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Leipheim

11.04.2015

Schüler machen die Bronzezeit begreifbar

Schüler des Dossenberger Gymnasiums gestalten zusammen mit dem Historischen Arbeitskreis im Leipheimer Heimatmuseum eine Archäologie-Ausstellung. Lisa Walburger und Lukas Denk rücken Originalfunde vom Fliegerhorstgelände – eventuell handelt es sich um eine Urne – ins rechte Licht.
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Schüler des Dossenberger Gymnasiums gestalten zusammen mit dem Historischen Arbeitskreis im Leipheimer Heimatmuseum eine Archäologie-Ausstellung. Lisa Walburger und Lukas Denk rücken Originalfunde vom Fliegerhorstgelände – eventuell handelt es sich um eine Urne – ins rechte Licht.
Bild: Manuela Antosch

In der Blauen Ente arbeiten Schüler gerade an einer Archäologie-Ausstellung. Dahinter steckt die Erkenntnis, dass Leipheim viele hundert Jahre älter ist als bisher gedacht.

In Archäologie-Ausstellungen liegen nur alte Scherben herum und für Jugendliche ist das sowieso alles total langweilig. Das mag für manche Museen tatsächlich zutreffen. Aber es geht auch anders. In Leipheim gestalten Schüler zurzeit eine Archäologie-Ausstellung selbst. Sie machen die Bronzezeit damit auf eine besondere Art lebendig und begreifbar.

In der Blauen Ente, dem Leipheimer Heimat- und Bauernkriegsmuseum, ist in diesen Tagen vieles anders als es in einem „normalen“ Museum ist. Es wird gebohrt, gehämmert und gematscht – und auch viel gelacht. In einem Mehrgenerationenprojekt arbeiten Abiturienten des Günzburger Dossenberger Gymnasiums und Mitglieder des Historischen Arbeitskreises gerade an der Sonderausstellung.

Dahinter steckt eine spektakuläre Erkenntnis: Leipheim ist viel älter als bisher gedacht. Die Stadtchronik beginnt mit den Alemannen, die vermutlich zwischen 500 und 550 nach Christus den Ort gegründet haben. Jetzt muss man noch viele hundert Jahre weiter zurück gehen: Auf dem ehemaligen Fliegerhorstgelände wurden Reste einer Siedlung aus der Bronzezeit gefunden – der Zeit König Davids, etwa 1000 vor Christus. Entdeckt hat sie die Günzburger Archäologin Anja Seidel bei Grabungen während des Baus der Umgehungsstraße.

Weil sich Laien anhand der Funde nur wenig vorstellen können, haben der Schüler Maximilian Hossan und der passionierte Modell- und Krippenbauer Günter Leucht vom Blaue-Ente-Team ein Diorama gebaut. So wird deutlich, wie die Siedlung einmal ausgesehen haben könnte: Mindestens drei Häuser haben dort gestanden. Das Dorf wurde wohl von einer Familie oder Sippe bewohnt und hielt sich nur ein oder zwei Generationen lang. Die Menschen betrieben Ackerbau und in geringem Maße auch Viehzucht. Nebenan befand sich ein Begräbnisplatz. „Jedes Grab war damals mit einem Holzpfosten gekennzeichnet“, erklärt Maximilian Hossan.

Die Archäologin Anja Seidel leitet nun auch zusammen mit Dr. Christoph Henzler, dem Direktor des Dossenberger Gymnasiums, den Kurs Archäologie an der Schule. Es ist dort in der Oberstufe ein reguläres Fach – ein Angebot, das es nur in ganz wenigen bayerischen Schulen gibt. Acht Schüler haben diesen Kurs, der 2013 zum ersten Mal angeboten wurde, gewählt. Mittlerweile stehen sie kurz vor den Abiturprüfungen. Und obwohl sie gerade viel lernen müssen – oder genau deshalb? – verbringen sie zurzeit viele Stunden und Tage ihrer Osterferien im Museum. Schließlich ist bis zur Eröffnung am kommenden Wochenende noch viel zu tun: Erklärtexte müssen geschrieben und gestaltet, Ausstellungsgegenstände angeordnet und ins rechte Licht gerückt werden. Und vor allem müssen die Hütten noch fertig werden.

Der Experte dafür ist Michael Bäuerle. In einer Garage neben dem Museum mischt er Stroh und Lehm für die Wände – mit den Füßen. Die Herstellung ist wohl ziemlich originalgetreu und der Schüler ist nicht nur dreckig, sondern auch zufrieden: „Ich habe so lange herum experimentiert, bis ich die perfekte Mischung gefunden habe.“ Den Eimer mit dem Matsch trägt er nach oben auf die Museumsgalerie. Dort bauen die Rentner vom Historischen Arbeitskreis gemeinsam mit den Schülern zwei Hütten: eine im Maßstab eins zu zwei und eine begehbare in Originalgröße mit Feuerstelle, Schlafkoje und Gebrauchsgegenständen darin. Die Wände der Hütten werden aus Holzständern und Weidengeflecht gebaut und mit dem Stroh-Lehm-Gemisch verputzt. Ganz so wie vor 3000 Jahren. „Nur den Dung haben wir uns gespart“, sagt die Museumsleiterin Susanne Anwander und grinst.

Als Leihgaben aus Aschaffenburg hat das Museum auch Nachbildungen von Schmuck, Haushaltsgegenständen und Kleidung aus der Bronzeit bekommen. Diese Repliken, die Hütten und das Diorama machen das Leben der Leipheimer Vor-Vorfahren anschaulich. Aber natürlich dürfen die Originalfunde vom Fliegerhorst in der Ausstellung nicht fehlen. Ohne Scherben kommt eben keine Archäologie-Ausstellung aus. Aber der 17-jährige Lukas Denk kann dazu spannende Geschichten erzählen. Zum Beispiel, dass sämtliche Keramikgegenstände auf dem Leipheimer Gräberfeld zerscherbt und auf mehrere Gräbern verteilt wurden. „Das lässt auf eine Beziehung der Toten untereinander schließen“, erklärt er fachmännisch. Dann zeigt er Stücke eines größeren Gefäßes, an denen auch Leichenbrand gefunden wurde. Mit Handschuhen fasst er sie vorsichtig an und erklärt: „Das könnte eine Urne gewesen sein.“

Die Ausstellung „Die Siedler von Leipheim – Leben vor 3000 Jahren“ wird am Sonntag, 19. April, um 14 Uhr mit einer Bronzezeit-Modenschau der Schüler eröffnet. Die Ausstellung ist dann bis Ende Mai immer sonntags von 14 bis 17 Uhr zu sehen.

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