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Landkreis Günzburg

24.03.2020

Sonntag ist Tag der Entscheidung: Stichwahl mit Corona

Wegen der Beschränkungen durch die Corona-Pandemie kann nur noch per Brief für den 29. März gewählt werden.
Bild: Matthias Becker (Symbolbild)

Plus In Burgau, Haldenwang und Thannhausen wird’s noch mal spannend: Am Sonntag entscheidet sich, wer Bürgermeister(in) wird. Der Wahlkampf läuft anders als sonst.

Nur noch wenige Tage wird es dauern, dann wissen die Burgauer, Haldenwanger und Thannhauser, wer ihr neuer Bürgermeister – oder ihre Bürgermeisterin – ist. Dort stehen am Sonntag Stichwahlen an. Und diese sind angesichts der Corona-Krise mit nichts vergleichbar, was in Sachen Wahlkampf vielleicht einmal selbstverständlich war.

So sagt Burgaus Amtsinhaber Konrad Barm (Freie Wähler) zwar, dass dieser noch wichtig sei, aber Vorsorge für die Bevölkerung zu treffen, sei wesentlich bedeutsamer. Er hat regelmäßige Besprechungen dazu, dabei geht es etwa um Notgruppen in Kindergärten oder die Einsatzbereitschaft der Feuerwehr. „Das hat Vorrang.“ Die Infrastruktur, die Versorgung müsse für die Bürger gewährleistet sein. „Ich bin da sehr stolz auf unsere Leute.“

Eine Blaupause für künftige Wahlkämpfe?

Alles, was man früher im Wahlkampf gemacht habe, wie Haustürbesuche oder das Verteilen von Werbemitteln auf dem Kirchplatz, müsse in diesen Zeiten unterbleiben. Höchstens bekämen die Bürger Post, ansonsten spiele sich das meiste im Internet ab. „Das ist eine ganz andere Situation.“ Vielleicht werde das künftige Wahlkämpfe prägen.

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Konrad Barm will Bürgermeister in Burgau bleiben.
Bild: Peter Wieser/Freie Wähler

In der Stadtverwaltung stelle man sich derweil die Frage, wie es mit den Sitzungen weitergeht. Der Hauptausschuss am Dienstag wurde abgesagt, aber was ist mit dem Bauausschuss oder dem Stadtrat? Schließlich müssen ja weiter Entscheidungen getroffen, der Haushalt verabschiedet und Aufträge vergeben werden. Der Bauausschuss und der Stadtrat werden bei ihren nächsten Sitzungen deshalb in der Kapuziner-Halle zusammenkommen. Dort gibt es genug Platz, damit die Abstandsregeln eingehalten werden können. Und was Zuhörer angeht: Wer nicht von einem der Tagesordnungspunkte tangiert ist, solle lieber fernbleiben. Jedenfalls werden nun alle Besprechungen, die sich um Corona drehen, protokolliert. So sollen künftige Entscheidungsträger bei anderen Krisen nachlesen können, wie man früher gehandelt hat.

Vielleicht steht eine halbe Stunde nach Wahlschluss das Ergebnis fest

Dass inzwischen SPD und Grüne sich auf die Seite von Herausforderer Martin Brenner von der CSU geschlagen haben und dazu aufrufen, ihn zu wählen, nimmt Barm, der 39,4 Prozent der Stimmen erhalten hatte, gelassen. Es gebe ja noch andere Gruppierungen, die neutral oder für ihn seien – so sprechen sich die ABB für ihn als Amtsinhaber aus. Ansonsten sei jeder Bürger mündig genug, seine eigene Entscheidung zu treffen. Für den Wahltag selbst sollen weitere Briefwahlbezirke geschaffen werden, um mehr Auszählräume zu haben und alles entzerren zu können. Der Bürgermeister hofft, dass eine halbe Stunde nach Wahlschluss feststehen wird, für wen sich die Bürger entschieden haben. Er wird im Rathaus auf das Ergebnis warten.

Martin Brenner will Bürgermeister in Burgau werden.
Bild: Leitner/CSU

Martin Brenner, der Kandidat der CSU, setzt ebenfalls verstärkt auf soziale Netze im Wahlkampf, die Partei hat mit anderen auf Facebook auch eine Nachbarschaftshilfen-Initiative gestartet, die sehr gut angenommen werde. Sie solle aber etwas sein, was über die Wahl hinaus wirkt und habe mit dieser auch nicht wirklich etwas zu tun. Die Freien Wähler haben etwas Ähnliches initiiert, wobei es hier um das Thema Kinderbetreuung geht.

Herausforderer in Burgau sieht Chancen bei 50:50

Brenner ist Lehrer und muss seine Schüler jetzt per Internet betreuen. Da das dafür bereitgestellte Portal oft überlastet ist, steht er mitunter um 4 Uhr auf, um seine Aufgaben hochzuladen. Tagsüber korrigiert er die ausgefüllten Arbeitsblätter. Als Teil einer Medienreferenzschule sei ihm das nicht fremd, wenngleich die jetzige Situation natürlich etwas nie Dagewesenes sei.

Dass die SPD und die Grünen, deren Bewerberinnen um das Bürgermeisteramt sich nicht durchsetzen konnten, nun auch ihn unterstützen, habe ihn überrascht, sagt Brenner – „aber es freut mich sehr“. Der Wahlkampf sei von allen Seiten sehr fair gewesen, und die Chancen auf einen Sieg sieht er 50:50, „es bleibt knapp“. Denn es seien außergewöhnliche Zeiten, man wisse nicht, wie die Bürger nun mit der Stichwahl umgehen und ob alle überhaupt die Briefwahlunterlagen zum Briefkasten bringen. Und vielleicht wollten beispielsweise SPD-Mitglieder nicht der Empfehlung des Ortsvereins folgen und einen CSUler wählen. Im ersten Wahlgang kam er auf 37,6 Prozent. Eines weiß er gewiss: Jetzt noch von Haus zu Haus im Wahlkampf zu gehen, wäre für ihn angesichts der Corona-Pandemie nicht infrage gekommen, das habe er auch schon einige Tage vor dem Wahltag am 15. März nicht mehr getan. Wenn das doch jemand tue, habe er dafür kein Verständnis.

Michael Straub will Haldenwanger Bürgermeister werden.
Bild: Haid/Wählerblock

Wahlkampf lief noch an den Haustüren

In Haldenwang war Amtsinhaber Georg Holzinger (CSU) nicht mehr angetreten. Michael Straub (Freier Wählerblock Konzenberg) hatte 29,9 Prozent der Stimmen geholt, in der vergangenen Woche war er noch unterwegs für das direkte Gespräch mit den Bürgern, erzählt er. „Wir kämpfen noch mal um jede Stimme.“ Er wolle das Ohr an den Menschen haben und solange es ging persönlich. „Keiner hatte etwas gegen den Besuch“, und da er Abstand gehalten sowie keine Hände geschüttelt habe, sieht er darin kein Problem.

„Die Leute haben eher mich in ein Gespräch verwickelt.“ Es sei in der jetzigen Zeit schwer, zu entscheiden, was richtig ist und was man eher sein lässt. Um den Wahlkampf nun im Netz fortführen zu können, habe er in den Ortsteilen gefilmt, das Ergebnis stelle er auf Facebook und Instagram. Aber die Krux dabei sei nun einmal, dass er die älteren Bürger so nicht wirklich erreiche. Er habe sich auch bei einer Nachbarschaftshilfe registriert und handele nach dem Motto: „Viel Vernunft, wenig Kontakt.“

Doris Egger will Bürgermeisterin in Haldenwang werden.
Bild: Egger

Gegenkandidatin setzt auf andere Kanäle

Gegenkandidatin Doris Egger (Haldenwanger Block) holte am 15. März 38,8 Prozent. Sie betont, dass angesichts der Corona-Problematik „natürlich keine Veranstaltungen und persönlichen Gespräche stattfinden konnten“. Deshalb habe sie sich erneut mit einem Flyer an die Bürger gewandt. Man könne ihr Fragen am Telefon stellen oder ihr schreiben, auch wer Hilfe oder einen Vermittler brauche. „Die Leute sind unglaublich offen. Der gesamte Austausch ist lebendig und sehr positiv.“ Sie halte die Vorgehensweise der Staatsregierung für vollkommen korrekt. „Wir müssen alle unserer Fürsorgepflicht nachkommen, uns auf das wirklich Notwendige beschränken und für das bisher Selbstverständliche kluge Alternativen finden – auch im Wahlkampf.“

Die Bürger seien auch über andere Kanäle gut erreichbar und Sitzungen ließen sich per Tele- oder Video-Konferenz abhalten. Den kommenden Sonntag wird sie zu Hause verbringen, bei gutem Wetter auch im Garten mit ihrem Mann und den Hunden – „Telefon und PC permanent auf Empfang“. So zu erfahren, wie die Bürger entschieden haben, sei eine völlig neue, außergewöhnliche Erfahrung. „Aber in diesen Zeiten sind für jedermann viele Dinge ungewohnt.“ Sie wünscht den Bürgern gutes Durchhalten und dass sie gesund bleiben.

Bild: Peter Wieser/Freie Wähler

Ein klarer Favorit in Thannhausen

Auch die Stadt Thannhausen steht am Sonntag vor einer wegweisenden Entscheidung. Nach zwölf Jahren im Amt trat Bürgermeister Georg Schwarz (61, CSU) nicht mehr an. Wer wird sein Nachfolger? Als klarer Favorit geht Alois Held von der CSU ins Rennen. Der 37-Jährige hatte in der ersten Wahlrunde mit 46,7 Prozent klar die Nase vorn. Der amtierende Zweite Bürgermeister Peter Schoblocher von den Freien Wählern (FW) schaffte es mit 28,7 Prozent in die Stichwahl. Das war durchaus relativ knapp. Carsten Pothmann (56, Grüne), anders als seine politischen Kontrahenten nicht in Thannhausen fest verwurzelt, kam auf überraschend beachtliche 24,6 Prozent.

Der große Vorsprung von Alois Held (er gehört erst seit 2014 dem Stadtrat an) kam für viele überraschend. Auch Held hatte nicht damit gerechnet. Zur absoluten Mehrheit fehlen ihm nur noch ein paar Prozent. Ist er demnach also schon „durch“? Held, der derzeit als Personalleiter bei der LS Bau AG in Ziemetshausen arbeitet, äußert sich vorsichtig. Der Wahlmodus habe sich infolge der Corona-Krise geändert. Die Wahlberechtigten müssten ihre Stimme per Briefwahl abgeben. Auf diesem Weg könnte sich die Zusammensetzung der Wähler ändern und dies könne auch gegenüber der ersten Wahl vom 15. März zu Verschiebungen führen.

Grüne ziehen Empfehlung wieder zurück

Doch er hat für die Stichwahl Unterstützer. Dazu gehört SPD-Stadtrat Stefan Herold, der sich in einem Video für Held als Bürgermeister ausgesprochen hat. Auch der Ortsverband der Grünen hatte sich zunächst in einer Pressemitteilung für Held als Bürgermeister ausgesprochen. Die Grünen nahmen dies dann wieder zurück, weil sie sich eine gute Zusammenarbeit aller Fraktionen im neuen Stadtrat wünschen.

Alois Held will Bürgermeister in Thannhausen werden.
Bild: Martina Kaiser

Peter Schoblocher, 60, selbstständiger Architekt, seit 24 Jahren im Thannhauser Stadtrat, seit sechs Jahren Zweiter Bürgermeister, galt in den Augen vieler als Favorit bei der Bürgermeisterwahl. Er verweist darauf, dass er, anders als Held, in den Kreistag gewählt worden sei. Ein Bürgermeister aus Thannhausen ohne Mandat im Kreistag – das habe es seit Jahrzehnten nicht gegeben. Schoblocher sagt, dass eine andere Wählerzusammensetzung bei der Stichwahl gegenüber dem ersten Durchgang ein Vorteil sein könnte. So hofft er auf eine Art Comeback in der Stichwahl am Sonntag.

Bemerkenswert ist, dass in Thannhausen alle drei Bürgermeisterkandidaten die Leistung von Georg Schwarz immer wieder nachdrücklich würdigten. In der Tat hat es dieser verstanden, das über Jahrzehnte hinweg oft turbulente kommunalpolitische Klima in Thannhausen zu beruhigen und nachhaltig konstruktiv zu gestalten. Daran wird sich sein Nachfolger, wer auch immer es ist, auf jeden Fall messen lassen müssen.

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