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Kreis Günzburg

20.03.2015

Sonnenfinsternis lässt Augen leuchten

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4 Bilder
Ganz nah ran an die Sonnenfinsternis kamen gestern viele Besucher der Volkssternwarte Gundremmingen. Die Bedingungen für die Beobachtung des Spektakels am Himmel waren am gestrigen Freitag optimal.
Bild: Bernhard Weizenegger

Das Naturschauspiel lockt am Freitag viele Besucher in die Volkssternwarte Gundremmingen. Und auch in den Schulen der Region wird das Spektakel begeistert verfolgt.

Da sind sie, die begehrten Brillen: Etwa vierzig Exemplare konnten die Mitglieder der Volkssternwarte Gundremmingen ergattern. „Wir haben zum Glück rechtzeitig bestellt“, sagt Anton Bader, Beisitzer der Sternwarte. Die Besucher sind begeistert. Rolf Dudichum, 2. Vorsitzender der Sternwarte, hält zur Einstimmung auf das Ereignis einen Vortrag über die Sonnenfinsternis. Er erklärt, dass das Phänomen nur eine Laune der Natur sei: der Mond sei 400 Mal kleiner als die Sonne, aber da er viel näher an der Erde stehe, könne er die Sonne trotzdem abdecken. In Europa sei die Sonnenfinsternis nur partiell beobachtbar. Doch am Nordpol komme es nun, während bei uns die Sonne nur zu 70 Prozent abgedeckt wird, zu einer totalen Sonnefinsternis.

Um 9.30 Uhr geht es los: die Schutzbrillen werden an die Beobachter verteilt, die nun aufgeregt in Richtung Himmel schauen. Die unerwartet hohe Zahl der Besucher führt dazu, dass nicht jeder eine Brille bekommen kann. Doch die Volkssternwarte hat für alles vorgesorgt. Es gibt einen Sonnenprojektor aus Karton. Ehrenvorsitzender Walter Reim erklärt: „Dieser Projektor fängt durch die Linse das Bild ein, das auf einem Spiegel reflektiert wird und so ein Abbild auf den Karton.“ So kann man ganz ohne Brille und ganz ohne Gefahr beobachten, wie sich der Mond langsam vor die Sonne schiebt. Auch Teleskope stehen zur Verfügung. Es gibt Refraktoren (Linsenteleskope) und Reflektoren (Spiegelteleskope). Wegen der Sonnenfinsternis sind sogar zwei extra Teleskope aufgestellt, um den Besuchern noch mehr Möglichkeiten zum Betrachten des Himmels zu geben.

Walter Reim freut sich über die optimalen Bedingungen: „Das Wetter ist perfekt.“ Schon kurz nachdem das Spektakel begonnen hat, fällt auf, dass es deutlich kühler wird. Auch ein kleines bisschen dunkler wird es. Besucherin Maria Mayer-Vorwerk erinnert sich an die totale Sonnenfinsternis von 1999: „Meine Kinder haben damals in der Schule extra Brillen dafür gebastelt. Und als es dann tatsächlich mitten am Tag dunkel wurde, konnte man spüren, dass viele Tiere verwirrt waren.“ Mayer-Vorwerk weiß noch, wie sie damals eine Katze und eine Maus beobachtet hat. „Die Katze wusste gar nicht mehr, was sie tut, ihr Instinkt war wie ausgeschaltet.“ Auch Anton Bader erinnert sich an das Spektakel von 1999: „Das war sehr beeindruckend. Alles war plötzlich still.“ Für Astronomen sei es damals schade gewesen, dass der Himmel bewölkt war. Dafür ist das Glück an diesem Freitag auf der Seite der Beobachter.

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"Sofort eine Brille kaufen, bevor alle weg sind"

Glück hatten auch fünf Mädchen aus dem Maria-Ward-Gymnasium Günzburg. Die Abiturientinnen sahen die Volkssternwarte als letzte Hoffnung, noch an die begehrten Schutzbrillen zu gelangen. „Wir waren in Augsburg, München und Ulm. Nirgends gab es mehr auch nur eine einzige Brille“, sagt Rosaria Schlaegel. Ronja Lunz fügt hinzu: „Wir sind sehr froh, dass wir jetzt eine Brille bekommen haben. Für die nächste Sonnenfinsternis wissen wir: Sofort eine Brille kaufen, bevor alle weg sind!“

Damit jeder einmal zum Himmel hinaufschauen kann, tauschen die Besucher die Brillen untereinander aus. Gegen 10.30 Uhr erreicht die Sonnenfinsternis ihren Höhepunkt: etwa 70 Prozent der Sonnenoberfläche sind bedeckt. Begeistert sind auch Nicolas und seine Mutter, die sich spontan entschieden haben, nach Gundremmingen zu kommen. „Ich wollte unbedingt die Sonnenfinsternis beobachten, weil sie so schnell ja nicht mehr in Deutschland zu sehen sein wird“, freut sich der Elfjährige. Weil Bruder und Vater nicht dabei sein können, muss er nun für die beiden Fotos schießen.

Die Mitglieder der Volkssternwarte freuen sich über die hohe Besucherzahl. Es sind viel mehr Menschen da, als sie erwartet haben. „Das liegt daran, dass viel über die Sonnenfinsternis in der Presse berichtet wurde“, sagt Anton Bauer. Rolf Dudichum erklärt, dass das auch das Ziel der Sternwarte sei. „Wir wollen die Astronomie für die breite Öffentlichkeit zugängig machen.“ Der Verein wurde 2001 von Walter Reim gegründet. Seitdem begrüßt die Sternwarte viele Besucher.

Auch in Schulen wird das Schauspiel beobachtet

Freitags ab 20 Uhr und ab April um 21 Uhr ist die Sternwarte offen für alle und die Mitglieder sind da, um den Sternenhimmel zu erklären. Auch Schulklassen kämen oft, um die Sternwarte zu sehen. „Mit dem Albertus-Gymnasium Lauingen haben wir sogar eine enge Partnerschaft“, sagt Dudichum. Er selbst entdeckte die Astronomie vor 25 Jahren für sich, als er ein Teleskop geschenkt bekommen hatte und nicht wusste, wie es funktionierte. „Ich habe dann bei einen Kurs bei der Volkshochschule besucht, den mein heutiger Vereinskollege geleitet hat.“

Aber nicht nur in der Volkssternwarte Gundremmingen wird die Sonnenfinsternis beobachtet. Auch in Schulen wie in der Hans-Maier Realschule Ichenhausen haben Lehrer und Schüler sie zusammen angesehen. Da die Spezialbrillen ausverkauft waren, wurde hier kurzerhand eine Leinwand aufgestellt. Wer eine Brille dabei hatte, durfte auf dem Schulhof zusehen. Als sich dann der Mond vor die Sonne schob, waren die Schüler begeistert – und brachen sogar in Jubel aus.

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