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Diana Damrau

17.02.2013

„Say hello Günzburg“

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Diana Damrau im Interview mit Opernstar Renee Fleming (links) und Söhnchen Alexander auf dem Arm.

Diana Damrau brilliert in Verdis Rigoletto. Die Inszenierung in der Metropolitan Opera New York wurde live ins Günzburger Biigz übertragen. In einem Interview schickt sie zusammen mit ihrem Sohn Grüße in ihre Heimat.

Im richtigen Leben ist sie bereits in der Mutterrolle angekommen, Diana Damrau, die „Nachtigall von Günzburg“. Als Tochter steht sie zur Zeit in einer Neuinszenierung von Giuseppe Verdis „Rigoletto“ auf der Bühne der Metropolitan Opera New York, die, ein theatralisches Großereignis, in einer Direktübertragung – der Sparkasse Günzburg-Krumbach sei wieder mal Dank – in zwei voll besetzten Sälen des Günzburger Biigz dreieinhalb kurze Stunden lang miterlebt und miterlitten werden konnte.

Die Damrau. Was für eine Sängerin! Was für eine Schauspielerin! Gilda, die Tochter Rigolettos, untertäniger Hofnarr und williger Spießgeselle seines herzoglichen Dienstherren, singt sie. Was heißt singt? Das allein wäre viel zu wenig um all die Bühnenmittel, all die unterschiedlichsten Facetten dieser zwischen Vater und Geliebtem sich verzehrenden Gefühls- und Leidensfähigkeit zu beschreiben. Singen sei angewandte Psychologie, sagte sie einmal. Ja, und die eben macht ihre künstlerische Bedeutsamkeit aus. Ihre dargestellten Charaktere in halsbrecherischen Koloraturen, in brillantem Höhenrausch hinausjubilieren, das kann sie, aus dem Effeff, klar. Doch sie kann mehr, viel mehr, nämlich ihnen inneren Gehalt verleihen, ihre psychischen Nuancen in schillernder Weiblichkeit zum Leuchten bringen. Sie hat die Gabe Gesang und Spiel untrennbar miteinander zu verschmelzen.

Wie etwa im Prunkstück aller Koloraturarien „Caro nome che il mio cor“, von ihr als schüchtern seelische Erregung überwältigender erster Liebe durchgelebt – sanglich virtuos und voll tiefer Menschlichkeit. Hinreißend in den Duetten mit Rigoletto, ihrem von geradezu frevelhaften Besitzansprüchen an sie selbst ausgestatteten Vater, (glänzend Zeljako Lucic mit dem Diana Damrau schon in ihrer Frankfurter Zeit auf der Bühne stand), und mit dem von Schönheit zu Schönheit flatternden Protztenor herzoglicher Gnaden (strahlend Piotr Beczala, in der Höhe leicht indisponiert).

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Alpträume wie in der Münchner Planet-der-Affen-Version blieben ihr bei der Met-Aufführung erspart, obwohl die Handlung von Regisseur Michael Mayer vom italienischen Mantua des 16. Jahrhunderts in das mondäne Casinoambiente von Las Vegas der 1960er Jahre verlegt wurde. Müssen da nicht die Alarmglocken schrillen? Nein, müssen sie nicht.

Die traditionserstarrte Met braucht solche Kicks, dringend. Der Mix aus 1,8 Kilometern schillernder Neonröhren, aus 650 Metern LED Tapes und 1600 bunten Glühbirnen, aus Riesenfederfächern schwingenden Animierdamen und einem modisch gestylten Herzog der in Frank Sinatra Manier seine Songs cool ins Handmikrofon (Requisite) schmettert. Das alles ergibt erstaunlicherweise eine in sich stimmige Dramaturgie. Der man durchaus und guten Gewissens auch eine im altägyptischen Sarkophag vollzogene Entführung Gildas abnimmt, oder den sonntäglichen Kirchgang des sexomanen Casinofürsten. Beten? Nö – Weiber aufreißen.

Beste Zutaten also für eine bluttriefende Italo Oper? Klar: Vendetta. Sing mir das Lied vom Tod, im schönsten Ensemble der gesamten Opernliteratur, dem berühmten Quartett „Bella figlia dell’amore“. Verführerischer, schluchzender, herzergreifend schmerzlicher kann Belcanto nicht sein. Gilda endet, sich selbst auf dem Altar verdischer Blitz- und Donnermusik opfernd, als Leiche im Kofferraum des Luxusgefährts. Doch keine Angst, Italiens komponierender Nationalheld lässt seine Lieblinge nicht ohne Herz und Seele ergreifende Abschiedsarie sterben. Zum Weinen schön wie Verdis Hauptdarstellerin ihre Seele aushauchen darf. Der Vater weint. Das Publikum rast.

Und im Pauseninterview mit der Günzburger Starsopranistin gab es Grüße in die Heimat: Diana Damrau mit Söhnchen Alexander auf dem Arm: „Say hello Oma, Opa. Say hello Günzburg“.

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