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Landkreis Günzburg

26.01.2019

Schulamtsdirektor Seibold sagt bald Servus 

Vor einem Jahr stellte Landrat Hubert Hafner (Zweiter von rechts) das Führungsteam des Staatlichen Schulamts vor, das wieder komplett war. In wenigen Wochen geht der Leiter, Josef Seibold (links), in den Ruhestand. Thomas Schulze (rechts) wird sein Nachfolger. Schulrätin Barbara Käppeler bleibt.
Bild: Annabell Schorer/Landratsamt Günzburg

Die Nachfolge für den 65-Jährigen ist geklärt. Wer künftig an der Spitze steht, wer ins  Schulamt aufrückt und was in der Bildungsarbeit herausfordert.

Heute wäre das undenkbar: 36 Schülerinnen und Schüler gleichzeitig zu unterrichten. „Ich hatte sogar mal eine Kombiklasse, die aus Siebt- und Achtklässlern bestand. Das waren insgesamt 47. Und irgendwie ist das auch gegangen“, sagt Josef Seibold, 65 Jahre und sieben Monate alt.

Die meisten, die Seibold in der Bildungslandschaft verorten, bringen ihn wohl nicht sogleich mit dem „gelernten Hauptschullehrer“ in Verbindung. Zehn Jahre lang unterrichtete er Mädchen und Buben, ehe Seibold 1987 für fünf Jahre an die Lehrerakademie nach Dillingen wechselte und als Fortbildungsreferent nun den Pädagogen etwas beizubringen versuchte.

Danach war er als Schulleiter der Grundschule Krumbach für fast 500 Schüler verantwortlich. Der Wechsel zum Staatlichen Schulamt folgte 2003. Sechs Jahre später war Seibold auch hier Chef. Aber das ist er nicht mehr lange. Am 1. März übernimmt sein jetziger Stellvertreter Thomas Schulze die Leitungsfunktion. Einen Monat danach wird Seibold in der Turn- und Festhalle Jettingen offiziell in den Ruhestand verabschiedet.

Das bleibt nicht ohne Auswirkungen. Denn durch seinen Weggang schrumpft das Leitungsteam des Schulamtes von drei auf zwei Personen.

Stelle in Ichenhausen wird frei

Diese Lücke wird geschlossen, dafür entsteht sie andernorts: Robert Kaifer, der Leiter der Grundschule Ichenhausen, hat sich erfolgreich beworben und wird ans Schulamt wechseln. Das bestätigte am Freitagmittag der scheidende Schulamtsleiter Seibold auf Nachfrage unserer Zeitung, nachdem er Rücksprache mit der Regierung von Schwaben gehalten hatte.

Organisatorisch ist das Staatliche Schulamt im Landkreis Günzburg für 35 Grund- und Mittelschulen und die private Montessorischule in Günzburg zuständig. Das bedeutet, auch Verantwortung zu übernehmen für rund 6500 Schüler und 685 Lehrer und Schulleiter.

Übergangsquote in die Mittelschule bleibt konstant

Dass Schulstandorte gefährdet sind, vermag Seibold „derzeit nicht zu erkennen. Ich weiß natürlich auch nicht, was in zehn Jahren sein wird. Aber die Talsohle ist durchschritten, was den Rückgang von Schülerzahlen anbelangt.“ Und nach wie vor liege die Übergangsquote im Landkreis von der Grund- in die Mittelschule bei einem guten Drittel (34 Prozent).

Als Josef Seibold am Staatlichen Schulamt begann, war die „Organisation von Schule“ zunächst einmal quantitativ eine Herausforderung. Damals mussten im Vergleich zur Gegenwart 2000 Schüler mehr unterrichtet werden.

Das hat sich geändert. Der Alltag der Lehrerinnen und Lehrer ist deshalb allerdings nicht weniger anspruchsvoll geworden: Die Mittelschule versucht passgenau auf die Bedürfnisse ihrer Schützlinge einzugehen: So gibt es den Mittelschulabschluss, den QA (Qualifizierender Abschluss) und Mittlere-Reife-Klassen, die es ermöglichen, danach die Fachoberschule oder die Berufsoberschule zu besuchen.

Schicksale und Sprachbarrieren

Die Bandbreite pädagogischen Könnens zeigt sich auch in der Beschulung von – nicht selten – traumatisierten Migrantenkindern. Zudem türmen sich die Sprachbarrieren manchmal zu scheinbar hoffnungslos hohen Gebirgen auf.

Dann ist da auch der Elternwille, der heutzutage, so Seibold, mehr zähle als vor Jahren. Der Wunsch der Eltern, den Sohn oder die Tochter in Richtung Akademisierung zu schicken, bedeute nicht automatisch, dass die Kinder damit glücklicher würden. Da müsse oft genug Überzeugungsarbeit geleistet werden. Und nicht immer reicht die Überzeugungskraft der Lehrer aus.

Die Digitalisierung ist ein weiterer großer Baustein eines technischen Wandels, der erst einmal verkraftet werden muss. „Da haben angelsächsische und baltische Länder uns einiges voraus. Inzwischen sind wir aber auf dem richtigen Weg“, sagt Seibold, der sich von modernen Medien erhofft, Schüler für einen Unterricht zu gewinnen, der sie in der herkömmlichen Form schon lange nicht mehr erreicht.

Opa und Enkel freuen sich gleichermaßen aufeinander

Und was macht Seibold selbst, wenn er nicht mehr „Schule organisieren“ muss? Zu Hause, sagt er am Telefon mit vergnügter Stimme, sei der „Chefposten“ bereits besetzt. Die Rolle des Großvaters aber – da ist sich der 65-Jährige sicher – wird ihm gefallen und ihn ein gutes Stück ausfüllen. „Die zwei Enkel freuen sich auf ihren Opa. Mir geht es mit den Buben genauso.“

Außerdem wird der Noch-Schulamtsleiter viel unterwegs sein. Dass er nach eigener Aussage ein „begeisterter Städtereiser“ ist, wirkt wie eine Bewegungsgarantie. In Lissabon, Stockholm und Budapest war er in jüngerer Vergangenheit. Berlin und Hamburg stehen nach dem Ausscheiden aus dem Amt auf der Liste ganz oben.

Jetzt aber ist noch für einige Tage Krumbach das regelmäßige Reiseziel. Denn dort ist der Sitz des Staatlichen Schulamtes.

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