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Jubiläum

27.06.2019

Sogar ein Ministerpräsident dirigierte die Jugendkapelle

Bayerns damaliger Ministerpräsident Alfons Goppel dirigierte 1973 die Jugendkapelle Wettenhausen im Schloss Reisensburg.

Im Wettenhauser Klosterhof wird am Sonntag das 50-jährige Gründungsfest gefeiert

Als die Wettenhauser Jugendkapelle 1972 ihre erste Auslandsreise nach Obersiebenbrunn in Österreich unternahm, wurden sie dort fast wie Staatsgäste empfangen. Damals gab es noch keine Autobahnmaut im Nachbarland, aber einen „Eisernen Vorhang“ an der Grenze der Alpenrepublik zum Osten. Ein „Vorhang“, der Europa trennte. Das ist schon 47 Jahre her, die Verbindung nach Obersiebenbrunn besteht bis heute. Kommenden Sonntag feiert die Jugendkapelle ihr 50-jähriges Gründungsfest mit einer Serenade im Klosterhof.

Die Musikgeschichte in Wettenhausen ist schon wesentlich älter. Bereits vor zwei Jahrhunderten spielte ein Kirchenorchester, das für die musikalische Gestaltung von weltlichen und kirchlichen Feiern sogar Geld bekam. Den Anstoß zur Nachwuchsband gab 1968 Bürgermeister Josef Sommer der damals noch eigenständigen Gemeinde Wettenhausen. „Irgendwas muss passieren, sonst geht der Musikverein kaputt“, befürchtete Sommer, wie Chronist Erich Kircher berichtet. Der Rathauschef nutzte sein Netzwerk, wie es heute neudeutsch heißt, und kontaktierte den damaligen Schulleiter Kurt Benesch. Das war der Startschuss.

32 Kinder im Alter von neun bis 13 Jahre begannen im Herbst 1969 mit ihrer Ausbildung. Die Instrumente wurden damals von den Eltern finanziert. Die Proben mit Musiklehrer Jakob Treitz erfolgten in der neuen Verbandsschule. Eingeübt wurden damals bevorzugt Märsche und Polkas. Und bereits im Folgejahr trat die erste Jugendkapelle des Altlandkreises Günzburg öffentlich beim Bezirksmusikfest in Scheppach auf, damals noch in recht einfacher Kleidung mit weißen Hemden/Blusen und schwarzen Hosen/Röcken.

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„Dann ging es Schlag auf Schlag“, weiß Kircher, jahrelang selbst beim Musikverein Wettenhausen aktiv, „überall hat der Funke gezündet und es wurden weitere Jugendkapellen gegründet.“ Die musikalische Nachwuchsarbeit blieb der Politik nicht verborgen: Der damalige Landrat Georg Simnacher erlebte den Klangkörper bei einem Ständchen 1970 und bezeichnete die Kapelle als „sympathische musikalische Botschaft des Landkreises Günzburg“.

Dieser Auszeichnung konnte die Nachwuchsband bald entsprechende Taten folgen lassen: Sie wurde vom Musikverein Harmonie im niederösterreichischen Obersiebenbrunn zum Gastauftritt eingeladen. Zuvor überzeugte sich deren Gemeindeoberhaupt und Vereinschef persönlich in Wettenhausen von der Leistung der Jugendkapelle. Die Auslandsreise nach Österreich in den 600 Kilometer entfernten Ort wurde 1972 ein voller Erfolg für die 38 Nachwuchsmusiker, elf Mädchen und 27 Buben. Damals kam es zur Gründung einer Patenschaft zwischen den Vereinen und schon ein Jahr später erfolgte der Gegenbesuch.

Nachdem mit Unterstützung der damals selbstständigen Gemeinden Goldbach, Hammerstetten, Kleinbeuren und Wettenhausen sowie des Kreises eine original schwäbische Tracht für die Jugendkapelle organisiert wurde, hatte sie 1973 ein denkwürdiges Auftrittserlebnis: Sie spielte auf Schloss Reisensburg anlässlich der Unterzeichnung des Staatsvertrages zwischen Baden-Württemberg und Bayern mit den Ministerpräsidenten Hans Filbinger und Josef Goppel, bei der Goppel die Kapelle sogar dirigierte.

Der amtierende bayerische Ministerpräsident wird am kommenden Sonntag bei der Serenade zum 50. Gründungsfest nicht dabei sein, wenn die Wettenhauser Musikkapelle, in der die Jugendkapelle mittlerweile eingegliedert wurde, aufspielt. Während einer Pause des Konzerts, das ab 18 Uhr im Klosterhof beginnt, werden drei Musiker besonders geehrt, die schon vor 50 Jahren dabei waren. Der Eintritt zur Serenade ist frei, der Musikverein freut sich aber über Spenden.

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