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Leipheim

08.10.2018

Sind wir eigentlich noch zu retten?

Politiker und Biologe Anton Hofreiter, Schauspieler Hannes Jaenicke und Naturschützer Helmut Huber diskutierten in Leipheim mit Maximilian Deisenhofer und Bernhard Lohr (von links) zum Thema „Quo vadis, Leben?“.
Bild: Rebekka Jakob

Hannes Jaenicke, Anton Hofreiter und Naturschützer Helmut Huber sprechen über das, was im Umgang des Menschen mit der Erde schief läuft.

Die spannendste Frage an diesem Abend im Leipheimer Waldvogel kam ganz zum Schluss aus dem Publikum. Angesichts all der Zerstörung auf dem Planeten, dem Aussterben von Tieren, den Schwierigkeiten, sich gegen die drohende Katastrophe des Planeten Erde zu stemmen, was hält da Menschen aufrecht, die sich für den Schutz von Tieren und Natur einsetzen? Was bringt sie dazu, weiter zu machen? Die Antworten, die Politiker und Biologe Anton Hofreiter, Schauspieler und Filmemacher Hannes Jaenicke und Naturschützer Helmut Huber darauf zum Finale der Podiumsdiskussion „Quo vadis, Leben?“ gaben, fielen unterschiedlich aus. Einig waren sich aber alle drei: Sie werden dennoch weiter machen mit ihrer Arbeit.

Bernhard Lohr, der Vorsitzende des Günzburger Vereins Faszination Regenwald, setzte dieses Mal auf eine Diskussionsrunde anstelle einer Regenwald-Nacht mit Musik und Film, wie sie in den vergangenen Jahren unter anderem mit Schauspieler Michael Mendl, der Günzburger Starsopranistin Diana Damrau oder der Popmusikerin Cassandra Steen stattgefunden haben. Die drei, die diesmal auf der Bühne saßen und sich den Fragen von Lohr und Maximilian Deisenhofer stellten, konnten eindringlich von der Zerstörung berichten, die sich auf der Welt breitmacht. Grünen-Fraktionsvorsitzender Anton Hofreiter hat wie Lohr seine Doktorarbeit über den tropischen Regenwald verfasst und war dazu in Peru vor Ort. Jaenicke befasst sich in seinen Dokumentationsfilmen seit Jahren mit aussterbenden und bedrohten Tierarten, am morgigen Dienstag läuft seine neueste Doku „Im Einsatz für Geparden“ um 22.15 Uhr im ZDF. Und Helmut Huber kämpft als Vorsitzender der Organisation „Fans for Nature“ seit Jahren auf Borneo für das Überleben des Regenwalds als Lebensraum der Orang-Utans – gegen große Hindernisse.

Was die drei aus ihrer Arbeit erzählen, ist ernüchternd. Hannes Jaenicke berichtet von Wildtieren, die – mangels jeglicher gesetzlicher Regelung in Deutschland – in nicht artgerechter Weise gehalten werden: Beispielsweise der Gepard, der in einem baden-württembergischen Privatgarten lebt. „Wir drehen jetzt seit sechs Monaten über das Aussterben der heimischen Sing- und Zugvögel. 60 Prozent der Vögel und 80 Prozent der Insekten haben wir hier in Deutschland schon verloren.“ Anton Hofreiter ärgert sich über den gezielten Betrug am Konsumenten, hinter dem Furchtbares stecke. „Wieso erlauben wir es, dass Produkte importiert werden, in denen de facto tote Kleinbauern stecken?“ Helmut Huber erzählt, wie er und seine Mitstreiter auf Borneo mit ansehen müssen, wie in unvorstellbarem Ausmaß Regenwald zerstört wird, um dort Palmöl anzubauen. Und wie das geschlagene Tropenholz mittels trickreicher Verschiffung Gütesiegel erhält, die den europäischen Kunden falsche Nachhaltigkeit vorgaukeln.

Sind wir eigentlich noch zu retten?

Sind wir also eigentlich noch zu retten? Die Diskutanten sagen: Ja. Denn es gebe durchaus Möglichkeiten, es besser zu machen. Durch mehr Aufklärung, schon in der Schule, sagt Hofreiter. Durch „Besteuerung von Leuten, die rumsauen, und Belohnung für die, die nicht rumsauen“ (Jaenicke). Durch faire, nachvollziehbare Siegel und Transparenz bei der Herstellung, findet Huber.

Und wie motivieren sich die Podiumsredner dafür, genau das weiter zu tun, was sie machen? „Aufgeben gilt nicht“, sagt Jaenicke. Woran er sich hochzieht, sind Hoffnungs-Beispiele: „Als ich Kind war, durften wir keinesfalls in den Rhein, das war eine gefährliche Giftkloake. Heute ist der Fluss zwar immer noch nicht sauber, aber Baden kann man wieder.“ Helmut Huber setzt seine Hoffnung auf die jungen Leute, wie auf Borneo. „Die 16-, 17-, 18-Jährigen sind ein Lichtblick. Sie verstehen, was passiert.“ Und Politiker Anton Hofreiter glaubt daran, dass das Wissen der Menschheit noch nie so groß war wie heute. Dieses Wissen müsse nur richtig eingesetzt werden. „Wir haben doch alle Chancen, das hinzukriegen.“

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