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Kötz

10.03.2020

So kämpfen die beiden Kandidatinnen um den Einzug ins Rathaus

Sie wollen beide in die Chronik der Gemeinde eingehen: Sabine Ertle Freie Wähler (links) und Michaela Hus CSU kandidierten an der Kommunalwahl am 15. März 2020 für das Amt der Bürgermeisterin. Eine von beiden folgt auf Ernst Walter parteilos, der die Gemeinde zwei Wahlperioden lang führte.
Bild: Bernhard Weizenegger

Plus Der Sonntag bringt in Kötz eine historische Wende. Michaela Hus und Sabine Ertle sehen sich nicht als Rivalinnen. Was in der Gemeinde gefehlt hat.

Eines lässt sich auch vor der Wahl schon sagen: Das Ergebnis wird historische Bedeutung für die Gemeinde Kötz haben. Denn bereits jetzt steht fest, dass erstmals eine Frau Chefin im Rathaus werden wird. Bürgermeister Ernst Walter dankt nach zwei Amtsperioden ab, für seine Nachfolge haben sich zwei Frauen beworben: Sabine Ertle (Freie Wähler) und Michaela Hus (CSU).

Beim Gespräch mit der Günzburger Zeitung sitzen die beiden Kandidatinnen erstmals miteinander am Tisch. Zuvor habe es nur zufälligekurze Begegnungen beispielsweise beim Bäcker gegeben, sagt die 44-jährige Michaela Hus. Sie sehe in ihrer Mitbewerberin keine Rivalin. „Der Bürger darf und muss sich entscheiden“, sagt dazu die 50-jährige Sabine Ertle. „Schön, dass die Bürger die Wahl haben.“

Männerhierarchie ist längst aufgebrochen

Macht es einen Unterschied, ob auf dem Bürgermeistersessel wie in Kötz all die Jahre zuvor ein Mann oder eine Frau sitzt? Wie kommen zwei Frauen als Bürgermeisterkandidatinnen in den drei Ortsteilen der etwa 3200 Einwohner zählenden Gemeinde an? Das habe sie sich vorab durchaus gefragt, sagt Ertle, die im Kötzer Rathaus Geschäftsstellenleiterin ist. Sie spricht von einer „Männerhierarchie“, die aber längst aufgebrochen sei. Zeitweise sei zwar der amtierende Bürgermeister der einzige Mann in der Kötzer Verwaltung gewesen, das habe sich aber geändert. Auch bei anderen Stellen, mit denen die Verwaltung zusammenarbeitet, seien Frauen in qualifizierten Positionen inzwischen gut vertreten – zum Beispiel bei den Ingenieurbüros. Ertle spricht deshalb von einem „Umbruch“.

Michaela Hus, Verwaltungsfachwirtin am Günzburger Landratsamt, sieht sich als Teamleiterin „Beistandschaft und Unterhaltsvorschuss“ in ihren Fachbereich „eher weiblich unterwegs“, was nach ihren Worten an der sozialpädagogischen Prägung des Fachbereichs liegen könnte. Den weiblichen Blick auf die Dinge, „die emotionale Komponente“ findet sie manchmal ganz gut. Vor allem dann, wenn sich „das Soziale und das Monetäre“ vermischen.

Im Kötzer Gemeinderat sind Frauen unterrepräsentiert

Im Kötzer Gemeinderat jedenfalls sind die Frauen mit derzeit nur einer Gemeinderätin deutlich unterrepräsentiert. So sagt Ertle denn auch, dass dem Gremium „manchmal ein bisschen die soziale Komponente fehlt“, denn Gemeinderätin Yvonne Hartmann, die übrigens 2014 für die CSU in den Gemeinderat gewählt worden ist und jetzt auf der Liste der Freien Wählergemeinschaft antritt, sei so etwas wie eine Einzelkämpferin. Ertle würde ihr mehr Unterstützung wünschen, gerade dann, wenn Hartmann Themen aus den Bereichen Familie und Soziales vertritt.

Warum werden gerade solche Themen bei den Frauen angesiedelt? Kötz sei eben schon noch sehr ländlich geprägt, sagt Hus. „Althergebrachte Strukturen sind noch verankert.“ Dass sie als Ehefrau und Mutter von zwei Kindern als Bürgermeisterkandidatin in den Wahlkampf geht, sei offiziell kein Thema bei den vielen Gesprächen und Begegnungen der vergangenen Wochen gewesen, sagt die 44-Jährige. „Indirekt“ habe man im Dorf aber doch darüber gesprochen.

Erfolg des Bürgermeisters wird noch von seinem Geschlecht bestimmt

Ob ein Mann oder eine Frau an der Spitze der Gemeindeverwaltung steht, sei nicht entscheidend, sagen die Kötzer Kandidatinnen unisono. Denn der Erfolg eines Bürgermeisters werde nicht von seinem Geschlecht bestimmt. Jeder Chef müsse seinen eigenen Stil finden, sagt Sabine Ertle. Sie mache das nicht von männlichen oder weiblichen Eigenschaften abhängig. Sie selber messe auch als Führungskraft dem Team große Bedeutung bei und versuche, Probleme frühzeitig zu erkennen und gegenzusteuern. Auch Michaela Hus setzt auf Teamarbeit, bei der Probleme und Schwierigkeiten regelmäßig besprochen und miteinander gelöst werden.

„Die Veränderung wird im Typ liegen“, meint Ertle, und ein wesentlicher Punkt dabei sei der direkte Kontakt mit den Bürgern. Die Menschen wollen „einen greifbaren Bürgermeister“, dieses Fazit zieht Hus aus den vielen Gesprächen, die sie als Kandidatin geführt hat. Bei Vereinsfesten und anderen öffentlichen Anlässen, auch in der Kirche, würden die Kötzer den Bürgermeister – oder demnächst die Bürgermeisterin – gerne öfter sehen, sagt Hus. „Sie fühlen sich ein bisschen vernachlässigt.“ In das selbe Horn stößt ihre Mitbewerberin der Freien Wählergemeinschaft. „Die Präsenz hat gefehlt“, sagt Ertle.

Das Rathaus von Großkötz.
Bild: Bernhard Weizenegger

Einhellig betonen die Kandidatinnen für das Bürgermeisteramt in Kötz, dass der Wahlkampf sehr fair und spannend gewesen sei. Sie habe viele Menschen kennengelernt, dabei aber auch gelernt, sich manchmal abzugrenzen, berichtet Ertle, die in allen drei Ortsteilen von Haus zu Haus gegangen ist, geklingelt und den Kötzern Werbematerial samt einer Saalkugel mit Blumensamen überreicht hat. Auch Hus hat in Ebersbach, Kleinkötz und Großkötz an jeder Haustür geklingelt, ebenfalls Wahlprospekte sowie Notizblock und Kugelschreiber überreicht. „Die Gespräche waren rundweg gut“, sagt sie. Sie habe dabei viele Anregungen bekommen und gemerkt, dass die Bürger auch Erklärungen für kommunale entscheidungen einfordern.

Nach dem Gottesdienst in Kötz geht es in das Wahllokal

Am Wahlsonntag will Michaela Hus vielleicht den Gottesdienst besuchen, dann wählen und wenn das Wetter passt, mit ihren Kindern und dem Hund an der frischen Luft sein. Prognosen zum Ausgang der Bürgermeisterwahl in Kötz macht keine der beiden Kandidatinnen. Zwar sei die Bürgermeisterwahl eine Persönlichkeitswahl, sagt die CSU-Bewerberin, sie schränkt aber ein: „Die Partei selber macht gerade sehr viele Negativ-Schlagzeilen.“

Sabine Ertle wird als Geschäftsstellenleiterin der Verwaltungsgemeinschaft Kötz allen Wahllokalen einen Besuch abstatten, um zu schauen, ob alles ordnungsgemäß seinen Gang nimmt. „Und dann warten wir auf 18 Uhr“, sagt sie. Aber ob die Aspirantinnen auf den Chefposten im Kötzer Rathaus am 15. März nun einen entspannten oder arbeitsreichen Tag verbringen: Am Sonntag, wenn um 18 Uhr die Wahllokale schließen und die Stimmenauszählung beginnt, dann wird es so richtig spannend für die beiden Bürgermeisterkandidatinnen in Kötz.

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