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Burgau

16.02.2018

So soll der Betrieb der Pyrolyse künftig laufen

Der Blick auf die nun in Privatbesitz befindliche Pyrolyse. Die Deponie bleibt beim Landkreis.
Bild: Bernhard Weizenegger

Die Käufer der Anlage in Burgau haben sich am Donnerstagabend den Fragen der Bürger gestellt. Viele waren in die Kapuziner-Halle gekommen, denn das Thema treibt die Burgauer um.

Es ist eines der Themen, das die Burgauer mit am meisten umtreibt: Wie geht es mit der 2016 nach 30 Betriebsjahren stillgelegten Pyrolyseanlage weiter? Lange mussten sie auf Details warten, doch am Donnerstagabend gab es sie bei einer Infoveranstaltung der Käufer in der gut besuchten Kapuziner-Halle. Betrieben wird sie von der New Coal GmbH, die sich aus der Gefa GmbH aus Hallschlag in der Eifel und der HKR GmbH aus Ludwigsburg zusammensetzt. Deren Chefs waren mit Fachleuten gekommen, mit denen sie zusammenarbeiten. Vertreter des Landkreises als Verkäufer nahmen nicht teil.

Der Geschäftsführende Gesellschafter der Gefa, Siegfried Oepen, sagte, dass die Anlage ab- und in Hallschlag wieder aufgebaut werden sollte. Das wäre aber zu teuer und risikoreich gewesen. Deshalb soll sie in Burgau wieder in Betrieb genommen werden.

Mit dem ein gutes halbes Jahr dauernden Umbau für die Herstellung von Carbonisat und im weiteren Schritt für Aktivkohle könnte im April begonnen werden, bis zur Erteilung der Betriebsgenehmigung könnte es auch ein halbes Jahr dauern. Für Ende 2018 oder Anfang 2019 wird der Produktionsstart anvisiert. Als Rohstoff sollen aus Hamburg gelieferte Palmkerne und Olivenkerne aus Spanien dienen, andere sollen später folgen.

Keine Gefahr einer künftigen Industrieruine

Wichtig ist auch Ralf Reichardt, Geschäftsführender Gesellschafter der HKR, dass es nachhaltige Biorohstoffe sind. Und anderslautenden Befürchtungen hält er entgegen: Die Anlage, die nach den Worten seines Geschäftspartners Oepen „relativ bezahlbar“ erworben wurde, genüge den Ansprüchen. Sollte eine Produktion unwahrscheinlicherweise doch nicht möglich sein oder es keine Betriebsgenehmigung geben, sei man im Rahmen der langwierigen Verhandlungen eine Rückbauverpflichtung eingegangen.

Dafür sei Geld hinterlegt. Für Burgau gebe es somit kein Risiko, dass hier eine Industrieruine stehen wird. Hatte der ehemalige Vize-Betriebsleiter der Pyrolyseanlage, Albin Ehrlich, noch bei der Einwohnerversammlung im Herbst von einem „Schrotthaufen“ gesprochen, so machte jetzt der frühere Betriebsleiter Herbert Mändle deutlich: Sie könne wirtschaftlich betrieben werden und sei zu schade zum Verschrotten. Er leitete die Anlage zehn Jahre lang bis 2006.

Die Bürger sollen durch die Anlage nicht belastet werden

Da hier kein Müll mehr verarbeitet wird, Biorohstoffe eingesetzt und die Systeme modernisiert werden, soll es Emissionen nur weit unterhalb der Grenzwerte geben, so Oepen. Alles, was am Standort produziert wird, soll einmal nach den Gesichtspunkten Ökologie und Nachhaltigkeit zertifiziert werden, die Anlage müsse lebensmitteltechnisch sehr sauber sein.

Von ihr werde gerade nach dem Ausbau des nicht mehr benötigten Schredders kaum Lärm ausgehen, durch ein geschlossenes System und Filter werde eine Staubbelastung der Umgebung vermieden und die Geruchsentwicklung reduziert. An- und Abfahrt von Lastwagen soll nur an Werktagen tagsüber über die Umgehung erfolgen, es wird mit 33 Lkw pro Woche gerechnet. Der Rund-um-die-Uhr-Betrieb an jedem Tag der Woche werde durch vorhandene Bunkerkapazitäten gewährleistet.

Überschüssige Energie wird ins öffentliche Netz eingespeist

Auf lange Sicht sollen 20000 bis 30000 Tonnen Kohle pro Jahr produziert werden, zunächst werden wohl 20 bis 25 Mitarbeiter benötigt. Die noch in Hallschlag vorgenommene Weiterverarbeitung soll langfristig auch in Burgau stattfinden, wofür weitere Anlagen und Mitarbeiter nötig sein würden. Den Bürgern versicherten Oepen und Reichardt, so transparent wie möglich sein zu wollen. Fragen würden beantwortet, man könne sich auch einen Werksverkauf und Tage der offenen Tür vorstellen. Man wolle Teil von Burgau werden. Der Wertstoffhof kann auf dem Areal bleiben, bis ein neuer Standort gefunden ist. Überschüssige Energie soll ins öffentliche Netz gespeist werden, die benachbarte Gärtnerei soll Überschuss-Wärme erhalten.

Mehrere Bürger und Vertreter der Anwohner wie Peter Strehle und Rechtsanwalt Wolfgang Schubaur hakten während der Veranstaltung kritisch nach, Oepen und Reichardt betonten, dass sie nichts zu verbergen hätten. Manches müsse aber erst noch geklärt werden, und der Genehmigungsantrag werde sicher nicht öffentlich diskutiert. „Streitsüchtigen Anwälten“, wie Oepen sagte, werde nicht alles frei Haus geliefert, sie müssten sich zu gewissen Sachverhalten selbst informieren. Für Probleme der Vergangenheit bei Anlage und Kommunikation könnten sie nichts, sie bitten um ein gutes Miteinander in der Zukunft.

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