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Landkreis Günzburg

02.07.2020

Schwarze Sheriffs und Müll-Könige sammeln hunderte Kilo Unrat

Die Siegerteams der „Family-Müll-Challenge“ bei der Preisverleihung (von links): die Müllkönige, das Team Birkner/Schneider, die Schwarzen Sheriffs und die Waldsauger. Dahinter (von links) die Vertreter der Unterstützer und des Veranstalters: Markus Seitz (Günzburger Zeitung), Landrat Hans Reichhart, Anton Fink (Kreisabfallwirtschaftsbetrieb) und Jutta Reiter (Bund Naturschutz).
Bild: Peter Wieser

Plus Bei der „Family-Müll-Challenge“ werden knapp zwei Tonnen Unrat im Landkreis Günzburg gesammelt. Was während der Sammelaktion mitunter Skurriles zum Vorschein kommt.

Fantasievoll waren die Namen der Müll-Sammelteams schon. „Waldsauger“, „Müll-Könige“ oder „Schwarze Sheriffs“ lassen nicht unbedingt auf Familien schließen, die eine Woche lang die Natur von umherliegendem Unrat befreien. Grundgedanke der „Family-Müll-Challenge“ war, bei Spaziergängen, beim Gassi-Gehen oder beim Spielen in der Natur nebenbei Müll aufzusammeln. Mehr als 30 Familien und Teams haben dabei im Zeitraum vom 8. bis zum 13. Juni knapp zwei Tonnen Unrat zusammengetragen und an ausgewählten Wertstoffhöfen entsorgt. Am Dienstag hatte das Landratsamt Günzburg die vier Teams, die es gewichtsmäßig auf die größte Menge gebracht hatten, zur Preisübergabe eingeladen: jeweils ein 50 Euro-Gutschein in einer Günzburger Eisdiele sowie eine Urkunde.

Müllsammeln in Günzburg: Freizeit- und Ferienbeschäftigung

Warum macht man bei der Veranstaltung für die gute Sache – einer schöneren Natur – mit und sammelt Müll? Er mache das ohnehin schon die ganze Zeit, sagt Martin Schwarz – daher auch der Name „Schwarze Sheriffs“ – aus Offingen. „Beim Nordic Walking sehe ich ja, was alles herumliegt.“ Im Zweierteam war er rund um Offingen unterwegs gewesen, auf exakt 161,7 Kilogramm Müll haben es die Schwarzen Sheriffs gebracht.

Nicht ganz so viel, aber immerhin 93,2 Kilogramm waren es bei den Familien Birkner aus Scheppach und Schneider aus Hafenhofen, die ebenfalls an mehreren Tagen mit den Kindern unterwegs waren. „Eine Ferienbeschäftigung für die Kinder und damit sie sehen, dass man nicht alles herumliegen lässt“, nennt es Kathrin Schneider. Das meiste habe man in Scheppach und Röfingen entlang der Bahnlinie und bei Hafenhofen an den Radwegen gefunden, sogar ein Holzzaun und ein ganzer Sack Grüngut sei dabei gewesen. „Und es hat Spaß gemacht“, fügt die sechsjährige Carolin hinzu.

Schwarze Sheriffs und Müll-Könige sammeln hunderte Kilo Unrat

Sammler finden skurrilen Müll im Landkreis Günzburg

„Wir haben zuerst nach irgendwelchen Hotspots rund um Günzburg geschaut und sind dann an sechs Tagen zweimal mit dem Bollerwagen losgezogen“ erzählt Johannes König von den Müll-Königen aus Günzburg. Logisch, der Name: Fast alle von den sechs Königen tragen auch den Nachname König. Von DVD-Playern und Kinderwagen bis hin zu liegengelassenem Party-Equipment aus Picknickdecken, Pfandflaschen und Getränkedosen samt Zigarettenkippen sei ziemlich alles dabei gewesen. Einen Plastiksandkasten habe man ebenfalls entsorgt und man sei sogar in die Günz gestiegen, um Fahrräder aus dem Schlamm zu ziehen. Insgesamt 348,7 Kilogramm haben die Müll-Könige gesammelt und die Dosen und Flaschen haben zusätzlich zehn Euro an Pfand eingebracht.

Gewichtsmäßig am meisten haben die Waldsauger zusammengetragen: mehr als eine halbe Tonne Müll und damit ungefähr die Menge, die ein halber Kleinwagen wiegt. Die Familien Gierth aus Burgau und Kissendorf waren an der B10, beim Bauernkriegsdenkmal und unter den Autobahnbrücken bei Leipheim mit Auto samt Anhänger unterwegs. „Man sehe ja, was täglich alles herumliege“, erklärt Johanna Gierth. Die komplett mit Bauschutt gefüllte Badewanne habe zusätzliches Gewicht eingebracht, ungewöhnlich aber seien schon die Sammlerpuppen gewesen, die wie Voodoo-Puppen an der Autobahn dagelegen hätten.

Günzburger Landrat Hans Reichhart freut sich über Engagement

Insgesamt zwei Tonnen Müll haben alle Teilnehmer zusammen gesammelt. Sie wurden aus der Natur genommen und dorthin gebracht, wo sie hingehören. Wenn man das Ergebnis sehe, dann freue man sich über so viel Engagement, so Landrat Hans Reichhart. Ähnlich sieht es Jutta Reiter: Sie sei begeistert, wie sich die Teams bei Wind und Wetter für die Natur eingesetzt hätten. „Man muss sich wundern, überall gibt es Mülleimer, überall kann man seinen Müll abgeben. Trotzdem fahren manche diesen lieber in den Wald, riskieren entdeckt zu werden und damit eine Anzeige.“

Die jährliche Umweltwoche gab es heuer nicht. Corona habe dieser einen Strich durch die Rechnung gemacht, so Anton Fink, Leiter des Kreisabfallwirtschaftsbetriebs. Interessanterweise hätten zwei Personen fast parallel den gleichen Gedanken gehabt: Jutta Reiter vom Bund Naturschutz und Rudolf Feuchtmayr, Chef der Schlossbrauerei Autenried. Der Kreisabfallwirtschaftsbetrieb habe sozusagen die Vermittlerrolle übernommen. Mit dem Bund Naturschutz als Veranstalter und mit Unterstützung des Landkreises, der Schlossbrauerei Autenried, die an den Wertstoffhöfen für Getränke sorgte, und der Günzburger Zeitung war so die Idee der „Family-Müll-Challenge“ entstanden.


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