerfüllenden Crescendo bis zum Pianissimo ihre Ausdruckskraft und Fülle halten kann und stets die emotionale Botschaft zu vermitteln weiß. Auch in der Schubertschen Goethevertonung des Erlkönigs faszinierte die Sopranistin mit aufwühlender Dramatik, heiter plätschernd dann die Forelle. Fast andächtig der „Frühlingsglaube“.

Einen wesentlichen Beitrag zum Genuss des großen Konzertes der Gefühle leistete Rainer Armbrust mit seinem sensiblen Spiel, das die Modulation der Stimme und die Emotionen perfekt mitempfand. Die beiden Intermezzi, ein „Lied ohne Worte in g-Moll“ von Mendelssohn-Bartholdy und ein leicht dahin fließendes venezianisches Gondellied markierten wohltuende Ruhepunkte im emotionsreichen Liedernachmittag.

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