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Gundremmingen

21.03.2019

Rückbau von Block B darf jetzt starten: So geht es im AKW weiter

Das Atomkraftwerk in Gundremmingen.
Bild: Bernhard Weizenegger (Archiv)

Jetzt können die eigentlichen Arbeiten in Block B des AKW Gundremmingen beginnen. Die Geschäftsführer erklären, wie es in der Anlage nun weitergeht.

Nachdem die Genehmigung für den Rückbau von Block B nicht wie erhofft zu dessen Abschaltung an Silvester 2017 oder zumindest kurz danach gekommen war, hat die Betreibergesellschaft KGG des Gundremminger Atomkraftwerks nun Grund zur Freude. Einen Tag vor dem alljährlichen Pressegespräch konnten der technische Geschäftsführer Heiko Ringel und Nikolaus Valerius, Kernenergievorstand der RWE Power, das Schreiben von Bayerns Umweltminister Thorsten Glauber in Empfang nehmen. Öffentlich wurde die Genehmigung am Donnerstag vor dem Pressetermin beim Kraftwerk.

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Ringel betonte dabei, dass die Mitarbeiter den „Paradigmenwechsel“ verinnerlicht hätten, dass es nicht mehr nur um die Stromerzeugung, sondern auch um den Rückbau geht. Nachdem im vergangenen Jahr bereits Beton-Abschirm- und Setzsteine aus dem Maschinenhaus geräumt wurden, um im Wortsinn den Weg für die anstehenden eigentlichen Arbeiten frei zu machen, und auch Isolierungen entfernt wurden, werden nun Schritt für Schritt die Systeme stillgelegt und die Komponenten aus dem Maschinenhaus geholt. Begonnen wird mit dem Kondensatreinigungssystem. Ringel unterstrich, dass der Rückbau nicht mit einem Abriss gleichzusetzen sei. Hier werde sehr strukturiert vorgegangen, es sei in etwa wie beim Aufbau, nur rückwärts. Bis die ersten Teile aber tatsächlich ausgebaut werden, soll es noch ein wenig dauern, da auch hier die Aufsichtsbehörde involviert ist.

Die jetzt erteilte Erlaubnis gilt nur für das Maschinenhaus

„Die Genehmigung ist kein Freifahrtschein“, sagte RWE-Sprecher Jan Peter Cirkel. Die jetzt erteilte Erlaubnis beziehe sich auch nur auf das Maschinenhaus, für das Reaktorgebäude brauche es eine separate. Grundsätzlich wird beim Rückbau des Kernkraftwerks in drei Schritten vorgegangen: Das Maschinenhaus von Block B ist der erste, als zweiter folgt zu gegebener Zeit das von Block C und dann wird parallel in beiden Blöcken gearbeitet. Für C soll zeitnah das Prozedere für die Rückbaugenehmigung begonnen werden. Wie lange es dauert, bis Block B entkernt ist, konnte Ringel nicht sagen. Fest stehe, dass die Rückbauphase 15 bis 20 Jahre dauern soll. Obwohl man die jetzt erteilte Genehmigung früher erhofft habe, lag die Bearbeitungsdauer der Behörden aber nach Ringels Worten im bundesweiten Durchschnitt.

Minister Thorsten Glauber übergibt die Abbaugenehmigung an Nikolaus Valerius, Vorstandsmitglied RWE Power, und Heiko Ringel, Technischer Geschäftsführer der Kernkraftwerk Gundremmingen GmbH (von links).
Bild: Ralf Armbrecht/Umweltministerium

Mit Block C wurden im vergangenen Jahr gut 10,4 Milliarden Kilowattstunden Strom erzeugt, gut 4,4 Prozent mehr als im Vorjahr. Das hänge mit der Dauer der Revision zusammen – am 21. April steht die nächste an, die gut fünf Wochen dauern soll und bei der etwa 20 Millionen Euro investiert werden. Der Schwerpunkt liegt auf dem Reaktordruckbehälter, alle relevanten Bauteile werden routinemäßig mit einer Kamera geprüft. Im November 2018 gab es zwei Transporte von nur teilweise genutzten Brennelementen vom abgeschalteten Block B in C, wofür ein Castorbehälter benutzt wurde. So soll der Einsatz neuer Brennelemente reduziert werden. Im Februar und März dieses Jahres gab es drei weitere solcher innerbetrieblichen Transporte. „Damit sind diese abgeschlossen“, sagte Ringel. Er berichtete auch über fünf meldepflichtige Ereignisse im vergangenen Jahr, die alle die niedrigste Meldestufe hatten.

Auch in Burgauer Pyrolyse wurde Material aus dem Kraftwerk verschwelt

Ringel ging ebenfalls auf das Thema Müllverbrennung in Weißenhorn ein. Es handele sich bei dem, was vom Kraftwerk dorthin geliefert wird, nicht um Atommüll. Der müsse in Deutschland in ein Endlager kommen und dürfe nie einfach verbrannt werden. Hier handele es sich um herkömmlichen Industriemüll, wie er in jedem Gewerbebetrieb anfalle. Alle Vorgaben würden eingehalten. Beim Umweltministerium sei ein Antrag für eine erneute Lieferung von gut zwei Tonnen gestellt worden. Wenn die Erlaubnis da ist, komme auch dieser Müll nach Weißenhorn.

Dass dort die Schlacke geprüft werden soll, ist für Ringel kein Problem, er erwartet sich keine auffälligen Werte (lesen Sie auch: Strahlender Abfall: Demnächst wird gemessen ). Er geht auch nicht davon aus, dass die Menge des gelieferten Mülls reduziert wird. Laut Gesetz dürfe Abfall, der zur Verbrennung vorgesehen ist, nicht anders behandelt werden, also etwa nicht deponiert werden. Als die Sachen noch in der nun geschlossenen Burgauer Pyrolyse verarbeitet wurden, sei die Zusammensetzung des Mülls nicht anders gewesen als jetzt.

Im Kraftwerk arbeiten noch 529 KGG-Mitarbeiter

Wie die kaufmännische Geschäftsführerin Gabriele Strehlau erklärte, waren zum 1. Januar dieses Jahres noch 529 Mitarbeiter bei der KGG beschäftigt. Im Jahr 2015 waren es noch 650 gewesen. Bei Partnerfirmen arbeiten weitere etwa 250 und bei RWE-Gesellschaften gut 20 Menschen am Standort. Zudem gibt es 22 Auszubildende. Für das eigene Personal sollen auch weiter sozialverträgliche Regelungen gefunden werden. Wie es um die Externen steht, wollte Strehlau nicht sagen. Denn hierzu gibt es, wir berichteten darüber, einen aktuellen Rechtsstreit. Man sei gesetzlich verpflichtet, beim Rückbau das Eigen- vor dem Fremdpersonal einzusetzen.

Im vergangenen Jahr wurden nach ihren Worten Aufträge mit einem Volumen von rund 117 Millionen Euro an 1037 Unternehmen vergeben, davon entfielen 28,1 Millionen auf Firmen aus Bayerisch-Schwaben. Eine Transaktion anderer Art, nämlich zwischen RWE und Eon, betrifft das Kraftwerk dergestalt, dass die RWE AG ihre Finanzbeteiligung an Innogy verkauft. Im Gegenzug erhält RWE "eine große Plattform" an erneuerbaren Energien von Eon und Innogy. Wie beim Kernkraftwerk Emsland übernimmt RWE auch in Gundremmingen die Minderheitsanteile der PreussenElektra, was aber keine Auswirkungen auf den Betrieb haben soll, da man ohnehin für den Betrieb der beiden Kraftwerke verantwortlich sei. Im Januar sei mit der Anmeldung des Erwerbs der erneuerbaren Energien bei der Europäischen Kommission ein wesentlicher Teil der Transaktion erreicht worden, es sei der erste Schritt der Fusionskontrollverfahren.

Lesen Sie auch: Der lange Abschied vom Kernkraftwerk Gundremmingen und Die Ausdauer der AKW-Gegner ist beeindruckend.

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