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Leipheim

12.07.2019

St. Veitskirche in Leipheim: Jetzt wird noch tiefer gegraben

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Ein Skelett, vermutlich aus dem 12. oder 13. Jahrhundert, wurde bei Grabungen in der St. Veitskirche in Leipheim entdeckt.
Bild: Jürgen Mößle

Plus Ist die evangelische Kirche in Leipheim noch älter als gedacht? Archäologen sind bei Ausgrabungen auf neue Rätsel gestoßen.

Jetzt wird es spannend für Anja Seidel und ihr Grabungsteam vom Archäologiezentrum Günzburg in der Leipheimer Kirche St. Veit. Dass die Kirche, die bislang als rein gotisch gegolten hatte, wohl in ihrer Anlage und Größe aus der Romanik stammt, hatten die Grabungen bereits gezeigt, die im Zusammenhang mit dem Einbau einer Fußbodenheizung stattfinden ( 700 Jahre altes Grab entdeckt ). Fragen wirft nun auch Dachstuhl auf.

Erstmals urkundlich erwähnt ist St. Veit im Jahr 1245, als Papst Honorius III. dem Kloster Elchingen die Übertragung der Kirche St. Veit bestätigt, die bereits unter seinen Vorgängern Calixtus II. und Innozenz II. geschehen war. Papst Innozenz II. starb 1143 – eine Veitskirche muss also bereits damals existiert haben. Allerdings war man bislang davon ausgegangen, dass der neue Ortsadel der Güssen St. Veit um 1330 neu erbaut hatte – doch je mehr die Archäologen finden, desto klarer wird, dass die Kirche in weiten Teilen wohl nur gotisch umgebaut worden war (Lesen Sie dazu: Neue archäologische Funde in der St. Veitskirche in Leipheim ). Die Güssen wollten St. Veit ihren eigenen Stempel aufdrücken und eine repräsentative Grablege für die ihre Familie haben, vermutet Anja Seidel.

St. Veit wurde im 14. Jahrhundert umgebaut

Eine Begehung des Dachstuhls von St. Veit mit der Gästeführerin Marianne Winkler warf für die Archäologen zusätzliche Rätsel auf. Eingemauerte Rundbögen knapp unterhalb des gotischen Dachstuhls der Kirche lassen vermuten, dass St. Veit im 14. Jahrhundert umgebaut, etwas erhöht und mit der jetzt noch existierenden mehrstöckigen hölzernen Dachstuhl-Konstruktion aufgewertet wurde – worauf auch Strukturen in der Südwand deuten.

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Besonders rätselhaft ist der massive Vierungsturm im Inneren des Dachstuhls, der Öffnungen aufweist, die wohl eine frühere Dachkonstruktion getragen haben dürften, und in dem eine Fensteröffnung sichtbar ist. Anja Seidel ist überzeugt, dass diese Vierung einem Vorgängerbau zuzuordnen ist. Aus welcher Zeit stammt er? Ein Bauhistoriker soll das klären, wünscht sie sich, um die Geschichte von St. Veit und der Vorgängerbauten im Rahmen der Chance der aktuellen Grabung klarer werden zu lassen.

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Sensationsfund in der Leipheimer St. Veitskirche
Bild: Bernhard Weizenegger

Die eigentliche Sensation aber ließ sich Johann Friedrich Tolksdorf, Referent des Landesamtes für Denkmalpflege Schwaben, zeigen: Die Archäologen legten in jüngster Zeit die Eingangssituation einer Vorgängerkirche aus fränkischer Zeit frei. Man war schon früher davon ausgegangen, dass zur Zeit des Frankenreiches, das während des 5. bis 9. Jahrhunderts unter den Merowingern und Karolingern bestand, in Leipheim eine Kirche stand, doch gelang es nun erstmals, diese zu lokalisieren: Das Portal mit den Stufen, die zur Eingangsschwelle führen, liegt innerhalb der Kirche St. Veit, die fränkische Kirche war damit ein Vorgängerbau der heutigen. Kirchenvorstand Jürgen Mößle, der zugleich Leiter des Leipheimer Stadtbauamtes ist, und der Architekt, der die aktuellen Baumaßnahmen in St. Veit betreut, stimmten den Plänen zu, nun an dieser Stelle tiefer zu graben als ursprünglich für den Einbau der Unterflurkonvektoren nötig.

Es soll herausgefunden werden, ob aus fränkischer Zeit noch ein Fußboden existiert – oder ob möglicherweise sogar eine römische Fundierung an dieser Stelle findbar ist. Von einem „prominenten Siedlungsplatz“ spricht auch Tolksdorf – doch erst ein Bodenradar, das in der kommenden Woche innerhalb von St. Veit und auf dem Vorplatz der Kirche eingesetzt werden soll, kann möglicherweise nähere Aufklärung bringen zu früheren Nutzungen des Ortes. Zugleich wollen Experten versuchen, das Alter von jüngst in St. Veit entdeckten Resten eines Holzsarges zu untersuchen, der unabhängig von der Güssengruft ist und an ganz anderer Stelle im Kirchenschiff gefunden wurde.

Skelettteile werden weiter untersucht

Eine Untersuchung von Skelettteilen, von denen im Kirchenboden an verschiedenen Stellen große Mengen gefunden worden waren, soll deren Alter bestimmen. Schon bei oberflächlichen Grabungen haben sich die Ränder des Sarges abgezeichnet. Das freigelegte Skelett stammt, so vermutet Jürgen Mößle, wahrscheinlich aus dem 12. oder 13. Jahrhundert. Nähere Untersuchungen sollen aber weitere Erkenntnisse liefern.

St. Veitskirche Leipheim
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Einblicke in die Leipheimer Kirche St. Veit
Bild: Bernhard Weizenegger

In Kisten haben die Archäologen Skelettteile gesammelt. Etliche Schädel haben sie im Boden der Kirche entdeckt, auch Knochen wurden in Großer Zahl gefunden. „Es war zu dieser Zeit normal, die Verstorbenen in der Kirche zu begraben“, erklärt Jürgen Mößle. Gerade mal in 70 Zentimeter Tiefe wurden die Knochen gefunden. Sie sollen alle in der Kirche wieder bestattet werden. Das Interesse bei der Bevölkerungen ist groß. Zum Gemeindefest gab es es drei Führungen, in denen sich die Gläubigen über die Funde und den Baufortschritt informieren können.

Lesen Sie über die geplanten Bauarbeiten in der St. Veitskirche: In der Leipheimer St. Veitskirche gibt es viel zu tun

Mehr über die Geschichte der St. Veitskirche, die sogar als Pferdestall und Gefängnis genutzt wurde, erfahren Sie hier: St. Veit: Eine Kirche mit großer Vergangenheit

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