1. Startseite
  2. Lokales (Günzburg)
  3. St. Veit: Eine Kirche mit großer Vergangenheit

Leipheim

24.04.2019

St. Veit: Eine Kirche mit großer Vergangenheit

Für 1,5 Millionen Euro wird die evangelische Kirche in Leipheim saniert.
8 Bilder
Für 1,5 Millionen Euro wird die evangelische Kirche in Leipheim saniert.
Bild: Bernhard Weizenegger

Plus Nach Ostern wird die evangelische Kirche in Leipheim saniert. Das Gotteshaus aus dem 13. Jahrhundert diente einst als Pferdestall und Gefängnis.

Es gibt wenige Kirchen, die so eine geschichtsträchtige Vergangenheit haben, wie St. Veit in Leipheim. Das Gotteshaus, das erstmals 1225 urkundlich erwähnt worden ist, wurde nach dem 30-jährigen Krieg komplett geplündert und zu einem Pferdestall umfunktioniert. Während des Bauernkriegs waren 700 Gefangene dort eingeschlossen – die Kirche diente als Gefängnis für die Bauern, die die Schlacht am Biberhaken vor den Toren der Stadt Leipheim verloren hatten. Und dann sind es noch die vielen Kleinigkeiten, die die einzige stilechte gotische Kirche im Landkreis Günzburg zu einem ganz besonderen Schmuckstück machen.

Weiterlesen mit dem Plus+ Paket

  • Zugriff auf mehr als 200 neue Plus+Artikel pro Woche
  • Zugang zu lokalen Inhalten, die älter als 30 Tage sind
  • Artikel kommentieren und Newsletter verwalten
  • Jederzeit monatlich kündbar
Jetzt für nur 0,99 € testen

Weiterlesen mit dem Plus+ Paket

  • Zugriff auf mehr als 200 neue Plus+Artikel pro Woche
  • Zugang zu lokalen Inhalten, die älter als 30 Tage sind
  • Artikel kommentieren und Newsletter verwalten
  • Jederzeit monatlich kündbar
Jetzt für nur 0,99 € testen

Kirchenvorstandsmitglied Jürgen Mößle kennt jeden Winkel der Kirche und deren Geschichte. Anfang des 14. Jahrhunderts haben die Güssen, die damaligen Herrscher von Leipheim, die Kirche, die einst zum Kloster Elchingen gehörte, gekauft. Damals wurden noch katholische Gottesdienste in der Kirche gefeiert, erst 1531 wurde sie evangelisch.

Die Güssengruft wurde geplündert

Noch heute ist die Gruft der Güssen in der Kirche zu sehen – in der sogenannten Güssenkapelle. Ob diese einmal von der restlichen Kirche abgetrennt war, ist nicht bekannt. Dafür weiß man seit der letzten Innenrenovierung 1954, dass die Gruft einst geplündert worden ist. Unter der Grabplatte, die das Wappen der Güssen ziert, wurden nur Knochenreste und ein „wildes Durcheinander“ gefunden, wie Jürgen Mößle erklärt. Nach dem 30-jährigen Krieg wurde das Gotteshaus komplett verwüstet. „Die Kirche wurde komplett leer geräumt, es war nichts mehr drin“, berichtet Jürgen Mößle. Die Kirche diente danach als Pferdestall. 1640 wurde St. Veit mit neuem Mobiliar ausgestattet – aus dieser Zeit stammen die Kirchenbänke und die Kanzel, die heute noch in der Kirche sind und auch nach der geplanten Renovierung ( In der Leipheimer St. Veitskirche gibt es viel zu tun) dort wieder ihren Platz finden sollen.

Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.
Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.
Der alte Taufstein wurde einst zerstört und als Quellfassung genutzt.
Bild: Bernhard Weizenegger

Während der Plünderung verschwand auch der gotische Taufstein aus der Kirche. Vermutlich wurde er zerschlagen. Erst im 19. Jahrhundert entdeckten die Leipheimer ihn wieder: Die Einzelteile lagen am Donauabhang hinter dem Pfarrgarten und wurden als Quellfassung verwendet. Die Bruchstücke wurden wieder zusammengefügt. So erhielt das Taufbecken seiner ursprünglichen Funktion zurück und wird auch heute noch genutzt. Mit dem neuen Mobiliar 1640 kam auch die Empore in die Kirche. „Das Besondere ist, dass diese sogar noch ein Stückchen höher liegt, als die Kanzel.“ Einige Gläubige konnten somit auf den Pfarrer während seiner Predigt „hinabsehen“.

Die Plätze in der Kirche wurden vermietet

Wer solch einen begehrten Platz wollte, musste aber tief in die Tasche greifen. Die Plätze in der Kirche wurden vermietet – das zeigen die etlichen Schilder, die an den Kirchenbänken angebracht sind. Auf der Empore sind Namen ehemaliger Bürgermeister und wohlhabender Landwirte zu finden. Auf den Kirchenbänken stehen Namen wie der der ehemaligen Wirtin der Blauen Ente. Die älteste Inschrift stammt aus dem Jahr 1656, die jüngste aus dem 19. Jahrhundert. „Diese bleiben nach der Renovierung erhalten“, versichert Jürgen Mößle.

Ein Blick zur Seite ist gleichzeitig ein Blick in die Vergangenheit. An den Wänden der Kirche hängen Epitaphe – Gedenktafeln mit Inschriften für einen Verstorbenen. An einstige Pfarrer und Vögte wird so erinnert – begraben liegen in St. Veit allerdings nur die weltlichen Herrscher, die Vögte. Die Pfarrer wurden auf dem Friedhof begraben, an sie erinnern lediglich die Gedenktafeln.

Bei Vorarbeiten zur Kirchensanierung wurde eine alte Gruft im Boden des Altarraums entdeckt.
Bild: Bernhard Weizenegger

Ein Blick nach oben lässt erahnen, wie die Kirche vor einigen Jahrhunderten ausgesehen hat. Bei Renovierungsarbeiten im Jahr 1822 kam die alte Deckenbemalung zum Vorschein, die sich auch über die Wände erstreckte. Die Bemalung wurde in weiten Teilen wieder frei gelegt.

Die jüngste Entdeckung in der St. Veitskirche ist die, die das größte Geheimnis verbirgt: Bei Vorarbeiten zur Kirchenrenovierung vor wenigen Wochen, wurde bei der Entfernung der Bodenplatten ein Gewölbe im Altarraum entdeckt ( 700 Jahre altes Grab entdeckt) . Wer dort begraben liegt, ist allerdings nicht bekannt. Wie Jürgen Mößle erklärt, steht auch noch nicht fest, ob die Gruft weiter untersucht wird.

An Ostern wurde der vorerst letzte Gottesdienst in St. Veit gefeiert. Nun beginnt die Sanierung der Kirche, für die etwa eineinhalb Jahre veranschlagt sind. Die Innenrenovierung wird etwa 1,5 Millionen Euro kosten. Nicht inbegriffen ist in den Kosten die Sanierung der Orgel. Während dieser Zeit feiern die Gläubigen in der Dreifaltigkeitskirche in der Güssenstraße und in der St. Pauluskirche.

Mehr Bilder von der St. Veitskirche finden Sie hier:

St. Veit: Eine Kirche mit großer Vergangenheit
43 Bilder
Einblicke in die Leipheimer Kirche St. Veit
Bild: Bernhard Weizenegger
Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren