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Günzburg

30.05.2020

Segelflugzeug abgestürzt: Warum hat sich der Pilot so früh ausgeklinkt?

In Günzburg ist ein Segelflugzeug abgestürzt.
Bild: Mario Obeser

Plus Tragödie am Flugplatz Günzburg: Ein Mann löst bald nach dem Beginn des Schleppflugs die Zugleine, an der sein Segelflugzeug hing. Er stürzt ab und stirbt.

Wann dürfen wir Sie in die Luft bringen? So fragt der Luftsportverein Günzburg in seinem Internetauftritt und verweist auf das, was alle im Verein eint: Die Leidenschaft der Fliegerei. "Unsere Mitglieder können sowohl die vereinseigene Flugzeugflotte als auch eigene Flugzeuge bei uns am Platz nutzen. Deshalb fühlen sich Fluganfänger bei uns genauso wohl wie hauptberufliche Flugkapitäne mit mehreren tausend Flugstunden", heißt es bei der Vorstellung des Vereins. Ein erfahrenes Mitglied wird niemals mehr die Lüfte erobern können. Der Pilot aus Günzburg ist am Vormittag des Pfingstsamstags direkt neben der 580 Meter langen Grasbahn abgestürzt. Das Entsetzen, der Schock über diese Katastrophe ist groß. Und die Frage nach dem "Warum?" ist wenige Stunden nach dem Absturz noch nicht beantwortet.

Augenzeuge von frühem Ausklinken überrascht

Johann Britsch ist der Vorsitzende des Luftsportvereins - und er war am Samstag Augenzeuge des tödlichen Unglücks. Nichts deutete auf diese Tragödie hin. "Der Flugbetrieb lief normal wie immer." Segelflugschüler wollten sich von einem Schleppflugzeug auf Flughöhe bringen lassen. Die Thermik sei nicht gerade besonders gewesen. Um ein paar Kreise zu drehen und dann wieder zum Flugplatz zurückzukehren, habe es aber allemal gereicht. Der Polizei zufolge war am Samstagmittag noch nicht bekannt, ob das Ausklinken des Seglers während des Schleppenvorgangs auf menschliches Versagen oder einen technischen Fehler zurückzuführen ist. Offenbar war es keine dieser beiden Varianten.

Denn wie Britsch berichtete, habe sich der Pilot in "ungefähr 30 Metern Höhe" (die Polizei gab in ihrem Bericht 50 Meter an) selbst ausgeklinkt und das zuvor per Funk durchgegeben. Er kann sich mit seiner Maschine von der Zugleine genauso lösen wie der Pilot des Motorflugzeugs. Dieser sei "überrascht" gewesen, so Britsch, dass dies zu einem so frühen Zeitpunkt des Schleppflugs geschen sei. "Grundsätzlich ist das nicht unüblich. Es kann vielfache Gründe haben", erklärte der Vereinsvorsitzende, der sich dem Kunstflug verschrieben hat. "Warum er das gemacht hat und was gewesen sein könnte, das ist bloße Spekulation. Und an der möchte ich mich nicht beteiligen", sagte der Gastronom, der schon einige Abstürze miterlebt hat, die Menschenleben gekostet haben - "leider".

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Die Maschine ist wie ein Stein nach unten gefallen

Theoretisch wäre es auch möglich gewesen, mit dem Segelflugzeug weiter nach vorne "wegzufliegen" und zu landen. Wird allerdings eine bestimmte Geschwindigkeit unterschritten, führte der Vereinschef aus, neigt sich die Maschine zur Seite und ist dann auch nicht mehr steuerbar. Das ist so wohl am Samstag passiert. Das Segelflugzeug hat nach links gedreht in einer Art "Umkehrkurve" und ist dann wie ein Stein nach unten gefallen. Neben der Start- und Landebahn ist die restaurierte Privatmaschine des leidenschaftlichen Segelfliegers auf den Boden aufgeschlagen.

Für den Günzburger, der noch vor einigen Jahren in der Bundesluftsportgruppe in Leipheim aktiv war, ehe die Gruppe nach Günzburg gekommen ist, gab es keine Rettung mehr. Wiederbelebungsversuche blieben zwecklos. Nach Mitteilung der Polizei wurde zur Klärung des Unfallhergangs die Kripo Memmingen angefordert. Nach Informationen unserer Redaktion haben sich auch Vertreter des Luftfahrtbundesamtes aus München nach Günzburg aufgemacht.

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