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Thannhausen/Leipheim

13.02.2018

Sie helfen beim Arzt, beim Einkaufen, bei der Wohnungssuche

Der Integrationsbegleiter Mehmet Aksakal (links) in seiner Moschee in Thannhausen und sein „Schützling“, der Syrer Riad Mahmo.
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Der Integrationsbegleiter Mehmet Aksakal (links) in seiner Moschee in Thannhausen und sein „Schützling“, der Syrer Riad Mahmo.
Bild: Josef Osterried

Mehmet Aksakal aus Thannhausen und Beate Dillinger aus Leipheim sind ehrenamtliche Integrationsbegleiter. Wie sieht ihre Unterstützung konkret aus?

Der Vater, von Beruf Koch, mit einer Festanstellung ab März, seine älteste Tochter, Ausbildung zur Sozialpflegerin, die jüngeren Kinder in Grundschule und Berufsschule, der Zweijährige bei der Mama, wohnen in einem Reihenhaus. Die älteren Kinder sprechen akzentfreies Deutsch. Die Familie des kurdischen Syrers Riad Mahmo ist in ihrer neuen Heimat im Kreis Günzburg angekommen. Sie hat sich in zwei Jahren integriert, eine Vorzeigefamilie, eine Erfolgsgeschichte.

Ihr gutes Leben heute verdanken sie vielen Menschen, ganz besonders jedoch Mehmet Aksakal von der Ditib Moschee in Thannhausen. Er sah die Familie zum ersten Mal bei einem Kennenlern-Treffen der katholischen Kirche in Thannhausen und ist seitdem an ihrer Seite. Ohne Auto – Vater und 18-jährige Tochter machen gerade den Führerschein – ist man in Ursberg öfter mal auf Hilfe angewiesen. Die Einkäufe in Thannhausen wären zu Fuß oder mit dem Fahrrad schwer zu bewältigen. Umzug, Möbelsuche, Montage der Küche, Arztbesuch in Augsburg: Wo Aksakal nicht allein helfen kann, wendet er sich erfolgreich an andere Moscheemitglieder.

Aksakal ist Erster Vorsitzender der Moschee am Krautgarten in Thannhausen und Zweiter Vorsitzender des Ditib Landeselternverbandes Südbayern, er ist Familienvater mit drei Kindern und einem Enkel und bei der Firma Gartner in Gundelfingen tätig. Trotzdem hat er die Aufgabe als Flüchtlingshelfer, oder, wie es heute heißt, als „Integrationsbegleiter“ übernommen. Weshalb diese zusätzliche ehrenamtliche Tätigkeit? „Weil wir Menschen in Not helfen wollen. Armen zu helfen ist religiöse Pflicht“, sagt Aksakal. Dabei macht er – und er bezieht immer die anderen Helfer mit ein – keinen Unterschied nach Herkunft, ob Syrien, Irak, Afghanistan oder nach Religion: Muslime und Christen erhalten gleichermaßen Unterstützung. Mehmet Aksakal lobt die gute Zusammenarbeit mit Antje Mühlenbein, der Integrationslotsin des Landratsamtes Günzburg und Meinrad Gackowski, dem rührigen Leiter der Abteilung Familie, Demografie und Integration in Günzburg.

Auf ihrer Facebookseite gibt es Kritik

Doch zunächst zu Beate Dillinger aus Leipheim und Mansur Semakula, der heute in Ulm wohnt und vor sieben Jahren aus Uganda in Zentralafrika geflüchtet ist. Semakula ist, wie die syrische Familie in Ursberg, bereits als Flüchtling anerkannt. Er arbeitet heute in Vollzeit für die Firma Wanzl in Leipheim und versorgt mit seinem Einkommen sich und sein zweieinhalbjähriges Kind. Seine Integrationsbegleiterin Beate Dillinger bedauert sehr, dass ihr „Schützling“ seine Lehre abbrach, um in einem Helferjob kurzfristig mehr Geld zu verdienen.

Dillinger spricht offen über die Belastungen ihrer ehrenamtlichen Helfertätigkeit, etwa über die Kritik von entfernteren Bekannten auf ihrer Facebookseite. „Was kümmerst du dich um Muslime? Schau, was die Böses tun!“ Doch Beate Dillinger hat bisher „nur anständige Muslime“ kennengelernt. So lässt sie die Kritik nicht allzu nah an sich herankommen. Sie löscht die Kritik, diese Kontakte schlafen ein. In ihrem engeren Kreis – Familie, Freunde, Kirchenmitglieder – erfährt sie dagegen Respekt und Unterstützung.

In der Kirchengemeinde sind Fremde willkommen

Dillinger hat viel Freude an ihrer neuen Aufgabe. Ihre Kinder sind groß, und nun hat sie Zeit, sich in der Flüchtlingshilfe zu engagieren. Sie ist in einer christlichen Kirchengemeinde aktiv, in der Fremde willkommen sind. Ihr Vorbild ist der barmherzige Samariter, wie er in der Bibel beschrieben wird. Ihren Zeitaufwand beziffert sie auf etwa zehn Stunden die Woche. Mit anderen betreut sie auch eine Familie aus Nigeria (Westafrika). „Arbeit ist essenziell, ist sinnstiftend, gibt dem Tag eine Struktur, verhindert ein Abgleiten in die Kriminalität“, sagt Dillinger. Sie schrieb schon viele Bewerbungen für Flüchtlinge. Wichtig sei auch die Sprache; deshalb hilft sie beim Deutsch lernen. Und wichtig sei eine Wohnung außerhalb der Sammelunterkünfte. „Wenn ich mich um eine Wohnung für einen Flüchtling bemühe, werde ich schnell abgewiesen. Wenn ich aber das Gespräch gleich an den Flüchtling weiter reiche, sind die Chancen viel höher.“ Die Warmherzigkeit mancher Flüchtender lässt schnell das Eis brechen.

Ehrenamtliche wie Mehmet Aksakal und Beate Dillinger, werden seit einem Jahr in zweitägigen Qualifizierungskursen ausgebildet. Bisher wurden im Kreis 16 Begleiter geschult. Sie betreuen ihre „Schützlinge“ und stehen in Kontakt mit Integrationslotsin Mühlenbein. Die Kursinhalte erstrecken sich auf die Bereiche Sprache, Schule, Arbeit, Beruf, Wohnung („Wie verhalte ich mich als Mieter?“), Kita, Kultur, Freizeit, Arztbesuche, Ämtergänge. Nach der Übergabe der Zertifikate unterstützen die Begleiter Familien wie Einzelpersonen. Sie können über die Integrationslotsenstelle im Landratsamt angefordert werden. 2018 werden zwei Qualifizierungskurse stattfinden: In Günzburg am 20. und 21. April und am 4. und 5. Mai. In Thannhausen im Oktober und November.

Kontakt Informationen und Anmeldungen bei der Integrationslotsenstelle des Landratsamtes, Antje Mühlenbein, unter Telefon 08221/95183, oder per Mail integration@landkreis-guenzburg.de

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