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Peinliche Flucht für Polizei

21.06.2009

Seriendieb entkommt aus Polizeizentrale

Aus der Polizeizentrale Neu-Ulm ist ein Serien-Autoknacker entwischt.

Nach monatelanger Arbeit hat die Polizei einen Serien-Autoknacker geschnappt. Der entkam aber dank einer Akrobatikeinlage aus der Polizeizentrale Neu-Ulm. Von Roland Ströbele

Von Roland Ströbele

Neu-Ulm/ Günzburg - Nach monatelanger Kleinarbeit hat die Polizei einen Serien-Autoknacker geschnappt, innerhalb weniger Sekunden ist er abgehauen, weil zwei Polizisten offenbar nicht richtig auf ihn aufgepasst haben.

Das Besondere an dem Fall: Der offenbar artistisch veranlagte 26-Jährige entkam in einer zirkusreifen Nummer aus einem Oberlicht der Polizeizentrale an der Reuttier Straße in Neu-Ulm. Versuche, den Getürmten wieder einzufangen, sind bislang kläglich gescheitert. Der Polizei ist die Angelegenheit mehr als peinlich, deshalb ist darüber verständlicherweise im täglichen Polizeibericht kein Sterbenswörtchen zu lesen.

Eine ganze Litanei von Straftaten

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Es war der sprichwörtlich "dicke Fisch", der den Fahndern da ins Netz gegangen ist. Seit Monaten hatte der 26-Jährige, der aus der ehemaligen Sowjetunion stammt, in den Landkreisen Neu-Ulm und Günzburg sowie im benachbarten Ulm sein Unwesen getrieben.

Er hat eine noch nicht zu beziffernde Zahl von Autos aufgebrochen und alles gestohlen, was ihm wertvoll erschien: Mobiltelefone, Navigationsgeräte, Sonnenbrillen, Autoradios und Schmuck. Nach bisherigen Erkenntnissen der Fahnder dürfte eine ganze Litanei von Straftaten zusammenkommen, wenn die Ermittlungen erst abgeschlossen sind.

Die Günzburger Polizisten waren dem Autoknacker auf die Spur gekommen. Der mit Wohnsitz in Ulm gemeldete 26-Jährige hatte eine gleichaltrige Komplizin in Neu-Ulm. Die war für den Verkauf der heißen Ware zuständig und hat die Beute größtenteils über das Internet vertickt.

Dieser Tage dann klickten die Handschellen. Das Ganovenpärchen wurde festgenommen. Den Polizisten blieb aber kaum Zeit, den Fahndungserfolg zu feiern. Bei der Festnahme war es zu einer kleinen Rangelei gekommen, in dessen Verlauf der 26-jährige Autoknacker "ohne polizeiliches Zutun" stürzte und sich am Kopf verletzte. Weil er über Kopfschmerzen klagte, wurde er zu einem Arzt zur Untersuchung gebracht und sollte wenig später dem Haftrichter beim Amtsgericht vorgeführt werden.

Dazu kam es aber nicht. Die beiden Polizisten, die den Ganoven bewachen sollten, scheuten offenkundig den Aufwand und den Formalitätenkram, der notwendig ist, wenn jemand in die Arrestzelle im Keller der Polizeizentrale gesteckt wird. Stattdessen brachten sie ihn in einen sogenannten "Verwahrraum", wo sie ihn sicher verwahrt glaubten.

Weit gefehlt: Der als äußerst sportlich und durchtrainiert beschriebene Mann entkam durch eine "artistische Meisterleistung" durch ein gekipptes Oberlicht direkt auf die Reuttier Straße. Nicht nur Fahnder mit ein paar Pfund Beamtenspeck auf den Rippen wären nie und nimmer auf diese Weise entkommen. "Durch diesen Spalt hätte kaum einer unserer durchtrainierten Polizisten gepasst", erkannte ein erfahrener Beamter neidlos an.

Große Fahndung ohne greifbaren Erfolg

Derart blamiert, hat die Polizei nun versucht, die Scharte schnellstens und möglichst geräuschlos wieder auszuwetzen. Deshalb wurde eiligst die ganz große Fahndung nach dem Flüchtigen ausgelöst. Bislang aber ohne greifbaren Erfolg.

Weitere Konsequenz: Der Verwahrraum soll nun besser gesichert werden. Und zwar möglichst so, dass auch Schlangenmenschen nicht mehr entkommen können. Und die Polizisten, die sich in diesem Fall nicht mit Ruhm bekleckert haben, wurden von höherer Stelle darauf hingewiesen, künftig besser aufzupassen.

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