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Landkreis Günzburg

17.07.2020

So sind die Ernte-Aussichten im Landkreis Günzburg

Das Ehepaar Regina Schmid und Christian Mayer aus Riedheim baut seit drei Jahren Soja an. In erster Linie nutzen sie ihre rund 85 Hektar große Fläche jedoch für Beweidung und Getreideanbau. „Die Corona-Krise hat viele Menschen wachgerüttelt.“
Bild: Lara Schmidler

Plus Das unbeständige Wetter der ersten Jahreshälfte hat seine Spuren hinterlassen. Doch auch die Auswirkungen der Pandemie sind nicht nur im Kreis Günzburg spürbar.

Ein milder Winter, gefolgt von einem trockenen Januar, einem umso feuchteren Februar, einem außergewöhnlich trockenen April und Mai und einem ungemein niederschlagsreichen Juni: Das Jahr 2020 hat wettertechnisch bislang alles gegeben, was es zu bieten hat.

Wie sich die ständigen Wetterumschwünge auf die Ernteerwartungen im Landkreis Günzburg und Neu-Ulm ausgewirkt hat, teilten am Freitag beim jährlichen Erntepressegespräch Vertreter des Bauernverbandes und des Amts für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) mit. Das Gespräch fand im Betrieb von Regina Schmid und Christian Mayer statt. Das Ehepaar betreibt in Riedheim einen Hof mit Schwerpunkt auf Marktfruchtbau, also Erzeugnisse, die als Lebensmittel verkauft werden, besitzt jedoch auch eine Bullenmast mit 16 Wasserbüffeln und elf Dexter-Rindern.

Besondere Breite der Kultur auf über 85 Hektar Nutzfläche in Riedheim

Den Betrieb habe man unter anderem ausgewählt, da auf den mehr als 85 Hektar Nutzfläche eine besondere Breite der Kultur herrsche, betonte Reinhard Bader, Landwirtschaftsdirektor am AELF. So nutzen die Schmids etwa 32 Hektar der Fläche für exzessive Beweidung, 33 Hektar für die Getreidesorten Sommergerste, Weizen, Dinkel, Hafer und Emmer, sieben Hektar für Raps, zwei Hektar für Sojabohnen und zwölf Hektar für Silomais (gerundete Werte).

Dank der Beweidung werden die Rinder nur im Winter zugefüttert, die Erträge des Ackerbaus gehen zu 100 Prozent in die Vermarktung. Als Haupterwerbstätige gehören die Schmids zu den mittlerweile nur noch 35 Prozent der Landwirte im Landkreis Günzburg, die noch nicht in den Nebenerwerb übergegangen sind. Gegenüber dem Vorjahr ist die Anzahl der Betriebe an sich jedoch konstant geblieben. So bewirtschaften 1879 Betriebe insgesamt rund 62700 Hektar Landwirtschaftsfläche. Trotzdem lasse sich ein eindeutiger Trend weg vom Haupterwerb feststellen, sagte Bader.

Spätfrost hinterlässt Spuren im Kreis Günzburg

Das durchwachsene Wetter in der ersten Jahreshälfte habe im Gesamtbild keine Schäden hinterlassen. Lediglich einige wenige Nachtfröste Anfang und Mitte Mai hätten dafür gesorgt, dass wärmeliebende Kulturen wie der Mais sich zögerlicher entwickelten als sonst. Teilweise seien auch Frostschäden entstanden, führte Bader weiter aus. Grundsätzlich seien wegen der sehr trockenen Monate April und Mai „nur“ durchschnittliche Erträge zu erwarten. Insbesondere Hülsenfrüchte hätten teilweise kaum Schoten angesetzt, sodass sie gar nicht abgeerntet worden seien.

Die bewirtschaftete Fläche an Wiesen ist im Vergleich zum Vorjahr konstant geblieben. Dies sei der seit 2015 geltenden Verpflichtung zum Dauergrünlanderhalt geschuldet. Doch es gibt auch Veränderungen: Die steigende Nachfrage nach dem neuen sogenannten „Superfood“ Dinkel bewirkt einen Anstieg der Anbauflächen für Winterdinkel um mehr als 400 Hektar, woran man auch erkenne, dass die Landwirte durchaus auf die Nachfrage der Abnehmer reagierten, betonte Andrea Finkel vom AELF.

Corona-Pandemie wirkt sich auf die deutsche Landwirtschaft aus

Um fast genauso viel ist dafür die Fläche für den Winterweizen geschrumpft. Beim Sommergetreide legte der Hafer um 161 Hektar zu. „Der Hafer wird sich noch stark entwickeln“, war sich Christian Mayer sicher. Auch der Kartoffelanbau wurde – trotz Corona – um 50 Hektar gesteigert, der Anbau von Hülsenfrüchten legte sogar um knapp 100 Hektar zu. Der Zuckerrübenanbau blieb mit 880 Hektar nahezu konstant, der Rapsanbau dagegen verlor weitere 53 Hektar.

Obwohl das Coronavirus auf den ersten Blick wenig Schaden angerichtet hat, sind die Auswirkungen in der Landwirtschaft doch deutlich spürbar. Stephan Bissinger, Kreisobmann des Bayerischen Bauernverbands, erklärte, dass die Schließung der Gastronomien sich massiv auf die Kartoffelabnahme ausgewirkt habe. „80 bis 90 Prozent der verzehrten Pommes werden außer Haus gegessen.“ Daher seien zigtausende von Kartoffeln in ganz Deutschland zu Stärke verarbeitet worden, was den Landwirten nur den Preis für Futtermittel eingebracht habe. Auch die Abnahme von Braugerste habe einen coronabedingten Einbruch erfahren, das Mehl sei zwar kurzzeitig gehypet worden, jedoch habe sich in dem Bereich nichts verändert. Anders bei den Schließungen der Schlachthöfe, die ein großes Problem in der Verarbeitungskette ausgelöst haben. Der Absatz stockt, Tierströme müssen umgeleitet werden, viele Landwirte müssten ihre Tiere Wochen oder Monate länger in den Ställen behalten, wodurch die Kosten stiegen und die Fleischqualität sinke.

Krise rüttelt viele Menschen im Landkreis Günzburg wach

Andererseits habe die Krise auch viele Menschen wachgerüttelt, sagte Finkel. „Auf einmal fragt man sich, wo man eigentlich seine Lebensmittel herbekommt.“ Die Automaten für frische Eier seien vermehrt genutzt worden, da man so auch den Gang in den Supermarkt vermeiden könne. Doch auch dort könne man regional einkaufen.

Im Anschluss an das Gespräch zeigte das Ehepaar Schmid/Mayer seinen Gästen das Sojafeld sowie den erstmals angebauten roten Emmer. Im Gegensatz zum weißen Emmer sei diese Sorte deutlich nussiger im Geschmack, verriet Regina Schmid und bot eine Kostprobe an.

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