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Landkreis Günzburg

14.08.2019

So stellt sich der BBS-Chef den Verkehr der Zukunft vor

Mit der Bedeutung des Öffentlichen Personennahverkehrs will sich der Krumbacher BBS-Chef Josef Brandner, der auch kommunal- und wirtschaftspolitisch tätig ist, nicht zufrieden geben.
Bild: Bernhard Weizenegger

Busunternehmer Josef Brandner betreibt seit zehn Jahren mit dem Flexibus im Landkreis ein innovatives Projekt. Er ist überzeugt, dass die Menschen künftig stärker als jetzt verschiedene Verkehrsmittel nutzen.

Eigentlich müssten Josef Brandner und die anderen Busunternehmen des Landkreises ein Dankesschreiben an alle Schülerinnen und Schüler richten. Denn die stellen über 80 Prozent des Öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV), wie der Chef von BBS (die Abkürzung steht inzwischen für Brandner Bus Schwaben) einer Aufstellung des Bayerischen Kultusministeriums aus dem Jahr 2013 entnommen hat. Da trifft ein prognostizierter Rückgang der Schüler über alle Schularten hinweg im Schuljahr 2020/2021 im Vergleich zu 2009/2010 die Busbranche hart. Um zehn bis 15 Prozentpunkte werden nach dieser Vorhersage die schwäbischen Schülerzahlen sinken. Die Ausgleichszahlungen für diese Transportleistungen sinken entsprechend.

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Gleichzeitig hätte der ÖPNV noch ganz viel Luft nach oben. Aber so oft diese Abkürzung im Munde geführt wird, so selten geht es im Nahbereich tatsächlich mit öffentlichen Verkehrsmitteln von A nach B. In der ländlichen Fläche liegt der Marktanteil des ÖPNV in aller Regel bei unter drei Prozent. Das ist für den Landkreis Günzburg nicht viel anders. „Wir tun uns maximal schwer, den Kunden zu erreichen.“

Mehr Einwohner und mehr Fahrzeuge im Landkreis

Dass die Schere von öffentlichen Verkehrsträgern und dem Individualverkehr eher auseinander gegangen ist, zeigt auch eine andere Berechnung, die Brandner dem Verkehrsausschuss der Industrie- und Handelskammer (IHK) Schwaben vor ungefähr eineinhalb Jahren aufbereitet hat. Danach ist die Zahl der Einwohner im Kreis Günzburg zwischen den Jahren 1990 und 2016 um fast zehn Prozent gewachsen. Die Zahl der Autos und Krafträder stieg im selben Zeitraum allerdings um beinahe 34 Prozent an. Das beweist dem Geschäftsmann aus Krumbach, dass es ein deutliches Mehr an Mobilität innerhalb von gut einem Vierteljahrhundert gibt. Davon profitiert aber in erster Linie der Individualverkehr.

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An eine grenzenlose Entwicklung in diese eine Richtung glaubt Vordenker Brandner („Mobilität ist Ausfluss unserer Wohlstandsgesellschaft“), der heuer bei Aufenthalten in Silicon Valley (Kalifornien, USA) und einem Kongress im kanadischen Montreal Einblicke in die Mobilität der Zukunft gewinnen konnte, nicht. Die Aufnahmefähigkeit der Straßen sei irgendwann erschöpft. Neue und nochmals neue Verkehrswege zu bauen, ist für den Busunternehmer eine inzwischen zu einfache und eindimensionale Antwort. Das sieht auch die IHK so, die „neue technologieoffene Ansätze“ für eine „neue Mobilität“ als notwendig erachtet. Digitalisierung, automatisiertes und autonomes Fahren, Elektromobilität und Sharing-Konzepte sind einige der Bestandteile, die den Strukturwandel im Verkehrswesen beeinflussen, ist sich Brandner sicher. Verstärkt wird das durch Umweltschutz-Bemühungen (Stichwort: Klimawandel).

Das Auto wird ein wichtiger Bestandteil einer abgestimmten Planung

Einen Trend macht Brandner in der Vernetzung aus. Das Auto wird danach nicht mehr autark für sich unterwegs sein, sondern ein sehr wichtiger Bestandteil einer aufeinander abgestimmten Verkehrsmittelplanung. „Der schnellste Weg ist nicht automatisch der beste Weg zum Ziel“, sagt er – und spielt damit auch auf die Bemühungen vor allem der Metropolen dieser Welt an, den Individualverkehr zunehmend aus den Innenstädten zu halten.

Selbstbewusst tritt Brandner als Betreiber des Flexibusses im Landkreis Günzburg im neu gegründeten „New Mobility Forum“ des Verbandes Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) auf – und stellt dort den Flexibus, der mittlerweile seit zehn Jahren fährt, als Deutschlands ältesten digitalen Ride-Pooling-Fahrdienst (verschiedene Personen teilen sich ein Fahrzeug) vor. Insgesamt gehören derzeit 24 Partner zu dieser Austauschplattform – Start-ups ebenso wie etablierte Unternehmen.

Voneinander lernen ist eines der Ziele

So bietet das 2014 gegründete Unternehmen Clever Shuttle beispielsweise in sieben deutschen Städten (darunter München) Tür-zu-Tür-Mobilität an. Mit Hilfe eines Algorithmus werden für Fahrgäste mit ähnlichen Routen Fahrgemeinschaften gebildet. Donkey Republic ist ein weltweites Fahrradverleihsystem mit stationsgebundenen Rädern. Der Sitz der Firma ist Kopenhagen in Dänemark. Und die deutsche Firma E-Floater schließlich wurde vor sechs Jahren und lange bevor E-Scooter in Deutschland im Verkehr zugelassen wurden, mit dem Ziel gegründet, „die letzte Meile in der urbanen Mobilität zu revolutionieren“. Seit 2017 ist das Unternehmen in Singapur im Einsatz.

In diesem Umfeld bewegt sich Brandner mit dem Flexibus. Voneinander lernen ist eines der Ziele. Vielleicht ergeben sich auch Geschäftsmodelle, die heute noch gar nicht absehbar sind.

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