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Kreis Günzburg

23.11.2017

Sanitätsdienst, bitte ins Sekretariat!

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4 Bilder
Nailah (rechts) weiß, wie ein Stethoskop funktioniert. Hier legt sie es gerade bei Schulsanitäterin Orkide an (rechtes Bild). Sie sind Schülerinnen des Mindeltalgymnasiums.
Bild: Stephanie Lorenz

Schüler im Landkreis erzählen, warum sie sich im Schulsanitätsdienst engagieren und was sie dabei erleben.

„Sanitätsdienst bitte ins Sekretariat kommen.“ So lauten die Durchsagen an Schulen oft und dann sind sie zur Stelle, die Schulsanitäter. Denn das Erste Hilfe-Leisten in der Not kann an Schulen erlernt werden. So kann quasi jeder zum „Held“ werden. Den Schulsanitätsdienst gibt es an fast jeder Schule. Wir haben den Dienst an drei Schulen im Landkreis besucht und die Schüler nach ihrer Motivation und ihren Aufgaben gefragt.

In Krumbach an der Realschule trifft sich an jedem Dienstagnachmittag von 13.30 bis 14.15 Uhr der Schulsanitätsdienst unter der Leitung von Carmen Pöschel und übt grundlegende Methoden ein, sodass die Schüler auf den Ernstfall vorbereitet sind. Die 18 Jungen und Mädchen berichten, dass sich solch ein Einsatz rund einmal pro Monat ereigne, manchmal auch häufiger. Sie seien aber auch an Sport- und Schulfesten im Einsatz, falls dort etwas passieren sollte. Die meisten Ernstfälle sind aber zum Glück „nur“ stärkeres Nasenbluten.

Die Jungsanitäter leisten ihren Dienst aber dennoch gern. Sie erzählen, dass sie das zum einen tun, um Menschen helfen zu können; daran haben sie Spaß und können sich so in die Schulgemeinschaft einbringen. Zum anderen, weil es mittlerweile häufig vorkommt, dass Menschen einfach nur gaffen, wenn sich ein Unfall ereignet, statt selbst aktiv einzuschreiten und Hilfe zu leisten.

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Aber auch die Wettbewerbe, die jedes Jahr stattfinden, sind ein Anreiz im Schulsanitätsdienst aktiv zu sein. Hier wird dann Allgemeinbildung geprüft, theoretisches Wissen in der Ersten Hilfe und die praktische Umsetzung der erlernten Methoden. Sowohl die Vorbereitung auf die Ernstfälle als auch die Turniere werden in den wöchentlichen Stunden des Schulsanitätsdienstes geleistet. Hierin erlernen die Schüler, wie sie mit schwierigen Situationen umgehen, wie sie Verbände wechseln, aber auch wie sie technische Geräte im Ernstfall betätigen können.

Die lange Ausbildung hat sich rentiert

Die Ausstattung bietet in Krumbach ein breites Spektrum. So sind dort neben einer Grundausstattung mit Verbänden und Verbandskasten auch eine Rettungsdecke, eine Halskrause, eine Beatmungsmaske, Defibrillatoren und ein Blutdruckmessgerät vorhanden, mit dem es gilt, umgehen zu können. Laut der leitenden Lehrkraft Carmen Pöschel ist ein Beitritt in den Schulsanitätsdienst aber erst ab der siebten Klasse möglich. Trotzdem kann es grundsätzlich auch früher ermöglicht werden, sodass die Gruppe einsatzfähig bleibt.

Auch an den Mindeltalschulen in Jettingen-Scheppach teilen sich insgesamt zwölf Schülerinnen den Sanitätsdienst. Sie sind immer jeweils zu zweit eine Woche im Einsatz. Die Wochenpläne erstellt der Lehrer und Sicherheitsbeauftragte Thomas Schropp. „Durchschnittlich sind die Mädels schon einmal die Woche im Einsatz“, sagt er. Da hat sich die lange Ausbildung auf jeden Fall rentiert. Ein halbes Jahr lang lernten sie jeden Dienstagnachmittag vier Schulstunden lang alles Wichtige rund um Erstversorgung und das Verhalten im Notfall. Durchgeführt wurde die Ausbildung von den Maltesern, aufgefrischt wird sie nun einmal im Jahr.

Warum die Mädels das machen? Die Achtklässlerin Esma erzählt, dass sie einmal Chirurgin werden will. „Da wollte ich schon einmal sehen, wie das ist“, sagt sie. Rafia, ebenfalls aus der achten Klasse, hatte einfach Interesse daran, Menschen zu helfen. Und auch Zehntklässlerin Orkide sagt: „Wenn man selbst einen Unfall hat, ist man ja auch froh um Hilfe.“ Nailah nennt noch einen ganz praktischen Grund: „Man muss es ja später eh machen, für den Führerschein.“

„Da hatte ich kurz Angst, was hier gerade passiert“

Einen heftigen Notfall hätten die vier erst vor Kurzem erlebt, erzählt Rektorin Monika Weltz. Eine Lehrerin sei gegen eine Glasscheibe gelaufen, weil sie gedachte hatte, die Türe sei offen. Die Folge: Nasenbeinbruch. Für Rafia war das Schlimmste bisher, „dass direkt vor mir jemand umgekippt ist“. Nailah erinnert sich noch an eine andere Geschichte: Es habe einmal eine Energy-Drink-Party nachts im Internat stattgefunden. Am nächsten Tag hätten viele Schülerinnen hyperventiliert und niemand habe zunächst gewusst, wieso. „Da hatte ich kurz Angst, was hier gerade passiert“, sagt Nailah. In dem Fall hätten sie den Notarzt gerufen.

Ansonsten fragen die Schülerinnen Betroffene immer zuerst, wie es ihnen geht, und ergreifen dann entsprechende Maßnahmen. „Wenn zum Beispiel jemand ohnmächtig ist, dann bringen wir ihn in die stabile Seitenlage“, erklärt Esma.

Der Notfallkasten hat seinen festen Platz

Häufig passieren Unfälle im Sportunterricht oder im Pausenhof, erzählen die vier Schülerinnen: Gehirnerschütterungen, Nasenbluten oder Stürze. Dann werden die Verletzten manchmal ins Krankenzimmer der Schule gebracht. „Bei größeren Verletzungen füllen die Schulsanitäterinnen ein Protokoll aus“, erklärt Schropp. Dann werde notiert, wer verletzt sei, an welcher Körperstelle und welche Maßnahmen ergriffen worden seien. Der Ordner mit den Protokollen befinde sich immer im Lehrerzimmer. Auch der Notfallkasten hat seinen festen Platz und wird von den Schülerinnen, die Dienst haben, in der Früh abgeholt. „Wir schauen auch immer wieder mal rein, ob alles passt“, sagt Esma. „Wenn etwas fehlt, füllt Herr Schropp das wieder auf.“

Auch in der Eberlin-Mittelschule in Jettingen-Scheppach sind seit diesem Schuljahr insgesamt 21 Schulsanitäter im Einsatz. Sie hatten im Sommer erfolgreich ihre Ausbildung abgeschlossen. Jetzt übernehmen sie in gemischten Dreier- oder Vierergruppen jeweils circa sechs Wochen lang ihren Sanitätsdienst – von blauen Flecken, offenen Knien und Kreislaufproblemen bis hin zur Präsenz bei Veranstaltungen.

Lehrer Florian Kuen, der in diesem Jahr für die „Sanis“ zuständig ist, sagt, „dass vor allem die Mädchen gerne helfen.“ Doch bei allen stehe einfach im Vordergrund, Verantwortung zu übernehmen. Denn helfen kann jeder.

Schulsanitäter-Ausbildung Wenn auch ihr Schulsanitäter werden wollt, oder einen solchen Dienst in eurer Schule einführen wollt, könnt ihr euch an unterschiedliche Organisationen wenden. Ausbildungen führen zum Beispiel die Johanniter, die Malteser oder das Rote Kreuz durch.

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