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Das Wort zu Corona

08.05.2020

Silvers Nase wird es langsam langweilig

Silver ist eine aufmerksame Rettungshündin. Sie vermisst das Training und die Gerüche.
Bild: Michaela Saiko

Auch Tiere im Landkreis Günzburg spüren die Folgen der Pandemie. Was die Hündin macht und was ihr abgeht.

Bekannte und weniger bekannte Menschen aus dem Landkreis Günzburg geben an dieser Stelle in jeder Mittwochs- und Samstagsausgabe ihr ganz persönliches Statement in Corona-Zeiten ab. Aber diesmal stimmt der Vorspann nicht. Denn diesmal lassen wir eine Hündin sprechen, wenngleich auch keine gewöhnliche.

Mein Name ist Silver, ich bin eine elfjährige Australian Shepherd- Hündin und in meinem normalen Leben geprüfter Rettungshund. Ich trainiere mit zwölf anderen vierbeinigen Kollegen zweimal die Woche – normalerweise. Doch jetzt ist für mich und meine Kumpels alles anders. Wir dürfen nicht trainieren, sagt Frauchen. Damit wir einsatzklar bleiben, beruhigt sie mich.

Trainingsverbot

Vor dem Trainingsverbot war es so: Wenn Frauchen sich an einem Trainingsmorgen die roten Sachen anzieht, weiß ich, was wir machen. Da freue ich mich und gehe nicht mehr von seiner Seite. Nicht, dass es ohne mich ins Auto steigt! Wir fahren in einen Wald. Meistens muss ich kurz warten. Dann holt Frauchen mich aus dem Auto, zieht mir meine Kenndecke an – so nennt es das Ding – und schickt mich mit dem Kommando „Such und hilf!“ in den Wald. Sofort renne ich los, ziehe meine Kreise. Und meine Nase sucht den Geruch „Mensch“.

Frauchen läuft währenddessen langsam am Weg oder mit mir durch den Wald. Damit es mich hört, habe ich eine Glocke an meiner Kenndecke. Wenn wir nachts trainieren, macht es noch das Lämpchen an meiner Decke an.

Gerade wollte ich zu Frauchen zurück, doch da – meine Nase hat einen Geruch aufgenommen. Schnell drehe ich ab und folge dem noch leichten Geruch. Er wird immer intensiver. Hmmm, noch ein bisschen mehr nach links, jetzt geradeaus und ... „jetzt hab ich dich!“. Also rein ins Gebüsch und siehe da, die versteckte Person.

Ich belle. Ich belle so lange, bis Frauchen da ist. An seiner Stimme höre ich, dass ich alles richtig gemacht habe, und endlich – die Person, die da auf dem Boden liegt, bewegt sich, zieht mein Lieblingsspielzeug heraus und streckt es mir entgegen. Wir zerren gemeinsam ganz fest und wild, das macht mir sehr viel Spaß. Meistens schaffe ich es, die Ente für mich zu gewinnen. Dann freue ich mich noch mehr und springe um mein Frauchen, das dann auch noch mit mir spielt. Jaja, so eine Person im Wald zu finden, ist einfach großartig!

Meine Nase findet die Person, wo sie auch ist

Mindestens eine weitere Person darf ich jetzt noch suchen. Mir ist es egal, ob der versteckte Mensch auf dem Boden, auf einem Jägerstand oder einem Baum sitzt oder in einem dichten Gestrüpp liegt, meine Nase findet ihn, egal wo er ist.

Das alles findet zurzeit wegen „ Corona“, wie es die Menschen nennen, leider nicht statt. Frauchen zieht NIE diese eine Hose an. Ich vermisse sowohl meine zweibeinigen Freunde als auch meine vierbeinigen Kumpels. Oft denke ich daran, hoffe weiter, dass wir da mal wieder hinfahren und ich endlich meine Nase wieder anstrengen darf.

Letztens sind wir im Wald aus dem Auto gestiegen. Allein der Geruch macht mich schon glücklich, aber Frauchen hatte weder meine Kenndecke dabei noch hatte es eine Trainingshose an. Und wir gingen wie jeden Tag nur Gassi. Die Strecken sind länger und ausdauernder, manchmal ist mein bester Kumpel Lenny auch dabei, aber das Anstrengen meiner Nase fehlt mir!

Frauchen sagt, „bald, gehen wir wieder mit den anderen in den Wald, das verspreche ich dir!“.

Im Ernstfall geht alles ganz schnell

Wofür wir trainieren? Für den Einsatz – jemand ist in Not, verschwunden und soll von uns geprüften Rettungshunden gesucht werden. Das spielt sich oft nachts ab, wenn ich schlafe. Plötzlich ein lauter Ton. Dann geht alles ganz schnell. Frauchen steht auf, zieht seine „Einsatzklamotten“ und mir mein Halsband an und richtet ganz viele Sachen. Sein Telefon klingelt immer wieder. Es spricht mit den anderen aus der Staffel, wann, wo, wohin. Dann einsteigen. Frauchen fährt an einen Ort, an dem wir in ein großes Auto steigen. Es hebt mich rein. Insgesamt haben sechs Hunde hier Platz. Unter mir und neben mir liegen schon andere Hunde „Hallo!“, die kenne ich aus unseren Trainings und die Menschen, die mit einsteigen, auch.

Dann Türen zu. Es erklingt ein lauter Ton „wiuwiuwiwui“ und immer wieder blinkt ein helles, blaues Licht auf. Wir fahren schneller als sonst. Dann bleibt das Auto stehen, Frauchen steigt aus und braucht eine Weile, bis es mich holt. Jetzt geht das Spiel wie im Training los. „Such und hilf!“ Nur diesmal ist es dunkel, die Menschen im Wald kenne ich nicht und alles scheint irgendwie aufregender und ernster zu sein.

Frauchen spricht dabei immer von einem „Einsatz“. So geht es nicht nur der Johanniter-Rettungshundestaffel Kötz, sondern auch allen anderen Rettungshundestaffeln der Johanniter in Deutschland und den Kollegen des BRK, ASB, der Malteser.

Ich freue mich auf die Zeit nach Corona, wenn wir wieder üben dürfen, mit unseren Frauchen und Herrchen und den lieb gewonnen vierbeinigen Kumpels.

Eure Silver, Rettungshund.

*Michaela Saiko hat Silver beim Formulieren geholfen.

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