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Gundremmingen

02.08.2017

Schwarz wie der Teufel, heiß wie die Hölle

Volle Bohne heißt es in der Kaffeemanufaktur in Gundremmingen.
Bild: Till Hofmann

Was macht guten Kaffee aus? Richard Stetter hat eine Antwort. Er gibt sie in drei Hallen in Gundremmingen.

Playstation oder Kaffeemaschine? Etwa 100 von 100 Jugendlichen würden sich – vor die Wahl gestellt – für das eine der beiden Geschenke entscheiden. Für den 16-jährigen Phil Stetter war vorvergangenes Weihnachten klar, was er sich wünschte: eine Kaffeemaschine.

Offensichtlich hat die Kaffeeliebe seines Vaters Richard abgefärbt. Der genießt bereits seit 25 Jahren das Aroma des koffeinhaltigen Heißgetränks, das aus den Früchten der Kaffeepflanze gewonnen wird. 1994 hat er, als er noch in Memmingen wohnte, am Weinmarkt die erste Espresso-Bar aufgemacht. Die wird heute noch von seinem Nachfolger betrieben.

Die Kunst der Zubereitung hat Richard Stetter zuvor im „Mutterland des Espresso“ gelernt – in einer Kaffeeschule in Florenz. „Vom Allgäu aus war es an den Gardasee nicht weit. Und es hat einfach dazugehört, an der ersten Autobahnraststätte in Italien raus zu fahren und einen ,Kurzen’ zu trinken.“ Wenn er das erzählt, schmunzelt Stetter, der sich gedanklich in diesem Augenblick vermutlich auf einer Zeitreise in die Vergangenheit befindet.

In der Gegenwart und Zukunft hat auch diese Vergangenheit Platz bei Stetter, der mit Kaffee inzwischen Geld verdient. Es kommt nicht von ungefähr, dass der Geschäftsmann ein Produkt „Espresso primo“ nennt: Damit fing es bei ihm an als Kaffeeveredler; und als Konsument war es wie erwähnt der erste Espresso, der kurz nach der italienischen Grenze getrunken wurde. Stetter, im Hauptberuf Prokurist bei der Grimmer-Wurstwarenvertriebs GmbH in Offingen, (seine Ehefrau Katja ist dort Geschäftsführerin), geht jeden Morgen vor der eigentlichen Arbeit in sein Kaffeereich. Das sind drei, insgesamt 1000 Quadratmeter große Lagerhallen. Dort haben die Stetter-Familie und weitere Mitarbeiter am Wochenende Interessierten gezeigt, was sie unter Qualitätskaffee verstehen.

Sieben Sorten gibt es

Unter dem Markennamen „Kultbohne“ fasst Stetter seine sieben Sorten zusammen (drei Espressi, drei Kaffee, einen Filterkaffee), die er unter anderem aus Peru, Äthiopien, Honduras, Kamerun und Indonesien bezieht. Über den Hamburger Hafen und große Lagerhallen in der Speicherstadt kommen die bestellten Säcke voller grünlicher, ungerösteter Kaffeebohnen ins Gundremminger Industriegebiet.

Im Online-Handel können die Spezialitäten aus der Kaffeemanufaktur auch von Endkunden bestellt werden. Mit der „Kultbohnen“-Manufaktur (der Name ist die Erfindung einer Werbeagentur) vor Ort haben aber in der Regel die Vertreter von Hotels, Lebensmittel- und Elektronikmärkten und anderen Geschäften zu tun. Allein schon wegen der auffälligen Verpackungen (in der Regel schwarz, ausnahmsweise pink) heben sich die Bezieher von anderen ab, was deren Absicht ist. Der Tag der offenen Tür ist für die „Kultbohnen“-Röster auf eine so gute Resonanz gestoßen, dass sie überlegen, Menschen aus der Region Kaffeeseminare anzubieten. „Zum Glück ist Kaffee in Deutschland inzwischen weit mehr als ein Getränk, um wach zu bleiben. Es ist zum Ausdruck des Genusses geworden.“ Und auch der Filterkaffee habe sein „Alte-Leute-Image“ abgelegt, sagt Katja Stetter. Sohn Phil bestätigt das: „Der ist voll im Kommen.“

Bislang werden von Gundremmingen aus im Jahr 15 Tonnen Kaffee geröstet, portioniert, verpackt und verkauft. Die Menge solle sich noch steigern, die Qualität passe. „Der Kaffee muss schwarz sein wie der Teufel, heiß wie die Hölle, rein wie ein Engel und süß wie die Liebe“, hat einmal Charles-Maurice de Talleyrand-Périgord geschrieben. Stetter stimmt dem französischen Staatsmann, der während der Französischen Revolution wirkte, zu – bis auf den letzten Teil seines Satzes: Zucker schüttet der Chef der „Kultbohne“ bereits seit vielen Jahren nicht mehr in den Kaffee, sonst könne er ihn nicht richtig schmecken. „Ein guter Kaffee braucht keinen Zucker“, sagt er.

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