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Leipheim

20.01.2020

Senioren gehen in Leipheim in die Handy-Schule

In der Seniorenhandysprechstunde im Mehrgenerationenhaus Leipheim erklären junge Menschen älteren, wie die Anwendungen der modernen Smartphones funktionieren. Hier beantwortet die 17-jährige Schülerin Leonie Wagner aus Günzburg die Fragen der 74-jährigen Renate Krüger aus Offingen.
Foto: Bernhard Weizenegger

Plus Wie funktioniert WhatsApp? Wie verschickt man Fotos? Für Jugendliche ist es selbstverständlich, für Ältere oft ein Rätsel: das Smartphone.

Sie sitzen an weißen Tischen in einem kleinen Raum zusammen, reden, lachen oder hören zu. Drei Gruppen sind es und mindestens ein Smartphone liegt vor jeder auf dem Tisch. Auf den Handys wird gewischt und getippt, sie werden mehrmals hin und her gereicht. Einige machen sich nebenbei Notizen. Wer denkt, hier sitzen nur junge Leute zusammen, um sich die neuesten Mobiltelefone anzusehen, der irrt. Denn es sind auch ältere Menschen dabei. Einmal im Monat treffen sie sich für zwei Stunden bei der Seniorenhandysprechstunde im Mehrgenerationenhaus Leipheim.

Wie funktioniert WhatsApp? Wie speichert man eine Nummer? Wie verschicke ich Bilder und wie mache ich ein Selfie? Das sind nur ein paar der Fragen, die die Senioren mit ihrem Smartphone in die Sprechstunde mitbringen. Antworten, Tipps und Tricks erhalten sie von Jugendlichen, die das ehrenamtlich für eine kleine Aufwandsentschädigung machen. An diesem Nachmittag sind drei Schülerinnen da.

Die Jugend wächst mit Smartphones auf

Anke Escher vom Mehrgenerationenhaus Leipheim koordiniert und organisiert Projekte wie die Handysprechstunde. Die 47-Jährige erklärt, wie das abläuft: „Normalerweise ist ein Jugendlicher knapp 30 Minuten für einen Senioren zuständig.“ Das variiere aber, je nach Vorwissen der Person und der Anzahl ihrer Fragen oder Probleme.

Gerade dauert es etwas. Alle drei Mädchen sind im Gespräch mit einem oder zwei Rentnern. Renate Krüger muss sich noch etwas gedulden. Die 74-Jährige aus Offingen ist nicht zum ersten Mal da. „Ich habe mein Smartphone schon ein paar Jahre und probiere viel alleine. Aber manches weiß ich einfach nicht“, erklärt sie (So erschließen sich Ältere die digitale Welt). Das heutige Problem: Wie kann ich Geburtstage in der Kalender-App speichern? Ihr Mann könne ihr nicht helfen, da er noch ein Tastenhandy besitze. „Meine beiden Enkel helfen mir oft. Aber sie sind schon berufstätig“, sagt Krüger. Da sei die Sprechstunde eine gute Alternative. Denn: „Die Jugend wächst mit der Technik auf.“

Jugendliche sind bis zu acht Stunden am Tag am Handy

Dann hat Leonie Wagner Zeit für Renate Krüger. Die 17-Jährige kommt aus Günzburg und besucht dort die zehnte Klasse des Maria-Ward-Gymnasiums. Sie zeigt schon seit über einem Jahr Senioren die große weite Smartphone-Welt, nachdem Anke Escher das Projekt in der Schule vorgestellt hat. „Ich habe schon immer meiner älteren Verwandtschaft geholfen“, erklärt Leonie ihre Motivation.

Sie selbst nutzt ihr Mobiltelefon häufig, gerade für Netflix zum Filme und Serien schauen, WhatsApp zum Nachrichten schreiben und Spotify zum Musikhören (Diese Apps empfiehlt unsere Klartexterin für den Alltag). Diese Woche waren es an einem Tag sogar einmal acht Stunden. Geschockt über diese Erkenntnis gesteht die 17-Jährige: „Das ist eindeutig zu viel.“

Senioren werden Apps auf dem Smartphone erklärt

Jetzt ist aber die Kalender-App von Renate Krüger dran. Leonie zeigt ihr, wie sie vorgehen muss: Die App öffnen, den Tag des Geburtstags anklicken, auf eine Uhrzeit klicken – ein graues Feld mit einem Plus-Zeichen ploppt auf –, auf das Plus klicken und den Geburtstag in die Betreffzeile eintragen. „Der Termin kann wie eine Erinnerung den ganzen Tag angezeigt werden“, erklärt Leonie.

Die 17-jährige Schülerin Leonie Wagner aus Günzburg hat der 74-jährigen Renate Krüger aus Offingen die Kalender-App auf dem Smartphone erklärt. Jetzt probiert die Rentnerin selber aus, einen Geburtstag einzuspeichern.
Foto: Bernhard Weizenegger

Dann probiert es Renate Krüger selbst aus. „Muss ich noch ein Datum in die Betreffzeile eintragen?“, fragt sie. Die Schülerin verneint, da der Geburtstag ja an einem bestimmten Tag gespeichert werde. „Das wäre sonst eine Dopplung.“ So machen die beiden weiter, bis alle Geburtstage auf dem Smartphone gespeichert sind.

Wie funktioniert WhatsApp?

Unterdessen erklärt ein paar Plätze weiter die 16-jährige Chantal Biesike aus Leipheim einer 73-Jährigen aus Rieden, wie WhatsApp und das Telefonieren funktionieren. Während Chantal, die in die elfte Klasse des Dossenberger-Gymnasiums in Günzburg geht, ihr erstes Smartphone Ende der sechsten Klasse bekommen hat, ist es für die 73-Jährige eine Premiere: „Ich habe es erst seit zwei Wochen. Ich bin ein totaler Einsteiger.“ Sie ist auch zum ersten Mal bei der Sprechstunde.

WhatsApp ist eine App, mit der Nachrichten und Fotos verschickt werden können, aber auch (Video)Telefonate möglich sind.
Foto: Fabian Sommer/dpa/Archiv

Ihr Bekanntenkreis habe ihr geraten, sich endlich auch ein Smartphone anzuschaffen. Als moralische Unterstützung hat sie eine Freundin, die ebenfalls aus Rieden kommt, mitgenommen. „Mein Handy habe ich schon länger. Es ist das gleiche Modell, das auch meine Kinder haben. Bei Problemen kann ich da leichter mal nachfragen“, sagt die 62-jährige Freundin. Die 73-Jährige jedenfalls hofft, dass von der Sprechstunde ein bisschen was hängen bleibt.

Wenn nicht einmal mehr die Jugendlichen den Senioren weiterhelfen können

Renate Krüger ist inzwischen fertig und zufrieden: „Leonie hat mir noch den Wecker erklärt.“ Derweil versucht die Schülerin, Rolf Schmitt die App Codecheck zu installieren, die per Barcode-Scan die Inhaltsstoffe von Nahrung und Kosmetik prüft.

Leonie Wagner versucht, die App Codecheck auf dem Smartphone des 82-jährigen Rolf Schmitt aus Burgau zu installieren.
Foto: Bernhard Weizenegger

„Ich fürchte, Ihr Handy ist zu alt für die App. Sie stürzt ständig ab“, erklärt Leonie dem 82-jährigen Burgauer. Auch auf dem Smartphone seiner Frau klappt es nicht.

„Schade“, sagt Schmitt. Aber da könne man wohl nichts machen. Auch er ist nicht zum ersten Mal bei der Sprechstunde und vermutlich auch nicht das letzte Mal. Denn, wie eine ältere Dame daneben sagt: „Kaum bin ich daheim, habe ich das nächste Problem.“

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