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Freihalden

10.10.2019

Sogar der Bischof schwärmte von dieser Kirche

Die katholische Pfarrkirche Mariä Verkündigung in Freihalden wird im Jahr 2019 90 Jahre alt. Die Fenster wurden in den 1930er-Jahren vom Künstler Dominikus Böhm gestaltet.
Bild: Bernhard Weizenegger

Die Pfarrkirche Freihalden feiert am Sonntag das 90-jährige Weihejubiläum. Warum das Gotteshaus so jung und so besonders ist.

Der Bischof schwärmte: „Sie können sich freuen, so eine schöne Kirche, diese Bögen, die geschmackvolle Gestaltung – das ist überwältigend.“ Es ist fast fünf Jahre her, als Dr. Konrad Zdarsa, damals noch Diözesanbischof von Augsburg, das über die Freihalder Pfarrkirche Mariä Verkündigung sagte. Er war am 16. November 2014 zur Wiedereinweihung des generalsanierten Gotteshauses in den 800-Seelen-Ort gekommen. Das erst 90-jährige Weihejubiläum der Pfarrkirche feiern die Freihalder Katholiken am kommenden Sonntag mit einem Hochamt (10 Uhr), zelebriert von Pfarrer Monsignore Wolfgang Miehle, und einem Kirchenkonzert der beiden Geigerinnen Anna Kritsina und Elena Martinez-Eisenberg (17 Uhr).

Nach zweijähriger Bauzeit wurde die Freihalder Pfarrkirche 1929 fertiggestellt. Am Sonntag wird das 90-jährige Weihejubiläum gefeiert.
Bild: Jürgen Bigelmayr

Expressionistischer Licht-Tempel

Warum aber ist die Freihalder Kirche so jung? Erst 1929 wurde sie nach gut zweijähriger Bauzeit fertiggestellt und der Obhut Gottes anvertraut. Mit ihrer klar-weißen, stilistisch an das Bauhaus angelehnten Optik will sie so gar nicht in den „Schwäbischen Barockwinkel“ passen. Dominikus Böhm, einer der berühmtesten Kirchenbaumeister des 20. Jahrhunderts, schuf in der Nachbarschaft seines Geburtsortes Jettingen, statt eines beschaulichen Dorfkirchleins, einen expressionistische Licht-Tempel mit vielfarbig verglasten hohen Kirchenfenstern, durch die bei schönem Wetter die Sonnenstrahlen ein buntes Farbenmeer auf weißen Spitzbögen und hellholzigen Bankreihen zaubern. Das Kaleidoskop ist kein Zufall, sondern von Dominikus Böhm bewusst inszeniert: „Er hat sich bis ins kleinste Detail um alles gekümmert“, berichtet Pfarrer Monsignore Wolfgang Miehle, welchem das Farbenspiel an dem sakralen Gesamtkunstwerk „am besten gefällt“, wie er sagt.

Die Fenster der katholischen Pfarrkirche Mariä Verkündigung in Freihalden wurden in den 1930er-Jahren vom Künstler Dominikus Böhm gestaltet.
Bild: Bernhard Weizenegger

Ein Ringen zwischen Baumeister und Bauherr

Er kennt die ausführliche Korrespondenz, die Baumeister Dominikus Böhm, damals Professor für Sakrale Kunst an den Kölner Werkschulen, mit Bauherr Dekan Sebastian Bayer führte. Was die Gestalt der neuen Kirche anging, rangen beide miteinander. Der Freihalder Dorfchronist Karl Weichenmeier, der vor drei Jahren verstorben ist, zeichnet den Briefwechsel der beiden Charakterköpfe in seinem Heimatbuch über Freihalden nach. Weichenmeier war einer der profundesten Kenner des Gotteshauses seines Geburts- und Heimatortes.

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Die katholische Pfarrkirche Mariä Verkündigung in Freihalden.
Bild: Bernhard Weizenegger

Wer den „Neire-Karre“, so sein Hausname, kannte, weiß wie er es mit schwäbischem Mutterwitz verstanden hätte, die Vorgeschichte der heutigen Freihalder Kirche zu erzählen. „Die Freihalder waren damals arm wie eine Kirchenmaus“, hätte er wohl gesagt. Lauter kleine Bauern, der größte Hof bewirtschaftete gerade einmal um die 35 Tagwerk. Entsprechend finanzschwach war die örtliche Kirchengemeinde. Im Opfersäckel sammelten sich keine Reichtümer an.

Die alte Kirche drohte einzustürzen

Deshalb hatte die alte gotische Chorturmkirche wiederholt nur auf das Notdürftigste restauriert und umgestaltet werden können. Künstlerischer Anspruch oder gar kunstvolle Ausführung mussten auf der Strecke bleiben – dafür war einfach zu wenig Geld da. So siechte das schmucklose Kirchengemäuer die Jahrhunderte hindurch vor sich hin – bis es in den 1920er-Jahren einzustürzen drohte. Der Untergrund war und ist immer noch extrem feucht und den Rest besorgte der Hahnenberg, auf dem sie steht. „Der Berg hat wohl geschoben“, vermutet Monsignore Miehle.

Nach zweijähriger Bauzeit wurde die Freihalder Pfarrkirche 1929 fertiggestellt. Am Sonntag wird das 90-jährige Weihejubiläum gefeiert.
Bild: Jürgen Bigelmayr

Doch den Freihaldern kamen zwei Männer zu Hilfe, die Denkschärfe mit Durchsetzungswille verbanden: Dekan Bayer und Professor Böhm. Sie schenkten den Freihaldern eine Kirche, die sie schätzen gelernt haben und die sie heute nicht einmal gegen ein barockes Schmuckkästchen eintauschen wollen. „Wir sind stolz auf unsere Kirche und identifizieren uns mit ihr“, betont Kirchenpfleger Anton Baumgartner und berichtet davon, wie groß die Hilfsbereitschaft und der Fleiß der Gläubigen vor fünf Jahren bei der Generalsanierung war.

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