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Naturschauspiel

18.03.2015

Sonnenfinsternis: Schlechte Aussichten ohne Brille

Nur wenige Geschäfte bieten eine Schutzbrille für die anstehende Sonnenfinsternis am 20. März an. Dabei empfehlen Experten, nicht ohne speziellen Augenschutz das Schauspiel am Himmel zu verfolgen.  - Bildfunk+++
Bild: Paul Zinken/dpa

Energie-Fachleute in der Region sehen dem Ereignis ganz gelassen entgegen. Doch bei den Optikern gibt es schon jetzt nichts mehr zu holen.

Am Freitag kommt es auf der Nordhalbkugel zu einer partiellen Sonnenfinsternis. Viele freuen sich schon darauf, zu sehen, wie sich der Mond vor die Sonne schiebt. Doch einigen Betreibern von Solar- und Photovoltaikanlagen bereitet das anstehende Ereignis Sorgen. Wenn sich der Himmel für ein paar Minuten verdunkelt, werden die Anlagen ihre Leistung stark herunterfahren. Bei Ende der Sonnenfinsternis entsteht dann viel Leistung. Das könnte für die Anlagen ein Problem werden, sagen Experten.

Die Lechwerke (LEW) begleiten die Situation intensiv. Pressesprecher Thomas Renz: „Insbesondere in der zentralen Netzleitstelle in Augsburg bereiten sich die Kollegen vor und arbeiten dabei in enger Absprache mit dem Übertragungsnetzbetreiber Amprion.“ Das Team der LEW Verteilnetz GmbH (LVN) werde am Freitag durch Experten verstärkt, damit das Risiko von Stromengpässen klein bleibe. Es sei wichtig, eine Balance im Stromnetzwerk aufrecht zu erhalten, um diese zu vermeiden. Dabei kommt die sogenannte Regelenergie zum Einsatz, das Zu- und Abschalten wird so reguliert. Der Verbraucher werde davon aber nichts merken. Was am Freitag genau passieren wird, sei noch nicht klar. Dabei spiele auch das Wetter eine große Rolle. Bei schönem Wetter sei es wahrscheinlicher, dass es zu Problemen kommt. Ein bedeckter Himmel wäre die beste Voraussetzung, da die Sonnenfinsternis dann kaum auffalle. Dieses Szenario wäre zwar gut für die Netzbetreiber, jedoch nicht für jene, die das Naturschauspiel beobachten wollen.

In der Region sehen Solaranlagenbetreiber dem seltenen Phänomen gelassen gegenüber. Die Firma Graess aus Bubesheim hält die Sonnenfinsternis nicht für besorgniserregend. „Die kurze Zeit, in der die Sonne hinter dem Mond verschwindet, wird nicht ins Gewicht fallen.“, sagte ein Firmensprecher. Auch der Energie-Service-Schwaben (ESS Kempfle) in Leipheim sieht in dem bevorstehenden Naturschauspiel keinen Grund zur Sorge. Für den Betrieb bestehen keine Probleme. Geschäftsführerin Bettina Kempfle betont, dass auf dem Dach mehr Strom produziert als verbraucht werde. „Aufgrund der großen Schwankung in diesen zwei Stunden wird das für die Energieversorger sicherlich eine Herausforderung. Diese wissen, dass die Situation kommt und sind entsprechend vorbereitet. Das lässt sich auch mit dem Kernkraftwerk Gundremmingen ausgleichen. An trüben, nebligen Wintertagen werden wir ja genauso zuverlässig mit Strom versorgt.“

Eine Schutzbrille ist Pflicht

Tobias Schmidt, Sprecher des Kernkraftwerks Gundremmingen, kann dies bestätigen: „Wir betreiben unsere Anlage flexibel und angepasst zur Stromnachfrage. Das wird auch am Freitag so sein. Wenn es darum geht, im Netz Platz zu machen für Strom aus Wind oder Sonne, können wir die Leistung sehr kurzfristig reduzieren. 2014 haben wir das mehr als zwanzigmal gemacht.“

Aber nicht nur die Energieversorger, sondern auch alle, die die Sonnenfinsternis beobachten wollen, müssen sich vorbereiten. Eine Schutzbrille ist Pflicht. Gerlinde Sauterleute von Optiker Binder in Günzburg warnt: „Ohne Schutz in die Sonne zu schauen, kann schon nach dreißig Sekunden dazu führen, dass die Netzhaut langfristig beschädigt wird. Die Folgen treten dabei oft erst nach zwei, drei Tagen auf.“ Die Sinnenzellen können zerstört werden, das Sehvermögen nehme ab. E

ine Regeneration sei oft nicht mehr möglich. Eine einfache, abgedunkelte Sonnenbrille reiche dabei auf keinen Fall aus. Deshalb empfiehlt Tobias Aubele, ebenfalls Mitarbeiter bei Optiker Binder, sich eine spezielle Brille mit sogenannter „Astrofolie“ zu kaufen. Diese Brille sei nahezu undurchlässig für Sonnenlicht. Das Beschaffen sei allerdings schwer. „Unsere Schutzbrillen sind bereits ausverkauft, auch die Hersteller können keine mehr liefern.“, sagte Aubele. Wer sich jedoch eine Astrofolie beschaffen würde, könne sich selbst eine Schutzbrille basteln.

Brillen sind komplett ausverkauft

Auch bei anderen Optikern iim Landkreis seien die Schutzbrillen komplett ausverkauft und nicht mehr lieferbar. Laut Rosi Buhl, Mitarbeiterin bei Optik Ganz in Krumbach, sei das Interesse an den Brillen erst seit dieser Woche extrem hoch geworden. Davor sei die Nachfrage eher gering gewesen. Auch Schulklassen hätten nach den begehrten Objekten gefragt. Ein ähnliches Bild zeigt sich auch bei Optik Prix in Krumbach. Auch hier sind keine Schutzbrillen mehr erhältlich. Innhaber Karl Prix hatte 120 Brillen geordert, doch diese seien schon alle verkauft. Da auch die selbst Hersteller Lieferschwierigkeiten haben, bestellt er nicht mehr nach. Es sei nicht sicher, ob diese auch rechtzeitig bis zu Sonnenfinsternis ankommen würden. Auch meint er, dass die Sonnenfinsternis nicht sehr „auffallend“ sei. Im Südosten Bayerns seien nur 67 Prozent der Sonnenscheibe bedeckt, im Nordwesten 73 Prozent.

Am Freitagmorgen wird die Sonnenfinsternis gegen 9.30 Uhr beginnen, um 12 Uhr ist das Spektakel zu Ende. Die nächste partielle Sonnenfinsternis findet in mehr als zehn Jahren statt – am 12. August 2026.

Beobachtung Die Volkssternwarte Gundremmingen bietet am 20. März ab 9.30 Uhr Vorträge mit anschließender Beobachtung der partiellen Sonnenfinsternis an.

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