1. Startseite
  2. Lokales (Günzburg)
  3. Schüler schauen in die Welt der Rechtsextremen

Landkreis Günzburg

25.06.2019

Schüler schauen in die Welt der Rechtsextremen

Die etwas andere Bayernkarte: Auf dieser Schautafel werden Ausstellungsbesucher informiert, wo Rechtsextreme im Freistaat aktiv geworden sind.
Bild: Till Hofmann

Wie im Günzburger Berufsschulzentrum in einer Ausstellung informiert wird und was vegane Ernährung mit Neonazis zu tun hat.

„Ich bin nicht tolerant, ich mag keine Immigranten. Keine Üz und Öz mit all ihren Verwandten. (...) Eure Weltoffenheit geht mir am Arsch vorbei, ich bin nicht tolerant und ich bleibe dabei. (...) Denn mit Leib und Seele bin ich Nationalist. Mein Volk zuerst und dann lange, lange nichts.“ Das sind Zeilen der Musikgruppe „Kommando Skin“ auf ihrer indizierten CD „Bis der letzte mit uns singt“. Zu lesen ist dieser Text der Ludwigsburger Band, die offenbar in Skinhead-Kreisen beliebt ist, auf einer der Schautafeln, die seit Montag im Günzburger Berufsschulzentrum aufgehängt sind.

Damit wird Rassisten kein Podium bereitet. Vor allem Schülerinnen und Schüler sollen sich in der vom Landkreis in die Region geholte Wanderausstellung der SPD-nahen Friedrich-Ebert-Stiftung darüber informieren, wie Rechtsradikale ticken, wie sie sich organisieren, wo sie in Erscheinung getreten und woran sie zu erkennen sind. Das geschieht durchaus subtil, wie Thomas Witzgall in seinem Einführungsvortrag zur Ausstellung betont. Da werden selbst Kochkurse für vegane Ernährung benutzt, um Jugendliche zu ködern. Ein eher ungewöhnliches Entrée in die Welt der Rechten.

Der Referent war am Wochenende in Sachsen unterwegs

Witzgall ist ein langjähriger Beobachter der rechtsextremen Szene und hat Wissen angehäuft. Am Wochenende war er erst wieder im „Einsatz“. Der Fachjournalist hat das Rechtsrockfestival im sächsischen Ostritz für das Internetportal „Endstation rechts“ begleitet. Das Informationsportal über Neonazis und Rechtsextremismus in Bayern ist ein Projekt der Bayern-SPD und der bayerischen Jusos – und Witzgall trägt die inhaltliche Verantwortung.

ecsImgBannerWhatsApp250x370@2x-5735210184021358959.jpg

Die Schautafel-Schau erhebt auch den Anspruch, Besucher erst einmal mit dem Demokratie-Gedanken vertraut zu machen und zu erläutern, was der abstrakte Begriff in der Lebenswirklichkeit der Menschen konkret bedeutet und in welchen Formen er in Erscheinung tritt.

Eine Frage, die nicht beantwortet wird

Wer schon Seiten mit rechtsextremem Inhalt gesehen oder andere Erfahrungen gemacht habe, will Volker Witt, Jugendsozialarbeiter am Berufsschulzentrum, wissen. Von den rund 30 Schülern der Maria-Ward-Mittelschule und den Jugendlichen ohne Ausbildung, die sich zur Eröffnung im Mehrzweckraum versammelt haben, geht kein Finger nach oben. Aber Witt hat aus Gesprächen mit Lehrern mitbekommen, dass es am Berufsschulzentrum mit Mobbing zumindest in der virtuellen Welt Probleme gegeben habe – weil einigen die Nationalität eines Anderen nicht gepasst habe.

Thomas Witzgall
Bild: Till Hofmann

Anders als vor Jahren ist diesmal die neu aufbereitete Ausstellung in einem abschließbaren Klassenzimmer (Zimmer 217) untergebracht. Als sie zuvor einmal in einer kleinen Aula aufgestellt war, so erzählt Witt, war sie bald mit Hakenkreuzen beschmiert. \u0009"Kommentar Seite 26

Die Schau „Demokratie stärken – Rechtsextremismus bekämpfen“ ist bis 12. Juli in der Berufsschule Günzburg zu sehen (Anmeldung: Telefon 08221/27858-52). Vom 15.-19. Juli steht sie in der Außenstelle Krumbach.

Lesen Sie dazu auch:

Rechtsextremismus-Schau ist informativ und doch lieblos

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren