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Gastronomie

09.10.2019

Schreiegg’s Post geht ungewissen Zeiten entgegen

Die Betreiberfamilie Nicke verlängert ihren Pachtvertrag für das Hotel Schreiegg’s Post nicht mehr. Bis zum Jahresende läuft der Betrieb noch, dann ist Schluss. Hauseigentümer Nils Goltermann sucht nach einer Nachfolge. „Thannhausen mit seinen 6000 Einwohnern ist zu groß zum Sterben, aber zu klein zum Leben.“
Bild: Stefan Reinbold

Nach zehn Jahren verlängert Familie Nicke den Pachtvertrag für das Aushängeschild in der Thannhauser Bahnhofstraße nicht. Für den Eigentümer beginnt eine schwierige Suche

Schreiegg’s Post ist ein kulinarisches Aushängeschild für Thannhausen. Die Betreiberfamilie Nicke ist bekannt für gehobene Küche zu moderaten Preisen. Nach zehn Jahren in der Thannhauser Bahnhofstraße haben die Nickes für sich beschlossen, den Pachtvertrag nicht zu verlängern. René Nicke sagt, „persönliche Gründe“ seien für diese Entscheidung ausschlaggebend gewesen. Er sei gerade „mitten im Service“ und habe eigentlich nur wenig Zeit. „Wir haben sehr gut zu tun, wirtschaftliche Gründe haben für diesen Schritt keine Rolle gespielt“, betont er. Auch das Verhältnis zur Familie Goltermann, in deren Besitz sich das historische Gebäude befindet, sei ausgezeichnet. „Wir wollen ein anderes Projekt nichtselbstständig betreuen“, skizziert er. Im Augenblick könne er aber dazu noch nichts sagen. Natürlich sei es auch schwierig, geeignetes Personal zu rekrutieren, das sei aber nicht entscheidend gewesen, sagt Nicke. „Das ist überall in der Branche schwierig.“ Der Entschluss, die Pacht in Thannhausen nicht zu verlängern, betreffe letztlich die ganze Familie und sei auch mit allen so besprochen worden. Nicke verweist auch auf seine Schwiegereltern, die im Betrieb mitarbeiten und „allmählich in ein Alter kommen, wo sie kürzertreten wollen“. Nils Goltermann hat die Nachricht nicht kalt erwischt. Auch er betont das gute Verhältnis zur Familie Nicke. Er sei bestrebt, eine Nachfolge zu finden, sagt er. Bis dato könne er aber noch keinen Namen präsentieren. „Es ist äußerst schwierig, weil Personal fehlt“, räumt er ein. Das habe auch die Entscheidung der Nickes mit beeinflusst. „Herr Nicke steht in einer Küche für vier Köche seit einem halben Jahr allein mit einer Hilfskraft“, sagt Goltermann. Dass in Zusmarshausen mit der Wiedereröffnung des ehemaligen Hotel Post ein neuer Betrieb in „ungeahnter Größe“ eröffnet habe, erschwere die Suche nach Mitarbeitern zusätzlich. „Das saugt Personal ab, das ist unglaublich“, seufzt Goltermann.

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An Interessenten für die Immobilie fehle es indes nicht. „Wir haben genügend Kontakte, die das gut fänden“, aber auch die zeigten sich skeptisch wegen der Personalsituation. Seit mehr als einem Jahr steht auch das gegenüberliegende Postcafé leer. Wollen allein reiche nicht aus, man müsse das auch ökonomisch führen können, betont Goltermann. Ihm sei es aber ein großes Anliegen, dass die geschichtsträchtige Immobilie – einst königlich-bayerische Posthalterei und Brauereigasthof – in der Stadtmitte nicht leer stehe. „Wir haben ja nicht ohne Grund das Haus in Eigenregie vor zehn Jahren wieder aufgebaut“, sagt Goltermann, der auch Mitglied im Innenstadtentwicklungsbeirat ist. Vor diesem Hintergrund beurteilt er die Sachlage aus einer globaleren Perspektive. Thannhausen sei auf der einen Seite eine wunderschöne Stadt, „die Perle im Mindeltal“, sagt er lachend. Bei der Belebung der Innenstadt scheitere die Umsetzung aber oft an ganz banalen Dingen. Goltermann erinnert sich daran, wie ein Interessent für das Postcafé an einem Sonntagnachmittag unterwegs gewesen sei und Leute gefragt habe, wo man in Thannhausen einen guten Café trinken könne. Als Antwort erklärten die Passanten dem Mann, Cafés gebe es hier genug.

Wenn es darum gehe, einen Laden zu besetzen, fragten sich die potenziellen Betreiber natürlich, „wo ist hier die Kaufkraft“. Für den Kaufkraftverlust macht Goltermann eine verfehlte Planung mitverantwortlich. „Die Stadt hat zugesehen, wie ein Zentrum von Großmärkten am Stadtrand entsteht. Wie sollen kleine Läden da ein Auskommen finden“, fragt er. Mit seinen rund 6000 Einwohnern sei Thannhausen gewissermaßen zu groß zum Sterben aber zu klein zum Leben. Um einen Hotelbetrieb lukrativ zu führen, brauche es nicht nur Gäste am Wochenende, sondern von „Montag bis Montag“. Die Entwicklung als Naherholungsgebiet sei zunächst durchaus positiv verlaufen. Das ging Goltermann zufolge solange gut, bis der Touristenmagnet Legoland selbst damit begonnen habe, die Bettenkapazitäten zu erhöhen. Als Unternehmer sei er aber guten Mutes, für „die Post“ eine Lösung zu finden. Ein wenig Zeit bleibt dafür noch. Bis Jahresende sind Hotel und Restaurant geöffnet.

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