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Günzburg

22.03.2019

SPD und CSU setzen auf OB-Kandidaten Jauernig

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Auf den SPD-Oberbürgermeister setzt nicht nur seine eigene Partei für die Kommunalwahlen 2020. Auch der CSU-Vorstand schlägt seinen Mitgliedern vor, den SPD-Amtsinhaber zu nominieren.
Bild: Bernhard Weizenegger

Plus Dass der CSU-Vorstand für das Amt des Rathauschefs keinen eigenen Kandidaten präsentiert, sondern den SPD-Amtsinhaber nominiert, ist außergewöhnlich.

Auf einen „spannenden Wahlkampf in völlig neuer Konstellation“ freut sich die Günzburger CSU-Fraktionsvorsitzende Stephanie Denzler. Und sie schreibt noch etwas in das Gästebuch der Günzburger Zeitung: „...ein historischer Tag!“ Zu dem hat sie freilich selbst beigetragen. Denn sie und die CSU-Ortsvorsitzende Ruth Niemetz haben vor wenigen Wochen Oberbürgemeister Gerhard Jauernig gefragt, ob ihn die CSU nominieren dürfe.

Diese förmliche Anfrage ist in diesem Fall durchaus nachvollziehbar. Schließlich ist Jauernig kein CSU-Mitglied, sondern hat 2002 als Nachfolger von Rudolf Köppler das Günzburger Rathaus weiter in roter Hand behalten. Damals trat Bezirksrätin Denzler übrigens als CSU-Gegenkandidatin auf. Und es wurde zuweilen mit harten Bandagen gekämpft. Die Gräben, die im Kommunalwahlkampf gerissen wurden, konnten später im Stadtrat zum Teil nur mühsam wieder beseitigt werden.

Der Oberbürgermeister sitzt fest im Sattel

Die Situation ein Jahr vor der Kommunalwahl 2020 ist eine ganz andere. Jauernig sitzt in der Großen Kreisstadt Günzburg mit knapp 21 000 Einwohnern als Oberbürgermeister so fest im Sattel, als wäre er mit Pattex dort festgeklebt worden. Natürlich sieht das die CSU auch – und stört sich nicht am sozialdemokratischen Amtsinhaber. CSU-Kreisvorsitzender Alfred Sauter sagt über den früheren Sparkassen-Mitarbeiter: „Er ist ein guter Mann.“

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Am Freitagmittag haben die Günzburger Orts- und Fraktionsvorsitzenden von SPD und CSU in den Redaktionsräumen der Günzburger Zeitung ihre "Große Koalition“ für die Nominierung des OB-Kandidaten Jauernig bekannt gegeben. Die Sozialdemokraten haben sich am vergangenen Montag auf ihrer Vorstandssitzung mit 18 zu null Stimmen dafür ausgesprochen, dass er aktuelle Rathauschef auch der künftige sein soll. Das war ebenso Formsache wie es das noch ausstehende Votum der Mitglieder ist. Ortsvorsitzende Simone Riemenschneider-Blatter betont die „gute und harmonische Arbeit“, die Jauernig als erster Repräsentant Günzburgs leiste. Sie nennt Investitionen in Schulen, ins Altenheim, in Infrastruktur wie die Mobilitätsdrehscheibe und die Ausweisung neuer Baugebiete als Beispiele dafür. Der Oberbürgermeister habe einen großen Anteil daran, weil er über Parteigrenzen hinaus agiere.

"Überhaupt keine gravierenden Fehler gemacht"

Das bestätigt die CSU-Ortsvorsitzende Ruth Niemetz. „Wir haben viele Ideen einbringen und verwirklichen können“, sagt sie. Und sie bescheinigt dem Oberbürgermeister, in seiner Amtszeit „überhaupt keine gravierenden Fehler gemacht zu haben“. Als der bei dem Gespräch mit Niemetz und Denzler erfahren habe, dass sich auch die CSU für ihn als OB-Kandidaten einsetzen möchte, „hatten wir den Eindruck, es hat ihn gefreut, dass wir das gemeinsam mit der SPD machen wollen“, sagt Denzler. Und Niemetz, die Dritte Bürgermeisterin in Günzburg ist, ergänzt: „So etwas ist dann doch recht außergewöhnlich.“

Der Günzburger CSU-Vorstand hat vor einer Woche die Weichen entsprechend gestellt. Lediglich ein Vorstandsmitglied hat gegen diesen Plan gestimmt.

Am 3. Juni entscheidet die CSU-Mitgliederversammlung, ob sie den Nominierungsvorschlag des Vorstandes annimmt. Fünf Tage zuvor sind die Genossen an der Reihe. „Und wenn andere Parteien Jauernig ebenfalls nominieren wollen – sie sind herzlich eingeladen“, sagt die SPD-Fraktionsvorsitzende Helga Springer-Gloning, die selbst für den Stadtrat nicht mehr kandidieren wird.

Die vier Frauen, die in der Günzburger Stadtpolitik maßgebliche Posten bekleiden, wirken an diesem Freitagmittag gelöst und beinahe fröhlich, dass ihnen dieser Coup zusammen gelungen ist. Die SPD- und CSU-Politikerinnen heben die Sachpolitik hervor, der sie sich verpflichtet fühlten. Das Wohl der Bürgerinnen und Bürger sei die Richtschnur für die politische Arbeit, sagt SPD-Ortschefin Riemenschneider-Blatter. Die CSU-Ortsvorsitzende Niemetz sieht in dem Kandidaten „ein klares Zeichen der demokratischen Parteien gegen populistische Nichtdemokraten“.

Bestätigung der Arbeit, Anerkennung der Amtsführung

Am Freitagnachmittag hat die Klausur des Günzburger Stadtrates in Landsberg mit Ausführungen des bayerischen Bau- und Verkehrsministers Hans Reichhart (CSU) begonnen. Am Samstagabend geht die Tagung zu Ende. Nicht auf der Tagesordnung steht der Nominierungsvorschlag Jauernigs durch die beiden Volksparteien. Aber es wird mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit das Thema sein, das am meisten unter den Mandatsträgern diskutiert wird.

Und wie reagiert Jauernig selbst, der nicht nur OB, sondern auch Vorsitzender des Städtetags auf schwäbischer Ebene und seit 2014 Vorsitzender des Bayerischen Kommunalen Prüfungsverbandes ist? „Ich freue mich über das Vertrauen, das die beiden Ortsvereine mir schenken. Ich empfinde es als Bestätigung meiner Arbeit und Anerkennung der persönlichen Art der Amtsführung“, antwortet er am Telefon kurz vor der Klausurtagung. Er setzt noch hinzu: „Ich bin ein überzeugter Kommunaler und mit Leib und Seele Günzburger. Unsere Erfolge sind das Ergebnis einer harmonischen Zusammenarbeit von Stadt und Bürgern.“ Dann kommt noch etwas: Dass er diesen Weg gerne 2020 als Oberbürgermeister fortsetzen wolle.

Lesen Sie hierzu auch den Kommentar von Till Hofmann: Selbst CSU für Jauernig: Das ist eine gute Wahl

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