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Krumbach

11.02.2015

Sie helfen mit starken Nerven und leiser Stimme

Disponent Stephan Riethmüller (links) und Schichtleiter Wolfgang Mayer haben an ihren höhenverstellbaren Einsatzleitplätzen alles im Blick.
Bild: Gertrud Adlassnig

Wenn in der Integrierten Leitstelle Notrufe eingehen, sind Geduld, Verständnis und kühler Kopf gefragt. Das perfekte Zusammenspiel von Mensch und Technik kann lebensrettend sein.

Hier also kommt er an, mein Notruf, wenn ich Hilfe brauche, egal an welchem Tag, zu welcher Stunde. Und es kommen auch die Rettungsrufe aller anderen an, die zwischen Neu-Ulm im Westen und Ziemetshausen im Osten, zwischen Legau im Süden und Gundremmingen im Norden die 112 gewählt haben: in der integrierten Leitstelle Donau-Iller (ILS). Hier landen die Menschen telefonisch in akuten Notlagen, nach Unfällen oder plötzlichen Erkrankungen, bei Gefahren wie Feuer, Hochwasser, Sturm, immer, wenn nicht die Polizei handeln muss.

An den Arbeitsplätzen in der Einsatzzentrale sitzen Frauen und Männer mit starken Nerven. Egal ob draußen Blitzeis oder Schneesturm zu Verkehrschaos führen, ob die Autobahn komplett dicht ist oder ein Sturm über die Region fegt, hier herrscht professionelle Ruhe. Man hört nur ganz leise die Telefone klingeln und die Mitarbeiter mit gedämpfter Stimme sprechen. Sie tragen Headsets, können sich ganz auf ihre Arbeit konzentrieren. Die ist alles andere als leicht, selbst an einem ruhigen Routinetag. Ein Anrufer meldet einen Treppensturz. Er hat Panik, spricht nur schlecht deutsch, eine zweite Person redet dazwischen. Das Ergebnis ist Informationschaos, durch das sich der Mitarbeiter erst durchfragen muss: deeskalieren, die Leute beruhigen.

Dann die wichtigen Fragen stellen: Wer ist am Apparat? Wo befindet sich die hilfebedürftige Person? Was ist genau passiert? Rückrufnummer? Geduld und Verständnis sind gefragt. Dabei heißt es kühlen Kopf bewahren, denn für die Planung des Hilfseinsatzes müssen alle Informationen vorliegen. Erst dann kann der Fachmann entscheiden, welche Art Hilfe in diesem Fall notwendig ist. Schließlich kann der gelernte Rettungsassistent die Daten sichern und an den Disponenten weitergeben. Über die vernetzten Rechner scheint an dessen Arbeitsplatz auf, was angefordert werden muss: ein Notarzt und ein Rettungsfahrzeug nach Kammlach.

Stephan Riethmüller hat alle 21 Rettungsfahrzeuge und deren momentanen Status im Kopf. Sicherheitshalber kann er Standort und Einsatzmöglichkeit an einem seiner fünf Bildschirme aufrufen. Er wählt das nächstgelegene freie Fahrzeug und gibt den Auftrag online durch. „Die Rettungsassistenten bestätigen den Auftrag grundsätzlich über Funk. Nur dann kann ich sicher sein, dass die Meldung auch richtig angekommen ist. Der Gestürzte wird in etwa zehn Minuten Hilfe haben.“

Ein Funkruf geht ein: Die Retter wissen nicht wohin. Die angegebene Adresse existiert nicht. Riethmüller zoomt sich den entsprechenden Stadtplan heran und entdeckt, dass es sich um ein Eckhaus an zwei Straßen handelt. Er gibt die Alternativadresse weiter. Dann macht er sich wieder an die Routinearbeit: Krankentransporte organisieren. Es sind zahllose angemeldete Krankenfahrten, die über die Leitstelle organisiert werden. Denn alle Bewegungen der Einsatzfahrzeuge, vom Rettungs- bis zum Krankentransportwagen, werden hier zentral organisiert. Hier melden auch alle Krankenhäuser und Ärzte in der Donau-Iller-Region Patientenfahrten an.

Das ist viel Verwaltungsarbeit, aber auch ein ständiges Jonglieren. Denn der Disponent muss die Fahrten optimieren: möglichst wenige Leerfahrten, möglichst kurze Fahrtstrecken, möglichst geringe Standzeiten. Gleichzeitig muss er dafür sorgen, dass im Notfall Fahrzeuge und Helfer in kürzester Zeit zur Verfügung stehen. Eine Vollzugsmeldung geht ein. Riethmüller setzt den Status „erledigt“. Der Akt kann zur Verwaltung in den separaten Rechner geschickt werden.

Riethmüller arbeitet heute in einer Neun-Stunden-Schicht. Seit 14 Uhr sind fünf der sieben Einsatzleitplätze besetzt, einer davon ist immer für die Alarmierung und Abarbeitung der Feuerwehreinsätze vorgesehen. Hier entscheidet nicht der Disponent, welche Fahrzeuge, welche Wehr, wie viele Retter mit welchem Gerät ausrücken. Das wurde in einer Einsatz- und Alarmplanung durch die Kreisverwaltungsbehörden selbst festgelegt. Sobald bestimmte Schlagworte in das System eingegeben werden, generiert dieses die passende Zusammenstellung von Wehren und Ausrüstung. Entsprechend wird von der ILS alarmiert. Allerdings bleibt die Leitstelle, deren Mitarbeiter auch ausgebildete Feuerwehrleute sind, mit dem Feuerwehreinsatzleiter vor Ort über Funk in Kontakt und kann jederzeit reagieren.

An diesem frühen Nachmittag herrscht relative Ruhe. „Morgens ist in der Regel am meisten los. Berufsverkehr.“ Entsprechend werden die Einsatzplätze besetzt. Reiner Wolf, der Leiter der ILS, muss im Vorfeld abwägen, was auf sie zukommen könnte. „Dazu informieren wir uns unter anderem auch beim Deutschen Wetterdienst und stehen mit den Kreisverwaltungsbehörden stets in engstem Kontakt. Das Wetter ist ein nicht zu unterschätzender Faktor.“ Es beeinflusst den Verkehr, aber auch die Gesundheit. Es kann Katastrophen auslösen wie Hochwasser oder Stürme. „Besonders bei Unwettern kommen auch viele Hilferufe an, bei denen unmittelbar keine Personen gefährdet sind. Natürlich organisieren wir auch für diese Menschen schnellstmöglich Hilfe, aber die steht in diesen Fällen zunächst an zweiter Stelle. Menschen retten hat absolute Priorität.“ Deshalb stehen in der Leitstelle neben den sieben voll ausgestatteten Arbeitsplätzen sechs weitere Ausnahmeabfrageplätze zur Verfügung, an denen Notrufe angenommen und an die Disponenten weitergeleitet werden können. Und weil man nie weiß, was passiert, ist immer ein Mitarbeiter in Bereitschaft vor Ort in der ILS und ein weiterer in Rufbereitschaft.

Ziel ist es, die Rettung und Hilfe immer weiter zu verbessern. Deshalb wurde im vergangenen Jahr bayernweit die Telefon-Reanimation eingeführt. Schichtleiter Wolfgang Mayer zeigt, wie das bei einer Ohnmacht, einem Herzstillstand funktionieren soll. Der Mitarbeiter in der ILS leitet den Anrufer an, eine Herzmassage vorzunehmen. Der Maßnahmenkatalog wird softwaretechnisch gesteuert. Schritt für Schritt erklärt die Anleitung, was zu tun ist. Selbst der Rhythmus der Massage wird durch ein blinkendes Herz angezeigt. Währenddessen rücken Notarzt und Rettungswagen aus. „Wir haben schon sehr gute Erfahrungen damit gemacht. Wichtig ist es, den Ersthelfern vor Ort beizustehen, damit die wichtigen ersten Minuten genutzt werden können.“

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