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Günzburg

12.02.2015

Spielothek-Räuber verrät seinen Komplizen nicht

Vom Überfall hat eine Überwachungskamera Bilder gemacht. Der eine Täter steht jetzt vor Gericht, der zweite ist noch nicht gefasst.
Bild: Polizei (Überwachungskamera)

Zwei bewaffnete Räuber haben im vergangenen Sommer eine Spielothek in Günzburg überfallen. Einer von beiden steht nun vor Gericht. Er ist für die Justiz aber eine harte Nuss.

Mit einem Messer und einer Pistole bewaffnet haben im August vergangenen Jahres zwei vermummte Männer eine Spielothek in Günzburg gestürmt und von der Kassiererin rund 950 Euro in bar erpresst. Dabei wurden sie gefilmt und dank der öffentlichen Fahndung konnte bald einer der beiden Räuber gefasst werden. Nun stand dieser vor der ersten Strafkammer des Landgerichts Memmingen. Der 26-jährige Angeklagte tischte dem Gericht gelinde gesagt eine „unrealistische“ Geschichte auf, wie es zu dem Überfall gekommen war. Und den Namen des Komplizen kenne er auch nicht so genau.

„Ich kenne Sie“, sagte die Vorsitzende Richterin der ersten Strafkammer, Brigitte Grenzstein, und spielte auf das lange Vorstrafenregister des Angeklagten an. Mehr als zehn Einträge stehen darin, das Vorlesen der Liste dauerte fast eine halbe Stunde. Verurteilungen hatte es unter anderem wegen Sachbeschädigung, schwerer Körperverletzung, Diebstahl und Fahren ohne Fahrerlaubnis und unter Alkoholeinfluss gegeben. Zuletzt wurde eine Bewährung widerrufen und er musste eine längere Haftstrafe antreten. Das Thema Alkohol zog sich dabei wie ein roter Faden durch sein bisheriges Leben. Geboren wurde der Angeklagte in Russland und siedelte dann mit der Familie nach Deutschland um. Nach acht Klassen verließ er die Förderschule.

„Kein Geld, keine Perspektiven“

Den 11. August des vergangenen Jahres schilderte der Angeklagte wie folgt: Er habe zunächst einen Freund besucht. Der habe aber Babysitten müssen, weswegen er sich alleine auf den Weg zum Volksfest gemacht habe. Unterwegs lief ihm dann Alex, von dem er weiter keine Daten kenne, über den Weg. Er hatte Alex aber schon einmal in Neu-Ulm getroffen. In einem Biergarten hätten sie dann ihre Lage analysiert: „Kein Geld, keine Perspektiven“. Als sie dann weiter zum Volksfest gehen wollten, seien an einem Nebentisch zufällig ein Plastikschwert und eine Plastikpistole gelegen. Da sei ihnen die Idee gekommen, sich mit den Utensilien in einer Spielothek Geld zu beschaffen.

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Gegen 20.40 Uhr stürmten sie in die Spielothek. Der Angeklagte hatte sich ein sogenanntes Palästinensertuch um das Gesicht geschlagen, der andere einen schwarzen Sack übergezogen. In der Spielothek inspizierte Alex die anderen Räume, der Angeklagte musste auf die Kassiererin warten, die gerade zur Toilette war. Als diese zurückkam, wurde sie aufgefordert, die Kasse zu öffnen, das Messer unterstrich dabei die Forderung. Neben den 950 Euro Bargeld in der Kasse entwendete der Angeklagte noch eine Wertkarte, die er aber bei der Flucht verlor.

Die Kassiererin drückte den Alarmknopf

Die Kassiererin drückte danach den Alarmknopf. Die Räuber wurden aber schon beim Eintreten von Passanten gesehen, die ebenfalls gleich die Polizei riefen. Die Videoaufnahmen führten nach aufwendigen Fahndungsbemühungen zur Festnahme des Angeklagten. Für den Staatsanwalt gab es bei der Geschichte des Angeklagten zu viele Zufälle. Zu seinem Mittäter wollte der Angeklagte nichts mehr sagen. Auch das Angebot der Richterin, eine klare Aussage könnte sich auch im Strafmaß positiv niederschlagen – immerhin gehe es um einen Strafrahmen von fünf bis 15 Jahren – blieb erfolglos. „Sie können das Gericht anlügen, Sie müssen dann aber auch die Antwort vertragen“, meinte Brigitte Grenzstein.

Die Kassiererin, die heute noch unter den Folgen des Erlebten leidet, bestätigte weitgehend die Angaben, die auch durch den Videofilm belegt waren. Sie glaubte aber, ein echtes Messer, ähnlich einem Küchenmesser, erkannt zu haben und widersprach in diesem Punkt dem Angeklagten. Den „Erfolg“ feierten die beiden Räuber übrigens dann gleich auf dem Volksfest und schmissen für Bekannte Runden.

Die Verhandlung wurde schließlich unterbrochen. Es sollen noch weitere Zeugen gehört werden.

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